Technische Universität Wien
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2017-06-16 [

Lea Renoldner

 | TU Vision 2025+ ]

TU Vision 2025+: Dinner and Discussion

"Dinner and Discussion - Forschungsgeleitete Lehre: Beispiele gelebter Praxis und Impulse von außen" hieß die Semesterabschlussveranstaltung von TU Vision 2025+, bei der sowohl Wissenschafter_innen der TU Wien als auch externe Gäste Ihre Sicht auf und Erfahrungen zum Semesterthema "Forschungsorientiertes Studieren" in Impulsstatements vorstellten.

© TU Vision 2025+

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Eingestreut zwischen den Gängen des gemeinsamen Abendessens konnten so wertvolle Anregungen für die folgenden Tischgespräche geliefert werden.

Gottfried Magerl, in seiner Funktion als Senatsmitglied der Christian Doppler Forschungsgesellschaft, forderte dazu auf, die Studierenden in ihrer Forschungstätigkeit auch auf Fehlschläge und Misserfolge vorzubereiten, da auch darin ein wichtiger Lernprozess enthalten ist.

TU Wien-Physiker Florian Libisch brachte einige Beispiele aus seinem Fachbereich der Theoretischen Physik, wo die Studierenden u.a. mit Rohdaten konfrontiert werden, deren Bedeutung noch nicht verstanden wurde, und die so auch abseits des Experiments zum Hineindenken in die Problematik und selbstständigen Lösungsprozess anregen.

Rudolf Egger, Pädagoge und Professor für Lebenslanges Lernen und Lebensbegleitende Bildung an der Karl-Franzens-Universität Graz sowie Leiter des Arbeitsbereichs für Angewandte Lernweltforschung, beschäftigt sich seit Jahren wissenschaftlich mit dem Thema Forschungsgeleitete Lehre. Forschungsorientiertes Studieren braucht Struktur, die vielen neu angehenden Lehrenden an Universitäten fehlt. Da sich die Art zu unterrichten in den ersten ein bis drei Jahren der Lehrtätigkeit entwickelt und festigt, ist es entsprechend wichtig gleich zu Beginn anzusetzen. Das Handwerk des Lehrens zu erlernen kann z. B. mit Hilfe von Peer-Hospitanzen oder Lehrportfolios geschehen und somit zum nachhaltigen Erfolg für die Studierenden und den Lehrenden selbst beitragen, besonders bei einer engen Verflechtung von eigener wissenschaftlicher Tätigkeit und (forschungsgeleiteter) Lehre.

 Vera Bühlmann, Professorin an der Fakultät für Architektur und Raumplanung, sieht in der Marginalisierung der Geisteswissenschaften ein Problem, das sich mittel- und langfristig auch auf die Qualität der Lehre und Forschung auswirkt - und zwar auch an einer Technischen Universität. So geht es Ihrer Ansicht nach nicht nur darum, Technik für Menschen zu gestalten, sondern umgekehrt auch Menschen für Technik auszubilden, womit gemeint ist, den Studierenden mehr Fertigkeiten zusätzlich zum notwendigen fachspezifischen Wissen zu vermitteln.

 FWF-Vizepräsident Gregor Weihs stellte die Frage in den Raum, wann man mit der Forschung eigentlich anfangen soll. Es kann seiner Ansicht nach auch zu früh sein, nämlich dann, wenn man die Grundfertigkeiten als Basisvoraussetzung der eigenständigen Forschung noch nicht besitzt. Wer forscht, soll aber auch ausreichend Zeit zum Verständnis und Aufschreiben der Erkenntnisse bekommen.

 Günter Blöschl, Professor an der Fakultät für Bauingenieurwesen, brachte noch einmal Beispiele aus der Praxis, wo in seinem Fachgebiet Ingenieurhydrologie angewandte Projekte als Motivationsgrundlagen für Studierende herangezogen werden. Außerdem wird danach gestrebt den Studierenden die Grenzen der theoretisch erlernten Methoden aufzuzeigen. Auch die Interdisziplinarität ist ein wichtiges Kriterium, das in der praktischen Umsetzung von forschungsgeleiteter Lehre Einfluss findet. Zu guter Letzt profitiert aber seiner Erfahrung nach nicht nur die Lehre von der Forschung, sondern auch die Forschung von der Lehrtätigkeit, da sie die Mitarbeiter_innen und Studierenden darin schult, ihre Modelle und Ergebnisse verständlicher erklären zu können sowie sich kritischen und fragenden Stimmen kompetent zu stellen.

 TU Vision 2025+ wird im Wintersemester 2017/18 fortgesetzt. Das Programm wird Anfang Oktober 2017 bekanntgegeben.

Weitere Informationen: vision2025.tuwien.ac.at