Technische Universität Wien
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2008-06-19 [

Emmerich Bertagnolli

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Abschied von Univ.-Prof. Dr.techn. Bernard Favre-Bulle

Unser Kollege, Freund und Lehrer, Univ.-Prof. Dr.techn. Bernard Favre-Bulle ist am 8. Juni dieses Jahres im 52. Lebensjahr nach langer, schwerer Krankheit in Wien verstorben. Die Angehörigen der TU Wien trauern um einen liebenswerten Menschen, einen hervorragenden Wissenschaftler, einen geschätzten Kollegen und einen exzellenten Lehrer.

Bernard Favre-Bulle

Bernard Favre-Bulle

Bernard Favre-Bulle, geboren 1956 in Wien, war Schweizer Staatsbürger. Der Großteil seiner akademischen Ausbildung fand an der TU Wien statt, wo er sowohl das Studium der Elektrotechnik absolvierte, als auch seine Promotion erwarb. Ein Projekt der japanischen High-Tech-Schmiede Nitto-Kohki faszinierte ihn so sehr, dass er nach seiner Promotion im Jahre 1989 für 3 Jahre nach Tokyo ging. Er fand die japanische Kultur so faszinierend, dass er die japanische Schrift erlernte und japanische Publikationen im Original Kanji lesen konnte.  Seinen Bezug zur japanischen Kultur hat er auch nach seiner Rückkehr durch die in japanischen Schriftzeichen gehaltene (Nicht-) Anwesenheitsanzeige an seinem Professorenzimmer zum Ausdruck gebracht. Nach weiteren 10 Jahren erfolgreicher Industrietätigkeit bei Hilti in Liechtenstein wurde Bernard Favre-Bulle im Jahre 2003 zum Universitätsprofessor für Industrielle Automatisierungstechnik an die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik berufen.

Mit außergewöhnlichem Engagement erarbeitete er sehr schnell das zukunftsweisende Lehrbuch über „Automatisierung komplexer Industrieprozesse“ (erschienen 2004) und eine internationale Studie zur „Zukunft der Forschung in den Produktionswissenschaften“ (April 2006). Seine Arbeiten insbesondere im Bereich der verteilten Steuerungstechnik und der kognitiven Informationsverarbeitung in der Robotik haben den Ingenieursnachwuchs unserer Fakultät nachhaltig begeistert und den raschen Ausbau des Institutes für Automatisierungs- und Regelungstechnik in Forschung und Lehre ermöglicht. Durch die Balance zwischen Industrie- und Universitätserfahrung war er sowohl im Fachlichen als auch im Organisatorischen eine anerkannte Autorität. Die Arbeit für den wissenschaftlichen Ingenieursnachwuchs war für ihn eine leidenschaftliche Verpflichtung und Freude. Er hat die Betreuung seiner zahlreichen DiplomandInnen und DissertantInnen sogar von zu Hause aus bis zu seinem - letztlich für alle unerwarteten - Tod mit großem Engagement weitergeführt.

Wir, seine SchülerInnen, FreundInnen und KollegInnen und seine Angehörigen haben einen außerordentlich kameradschaftlichen und altruistischen Ingenieur und Menschen verloren. Seine Persönlichkeit und seine wissenschaftliche Schaffenskraft werden uns allen sehr fehlen, aber sein Geist und seine über 50 Publikationen und Vorträge werden uns weiterhin begleiten. Unsere tiefe Anteilnahme gilt besonders seiner Familie.