Technische Universität Wien
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2016-04-06 [

Florian Aigner

 | Büro für Öffentlichkeitsarbeit ]

Forschen, coden, Welt verbessern

Hannes Werthner, der neue Dekan der Fakultät für Informatik, im Portrait

Prof. Hannes Werthner

Im Zentrum stehen und die Bälle verteilen – das kann Prof. Hannes Werthner gut. Sein Studium hat er sich genau damit finanziert, als zentraler Mittelfeldspieler beim Regionalliga-Fußballverein Oberwart. Eine ähnlich zentrale Rolle nimmt er heute an der Fakultät für Informatik ein. Schon in vergangenen Jahren hat er dort wesentliche Akzente gesetzt, etwa durch neue Konzepte für die PhD-Schulen, seit Jänner 2016 leitet er die Fakultät als Dekan.

Werthners Forschungsarbeit zeigt, wie eng in der Informatik oft Grundlagenforschung und Anwendung miteinander verwachsen sind. Er beschäftigte sich mit mathematischen Themen aus der Systemtheorie, er arbeitet an formalen Systemen, mit denen man Daten auf inhaltlich sinnvolle Weise aufbereiten kann, ähnlich wie das dem menschlichen Gehirn gelingt. Gleichzeitig wandte er fundamentale Lösungsansätze auf ganz praxisnahe Fragestellungen an – insbesondere im Bereich e-Commerce und Tourismus.

Warum kompliziert, wenn’s auch online geht?
Schon in den frühen Neunzigerjahren arbeitete Hannes Werthner mit der Tirol-Werbung zusammen, um die Möglichkeiten der Informatik für den Tourismus zu nutzen. „Damals hat noch niemand vom Internet gesprochen, aber es war bereits absehbar, in welche Richtung die Entwicklung gehen wird“, sagt Werthner. In seinen Publikationen aus dieser Zeit sagte er bereits voraus, dass sich verschiedene Aufgaben von Reisebüros in die virtuelle Welt verlagern würden und dass Privatpersonen Information in virtuelle Communities teilen würden – all das ist tatsächlich eingetreten. Auch heute noch entwickelt er Ideen, die für den E-Tourismus eine wichtige Rolle spielen – zum Beispiel Recommender-Algorithmen, die automatisch auf die User zugeschnittene Vorschläge vorauswählen können.

Italien und Österreich
Werthner studierte an der TU Wien, wo er auch promovierte. Danach zog es ihn in den Süden: Er ging als Visiting Professor an das Politechnikum in Mailand, wo er sich mit Umweltsimulationen und mit den Grundlagen von Entscheidungsunterstützungssystemen beschäftigte. „Es war wohl die schönste Zeit in meiner Karriere“, meint Werthner. Er genoss nicht nur mediterrane Lebensqualität, er lernte auch eine moderne, international ausgerichtete Wissenschaftskultur kennen: „Man publizierte in internationalen Journalen und fuhr auf internationale Konferenzen – das war damals noch nicht überall selbstverständlich. Mittlerweile gehört das natürlich auch in Österreich längst zum Alltag.“

Es folgte eine Reihe von Karriereschritten in Österreich und im Ausland: Hannes Werthner forschte an der Universität Wien, an der Wirtschaftsuniversität Wien und später auch in Innsbruck, er ging an die Universität Trento und war Visiting Professor in Surrey (Großbritannien). 2006 wurde er schließlich als Professor an die TU Wien berufen und kehrte an seine Alma Mater zurück.

Auch Erfahrung in der Wirtschaft konnte Werthner sammeln – als Chef der Firma Eurocom, die E-Tourismus-Lösungen entwickelte, und als Aufsichtsrat der Firma Tiscover, die für die Tirol Werbung arbeitete. Trotzdem fühlt er sich in der akademischen Welt wohler: „Ich bin ein Freigeist. Ich habe immer getan, was ich für richtig hielt“, meint er. „An einer Universität hat man es doch deutlich leichter, seine Ideen zu verwirklichen.“

Und an guten Ideen hat es ihm nie gemangelt: So gründete Hannes Werther etwa eine PhD-School, die neue Qualitätsmaßstäbe in der Ausbildung von Doktoratsstudierenden setzte. Man versucht, die klügsten Köpfe an die TU Wien zu holen, indem man anspruchsvolle, genau geregelte Auswahlverfahren definiert, nach etwa einem Jahr muss das Doktoratsproposal verteidigt werden, wodurch die Studierenden schon früh dazu angeleitet werden, ihr Forschungsprojekt klar und zielorientiert zu strukturieren.

Bestens bewährt haben sich auch Werthners Versuche, die Startup-Kultur an der TU Wien zu fördern. Mit dem „Informatics Innovation Center“ (i2C) wurde ein Zentrum für wirtschaftliche Innovationen geschaffen, das Studierenden und Forschenden an der TU Wien hilft, markttaugliche Ideen zu entwickeln. Die Nachfrage an diesem Beratungsprogramm ist riesengroß, das Konzept wird nun auf die übrigen Fakultäten der TU Wien ausgeweitet.

Technik für Menschen
Doch nicht nur Wissenschaft und Technologie ist Hannes Werthner wichtig. Er findet, dass Universitäten auch eine soziale Aufgabe zu erfüllen haben. Als im Sommer 2015 immer mehr Flüchtlinge in Österreich Sicherheit und Zuflucht suchten, rief Werthner die Aktion „WelcomeTUCode“ ins Leben: Kleine Teams von Studierenden der TU Wien bringen Flüchtlingen Computer-Grundkenntnisse bei. „Flüchtlinge in Österreich haben oft den ganzen Tag fast nichts zu tun. Man sollte ihnen die Chance geben, ihre Zeit sinnvoll zu nutzen – und Computerkenntnisse braucht man heute praktisch überall“, sagt Werthner. Die Aktion war ein großer Erfolg, zahlreiche Studierende waren mit großem Engagement dabei, WelcomeTUCode läuft nach wie vor weiter.

An der großen Bedeutung der Informatik zweifelt im 21. Jahrhundert wohl niemand mehr. „Ich sage meinen Studierenden gerne: Ihr seid die Treiber der Innovation, ihr verändert die Welt!“, erzählt Hannes Werthner. Man muss dabei allerdings immer bedenken, dass man nicht nur technische Probleme zu lösen hat, sondern auch eine soziale Verantwortung trägt. „Neue Entwicklungen in der Informatik haben auch Auswirkungen auf die Arbeitsplätze, oder auch auf Datenschutz und Privatsphäre. Das muss man sich immer bewusst machen.“