Technische Universität Wien
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Experiment der Superlative

Sonderbeobachtung zum Internationalen Jahr der Astronomie am 19. November 2009

Effelsberg bei Sonnenaufgang (Deutschland, zweitgrößtes schwenkbares Teleskop weltweit)

Effelsberg bei Sonnenaufgang (Deutschland, zweitgrößtes schwenkbares Teleskop weltweit)

Effelsberg mit den StudentInnen der TU Wien bei einer Exkursion

Effelsberg mit den StudentInnen der TU Wien bei einer Exkursion

Teleskop O'Higgins in der Antarktis

Teleskop O'Higgins in der Antarktis

Laut Pressemitteilung des International VLBI Service for Geodesy and Astrometry (IVS) ist es ein Experiment, dass es in dieser Form noch nicht gegeben hat und die TU Wien ist intensiv daran beteiligt. Im Rahmen des International Year of Astronomy 2009 der International Astronomical Union (IAU) nehmen vom IVS koordiniert 35 Radioteleskope weltweit an einer 24-stündigen Messung für Radioastrometrie teil. Bei diesem Experiment werden die Mikrowellensignale von 243 Quasaren, also von Milliarden Lichtjahren entfernten, interstellaren Radioquellen aufgezeichnet. Die stabilsten unter ihnen bilden ein von der IAU  festgelegtes Netzwerk raumfester Vermessungspunkte in der Astronomie, auch International Celestial Reference Frame (ICRF2) genannt. Bei dem Experiment handelt es sich, bezogen auf die Anzahl der teilnehmenden Teleskope und der genutzten Quasare, um das bislang größte seiner Art, also um einen einzigartigen Weltrekord. Deshalb wurde vom IVS auch die Einbeziehung der Öffentlichkeit durch Aktionen rund um die Teleskope und Auswertezentren angeregt, um Wissenschaft mit offenen Türen zu präsentieren.

Quasare sind interstellare Objekte im Zentrum einer Galaxie, die typischerweise heller als eine Milliarde Sonnen leuchten. Wissenschaftler vermuten, dass sie von riesigen Schwarzen Löchern angetrieben werden, die durch ihre hohe Gravitationswirkung Gase anziehen. Diese werden komprimiert und dadurch auf mehrere Millionen Grad aufgeheizt. Dadurch wird intensives Licht und Energie abgestrahlt. Durch die Entfernung der Quasare von über einer Milliarde Lichtjahren erscheinen sie auf der Erde als Fixpunkte und bilden so ideale Ziele, um als präzise und stabile Fundamentalpunkte für den Referenzrahmen der Astronomie zu dienen.

Die Technik, mit der diese Quasare beobachtet werden, nennt man Very Long Baseline Interferometry (VLBI). Dabei handelt es sich um ein astronomisches Verfahren, bei dem weltweit verteilt, mehrere Radioteleskope die gleiche Region am Himmel beobachten. Die empfangenen Mikrowellensignale werden aufbereitet und digital aufgezeichnet und an einen sogenannten Korrelator gesandt. Dort werden die Daten jedes Teleskops dekodiert, abgeglichen und mit den Daten jedes anderen, beteiligten Teleskops korreliert. Dies erlaubt die Generierung von Bildern der kosmischen Radioquellen. Das gewonnene Bildmaterial hat eine hundertfach bessere Auflösung als ein vergleichbares Bild einer rein optischen Beobachtung. In der Astrometrie wird das Verfahren auch zur Vermessung der Position der Quasare mit einer Präzision von bis zu 0.00000005 Grad genutzt. Dies ist so als könnte man von Europa aus über den Atlantik hinweg die Position eines Bleistifts in Nordamerika bestimmen. Diese stabilen Referenzpunkte können deshalb ideal auch zur Vermessung der Erde eingesetzt werden und zeigen Lage-, Rotations- und Formänderungen in hoher Auflösung. Diese Änderungen beruhen auf Phänomenen, wie zum Beispiel Klimaänderungen, Gezeitenwirkungen oder der tektonischen Plattenbewegung.

Beim Experiment der Superlative werden Teleskope in Asien, Australien, Europa, Nordamerika, Südamerika, der Antarktis und in der Pazifikregion zusammen ein Beobachtungssystem bilden, dass man als Very Long Baseline Interferometer bezeichnet. Das gesamte Netzwerk hat letztendlich dann eine Auflösung, als hätte man ein riesiges Radioteleskop, das so groß wie das gesamte Netzwerk ist. Damit kann eine astrometrische Bestimmung (Astrometrie = Angabe der exakten Positionen von Objekten im Weltall) mit bislang ungeahnter Genauigkeit durchgeführt werden. Zahlreiche der beteiligten Radioteleskope wie z.B. eines auf O’Higgins in der Antarktis und ein anderes in Concepcion in Chile kann man sich on-line per webcam anschauen auf http://iya09-ivs.obs.u-bordeaux1.fr/pages/allwebcams.html.

An der TU Wien wird das Experiment am 19. November um 11:00 in der Gusshausstr. 27-29, im SEM124 (Stiege 2, 3. Stock) interessierten Studierenden wie auch der Öffentlichkeit vorgestellt.

Weitere Informationen gibt es direkt vom IVS unter ivscc.gsfc.nasa.gov/program/iya09. Das Experiment startet am 18. November um 19 Uhr Ortszeit Wien und endet am 19. November um 19 Uhr Ortszeit. Während der gesamten Zeit können zudem über eine dynamische Internetseite der Universität Bordeaux unter http://iya09-ivs.obs.u-bordeaux1.fr Livebilder von den 243 beobachteten Quasaren herunter geladen werden.

Die Auswertung der Daten wird beim IVS-Auswertezentrum am Institut für Geodäsie und Geophysik der TU Wien unter Leitung von Prof. Harald Schuh und Dr. Johannes Böhm durchgeführt, das insofern eine zentrale Rolle bei diesem Experiment einnimmt.

Lesen Sie hier die offizielle Presseaussendung nach.

Nähere Informationen:

Prof. Dr. Dr. h.c. Harald Schuh
Institut für Geodäsie und Geophysik (E128)
Gusshausstr. 27-29
1040 Wien
T +43-1-58801-12860
F +43-1-58801-12896
harald.schuh@tuwien.ac.at

Dr.  Johannes Böhm
Institut für Geodäsie und Geophysik (E128)
Gusshausstr. 27-29
1040 Wien
T +43-1-58801-12864
F +43-1-58801-12896
johannes.boehm@tuwien.ac.at