Technische Universität Wien
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2017-04-11 [

Florian Aigner

 | Büro für Öffentlichkeitsarbeit ]

Erneuerbare Energie für Heizung und Klimaanlage

Die TU Wien forscht mit internationalen Partnern daran, wie die Wärmeerzeugung zukünftig umweltfreundlicher werden könnte.

Anteil erneuerbarer Energieträger in Europa

Heizen, Warmwasserbereitstellung und Kühlen sind energieaufwändig. Um Wärme und Kälte in Zukunft auf umweltfreundlichere Weise bereitstellen zu können, hat die EU-Kommission eine eigene Wärme- und Kältestrategie vorgeschlagen. Die TU Wien war Teil eines wissenschaftlichen Konsortiums das Zukunftsszenarien entwickelte, um die Politik zu beraten und zu unterstützen. Geleitet wurde das Forschungsprojekt vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI.
Um abschätzen zu können, inwieweit man bis zum Jahr 2030 den Wärme- und Kältebedarf der Haushalte, des Dienstleistungssektors und der Industrie mit erneuerbaren Energieträgern decken kann, und welche CO2-Emissionsreduktionen damit möglich werden, wurden verschiedene Zukunftsszenarien für alle Länder der EU berechnet.

Entwicklung im Wärme- und Kältesektor bis zum Jahr 2030

Die Bereitstellung von Wärme und Kälte macht mit etwa 50% den größten Anteil am Energiebedarf der EU aus. Sogar der Anteil der Mobilität ist mit 35% deutlich geringer. "Wenn europaweit der Anteil erneuerbarer Energie nachhaltig gesteigert werden soll, ist es daher sinnvoll, sich gerade die Wärme- und Kälteerzeugung näher anzusehen", erklärt Lukas Kranzl vom Institut für Energiesysteme und Elektrische Antriebe der TU Wien. Vor allem die Wärmeerzeugung ist nach wie vor durch den Einsatz fossiler Energieträger wie Erdgas, Heizöl und Kohle geprägt.

Zwar gibt es in Österreich mittlerweile relativ viele mit Biomasse befeuerte Heizungsanlagen, trotzdem beträgt der Anteil erneuerbarer Energieträger an der gesamten Wärme- und Kälteversorgung in Österreich nur 30%. EU-weit sind es sogar nur 16,7% (nach Eurostat-Definition). Der Rest wird nach wie vor hauptsächlich mit fossilen Energieträgern gedeckt, die zum Großteil importiert werden. Insgesamt werden etwa 50% der in der EU benötigen Energie für Wärme und Kälte über importierte Primärenergieträger (Erdgas, Erdöl, Kohle) zur Verfügung gestellt.

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts zeigen: Wenn die politischen Rahmenbedingungen bleiben, wie sie derzeit sind, dann ist bis 2030 europaweit eine Steigerung des Anteils erneuerbarer Energieträger im Bereich der Wärme- und Kälteerzeugung auf lediglich 26% zu erwarten. Damit würden nicht nur die 2030-Ziele verfehlt, die sich die EU-Mitgliedstaaten für erneuerbare Energien gesteckt haben, sondern auch das Erreichen der Klimaziele von Paris würde in weite Ferne rücken. Mit einer Reihe verschiedener Maßnahmen könnte man diesen Anteil im gleichen Zeitraum allerdings auch auf 30% steigern - und zwar mit vertretbaren Mehrkosten.

Möglichkeiten zur Förderung erneuerbarer Energieträger

Möglichkeiten zur Reduktion des Bedarfs an fossilen Energieträgern gibt es viele: Thermische Gebäudesanierung, Wärmepumpen, Biomassekessel, Solarthermiekollektoren und die Nutzung von Abwärme in Wärmenetzen sind bereits heute marktreife Technologien. Doch obwohl sie durchaus konkurrenzfähig sind und nicht bzw. kaum mehr kosten als fossile Heiztechnologien, ist der Marktanteil von Erdgas-befeuerten Technologien bei neu errichteten Anlagen noch immer am größten.

Die Europäische Kommission überlegt daher Maßnahmen, um den erneuerbaren Technologien zu schnellerem Wachstum zu verhelfen. In der aktuellen Studie wurde untersucht, welche Auswirkungen es hätte, wenn man Energieversorgern im Wärmebereich eine jährliche steigende Mindestquote erneuerbarer Energien vorschreiben würde.

Damit solche Maßnahmen wirklich greifen, müsste man jedenfalls gleichzeitig auch bestehende Subventionen auf fossile Wärmetechniken streichen – etwa auch Förderungen für "effizientere" aber immer noch fossil betriebene Heizkessel. Das sollte möglichst schnell geschehen, denn ein heute mit bestehenden Förderungen in Betrieb genommener fossiler Heizkessel wird meist für Jahrzehnte genutzt und führt langfristig zu höheren CO2 Emissionen und Importen von Energieträgern.

Die Ergebnisse des Projekts stehen sowohl als Report, als auch als umfassende Datensätze für die gesamte EU für weitere Analysen zur Verfügung.

Meht Informationen:
http://eeg.tuwien.ac.at/mappinghc.php