Technische Universität Wien
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2011-10-17 [

Florian Aigner

 | Büro für Öffentlichkeitsarbeit ]

Zapfsäule oder Stromstecker?

Elektrisch betriebene Autos werden zur realistischen Alternative. Große Automarken planen Elektro-Modelle und Hybridfahrzeuge. Ob wir in Zukunft jedoch tatsächlich eher zum Stromstecker als zum Zapfhahn greifen werden, ist heute noch schwer abzuschätzen. Am Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik versucht man Zukunftstrends vorherzusehen und durch Forschung mitzugestalten.

Testen, überprüfen, verbessern

Christian Bauer

Auch am klassischen Verbrennungsmotor wird an der TU Wien nach wie vor viel geforscht, doch Elektrofahrzeuge werfen heute ganz neue wissenschaftliche Fragen auf. Viele von ihnen werden an verschiedenen Instituten der TU Wien behandelt. Dabei geht es nicht nur um die Lösung von technologischen Problemen, sondern auch um die Frage, welche Art von Antrieb sich durchsetzen wird und welche Auswirkungen wir dann auf Umwelt und Gesellschaft zu erwarten haben. "Was bedeutet ein Zuwachs bei den Elektrofahrzeugen für die österreichische Wirtschaft? – Das haben wir uns in einer Studie genauer angesehen", berichtet Christian Bauer vom Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik.

Elektroautos sind gut für die Wirtschaft
Absurde Verschwörungstheorien, dass Wirtschaftsunternehmen die Entwicklung des  Elektroautos künstlich verzögern würden, lassen sich leicht widerlegen: Wirtschaftlich wäre ein Umstieg zur Elektromobilität eine riesengroße Chance. "In allen Branchen würden die Beschäftigtenzahlen nach oben gehen – auch in der klassischen Automobilindustrie", ist Bauer sicher. In der Forschung und Entwicklung von Elektroautos ist Europa heute führend. Dieser Vorsprung sollte unbedingt bewahrt werden. Um die ökonomischen Vorteile einer neuen Technologie nutzen zu können muss man auch in Bildung investieren – sonst werden die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der führenden Firmen irgendwann nicht mehr in Europa angesiedelt sein, sondern in ganz anderen Weltgegenden.
Für die Studie, die von  Fraunhofer Austria und der TU Wien gemeinsam im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend, der Industriellenvereinigung und der Wirtschaftskammer Österreich erstellt wurde, wurde an der TU ein ökonomisches Modell entwickelt, das prinzipiell auf jedes Land anwendbar ist. Konkrete Zahlen wurden bisher nur für die österreichische Wirtschaft errechnet, trotzdem stößt die Studie in anderen Staaten bereits auf großes Interesse.

Elektroautos – so grün wie der Strom
Was ein Umstieg auf Elektroautos für die Umwelt bedeutet, hängt in erster Linie davon ab, wie wir die nötige Elektrizität erzeugen. Wird die elektrische Energie etwa in Kohlekraftwerken gewonnen, haben Elektrofahrzeuge insgesamt eine schlechtere CO2-Bilanz als herkömmliche Autos. Ökologisch sinnvoll sind Elektroautos nur dann, wenn die nötige Elektrizität aus nachhaltigen, CO2-neutralen Energieträgern gewonnen wird. "Der österreichische Strommix – mit einem großen Anteil an Wasserkraft – ist hier vorbildlich, in Deutschland hat man es da deutlich schwerer", sagt Bauer.

Ein neues Rohstoffproblem?
Sollten Elektroautos in großer Zahl auf den Markt kommen, wird man sich auch überlegen müssen, wie man die dafür verwendeten Rohstoffe gewinnen kann. Elemente wie Neodym, Kobalt, Germanium  oder auch Kupfer sind nicht immer leicht zu bekommen. Folgt auf die Abhängigkeit von Erdöl-exportierenden Ländern eine neue Abhängigkeit von Neodym-Produzenten? Bauer sieht dieses Problem nicht so dramatisch: "Von einer wirklichen Knappheit hinsichtlich ihres Vorkommens kann man bei diesen speziellen Rohstoffen nicht sprechen." Wichtig wird es jedenfalls sein, ein effizientes Recycling-System aufzubauen. Aus alten Elektroauto-Batterien wird man wertvolle Rohstoffe für neue Batterien gewinnen können.

Forschung zur Elektromobilität gibt es in ganz verschiedenen Bereichen: Am Institut für Energiesysteme und Elektrische Antriebe wird an der Effizienzsteigerung in der Elektromobilität geforscht und über bessere Energiespeichermethoden nachgedacht. Auch die Begleitforschung zum Vorarlberger Elektromobilitäts-Testbetrieb VLOTTE wurde dort durchgeführt. Am Institut für Computertechnik arbeitet man an Eingliederungsideen der Elektroautos in künftige smarte Stromnetze. Auch in der Verkehrsplanung spielt Elektromobilität eine große Rolle.

Offene Fragen und interessantes Forschungspotenzial gibt es auf diesem Gebiet noch genug. Trotzdem glaubt Bauer an den Erfolg der Elektromobilität: "Der Verbrennungsmotor wird sicher nicht schnell von unseren Straßen verschwinden, insbesondere wenn man bedenkt, welche theoretischen Potenziale (wie innovative Zündsysteme und Abgasnachbehandlung) diese Technologie noch hat. Aber Hybrid-Lösungen werden immer attraktiver und langfristig gesehen scheint die Elektromobilität eine aussichtsreiche Variante zu sein -  zumindest wenn es uns gelingt, bestehende technologische Probleme in den Griff zu bekommen und unseren Strom umweltfreundlich zu erzeugen."