Technische Universität Wien
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2011-09-14 [

Florian Aigner

 | Büro für Öffentlichkeitsarbeit ]

Wo ist im Weltraum rechts?

Wie man sich auf der Erde und am Himmel zurechtfindet, und zwar mit höchster Präzision, das ist das Thema einer internationalen Konferenz, organisiert vom Institut für Geodäsie und Geophysik der TU Wien.

Journees 2011 - Internationale Konferenz über Positionsbestimmung am Himmel und auf der Erde

Einen exakten Stadtplan zu zeichnen, ist nicht besonders kompliziert. Man wählt willkürlich einen Ausgangspunkt, misst sauber die wichtigen Abstände ab und trägt sie ein. Raum und Zeit auf einer  größeren Skala zu beschreiben ist hingegen nicht so einfach. Exakte Positionsbestimmungen auf globaler Ebene oder gar in astronomischen Größenordnungen ist eine komplizierte Sache. Das Team von Professor Harald Schuh am Institut für Geodäsie und Geophysik der TU Wien beschäftigt sich mit solchen Problemen und richtet daher von 19. bis 21. September 2011 in Wien die „Journées 2011“ aus – eine internationale Konferenz, bei der die Forschungsbereiche Geodäsie und Astronomie einander nähergebracht werden sollen.

Die Erdachse wandert
Schon auf unserem eigenen Globus haben wir Probleme, wenn wir jedem Punkt hoch präzise einen Längen- und Breitengrad zuordnen wollen: Die Erdachse bleibt nicht exakt konstant, sondern verschiebt sich im Lauf eines Jahres oft um mehrere Meter. Die Kontinente bewegen sich und verschieben sich zueinander. Für hochpräzise Messungen muss man all diese Effekte genau kennen und berücksichtigen.

Auch Zeitmessung zählt

Auch die Drehgeschwindigkeit der Erde ist nicht konstant. Die Erdrotation wird von verschiedensten Massenbewegungen auf der Erde beeinflusst, auch das Wetter spielt eine Rolle. Die Länge des Tages variiert also. Für präzise Navigation hat das eine große praktische Bedeutung: Der Äquator rotiert mit einer rasenden Geschwindigkeit von 450 Metern pro Sekunde. Dadurch führt eine falsche Zeitmessung auch zu einer falschen Positionsbestimmung. „Will man mit einer Präzision von weniger als einem halben Meter Positionen bestimmen, muss man die Länge eines Tages mit einer Genauigkeit im Millisekunden-Bereich bestimmen können“, erklärt Sigrid Böhm vom Institut für Geodäsie und Geophysik.

Beim dritten Stern bitte links abbiegen …
Auch bei der Beschreibung des Sternenhimmels muss man sich auf eindeutig bestimmbare Bezugssysteme einigen. Himmelskarten, die mit unterschiedlichen Methoden erstellt wurden, möglichst präzise miteinander in Einklang zu bringen, ist keine einfache Aufgabe. Auf der ganzen Welt wird der Himmel mit verschiedenen Teleskop-Typen untersucht. Im Jahr 2013 wird die europäische Weltraummission Gaia starten, die etwa eine Milliarde Sterne genau vermessen soll. Dadurch soll die Präzision unserer galaktischen Raumvorstellung noch einmal präziser werden.

„Geodäsie und Astronomie lassen sich nicht länger als voneinander isolierte Wissenschaften betrachten“, findet Sigrid Böhm. „Die Genauigkeit der heutigen Messgeräte ist so hoch, dass die Astronomie die Erkenntnisse der Geodäsie mitberücksichtigen muss – und umgekehrt.“

Homepage der Konferenz: http://info.tuwien.ac.at/hg/meetings/journees11/index.html

Weitere Informationen:
Prof. Harald Schuh
Institut für Geodäsie und Geophysik E128-1
Forschungsgruppe Höhere Geodäsie
Technische Universität Wien
Gußhausstraße 27-29, 1040 Wien
T: +43-1-58801-12860     
harald.schuh@tuwien.ac.at

Dipl.-Ing. Sigrid Böhm
Institut für Geodäsie und Geophysik E128-1
Forschungsgruppe Höhere Geodäsie
Technische Universität Wien
Gußhausstraße 27-29, 1040 Wien
T: +43-1-58801-12867     
sigrid.boehm@tuwien.ac.at