Technische Universität Wien
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2017-02-15 [

Alfred Blaschke

 | Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie ]

Johann Reitinger – ein Nachruf

Die TU Wien und das Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie trauern um Prof. Johann Reitinger.

Johann Reitinger

Mit tiefer Betroffenheit und für uns alle noch immer unfassbar geben wir Nachricht, dass unser Kollege Johann Reitinger am 25. Jänner 2017 völlig unerwartet im 87. Lebensjahr verstorben ist. Johann Reitinger konnte dank seiner Neigung zu sportlicher Aktivität und damit verbundener Fitness noch bis zuletzt seinen großen Erfahrungsschatz mit seinen Kolleg_innen teilen. Nicht nur durch sein enormes Wissen über das Thema Grundwasser sondern auch durch seine außerordentliche soziale Kompetenz wird er uns immer ein Vorbild sein. 

Johann Reitinger hat sein Studium Bauingenieurwesen an der (vormals) Technischen Hochschule Wien abgeschlossen und begann 1955 seine akademische Laufbahn am Institut für Hydraulik, Verkehrswasserbau, Siedlungswasserbau und landwirtschaftlichen Wasserbau. Sein wissenschaftliches Interesse galt dem Thema Wasser und war immer begleitet von seinem praktischen Engagement für den Schutz unserer Wasservorkommen. So war es für ihn naheliegend, sich auch deren Erkundung zu widmen, und in weiterer Folge stand die damals an der TU noch nicht etablierte Grundwasserwirtschaft im Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit. Mit seinen zahlreichen Publikationen zu diesem Thema habilitierte er sich im Jahre 1985 an der Technischen Universität Wien.

Seine erfolgreiche Arbeit fand ihren Niederschlag in der Mitwirkung in zahlreichen Fachbeiräten in Ministerien oder bei der Erstellung von Regelwerken durch Fachverbände, wie beispielweise dem Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverband. Seine fachübergreifende Expertise zeigte sich auch in einer regen Gutachtertätigkeit.

Johann Reitinger etablierte das Fach Grundwasserwirtschaft in der Studienrichtung Bauingenieurwesen, ein Fach das für die Trinkwasserversorgung und für die Sicherung unserer Lebensgrundlagen von größter Bedeutung ist. Bei den Studierenden erfreute er sich hoher Anerkennung und Beliebtheit - bei der Betreuung von Diplomarbeiten und Dissertationen war er im besten Sinne des Wortes ein Doktor"vater".

Dr. Reitinger, wie er von allen genannt wurde, war stets ein Mensch der leisen Töne, ein ruhiger, allem aufgeschlossener und immer hilfsbereiter Kollege, der aber gerade auch in seiner stillen Art initiativ und konsequent seine Ziele verfolgte. Er war ein Mensch, der lebenslang naturverbunden blieb, und sich seinen Bergtouren bis ins hohe Alter erfreute.

Unvermittelt hat uns sein Ableben getroffen. Noch am Vortag hat er Gesprächstermine vereinbart und war in diesen Tagen aktiv in unserer Mitte. Wir trauern um einen lieben väterlichen Freund und Kollegen, der uns eine große Strecke des Lebens begleitet hat.