Technische Universität Wien
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2013-08-09 [

Florian Aigner

 | Büro für Öffentlichkeitsarbeit ]

Extreme Trockenheit: Die TU Wien misst nach

Im Freiluft-Wasserlabor in Petzenkirchen wird die Feuchtigkeit des Bodens gemessen. Die extrem trockenen Böden können derzeit kaum Wasser aufnehmen, es fließt an der Oberfläche ab.

Mariette Vreugdenhil entnimmt Bodenproben

Der Niederschlag (blau, von oben) am 4. August hat zwar die Feuchtigkeit der oberen Bodenschicht erhöht, die unteren Bodenschichten (hellgrün, cyan) sind nicht merklich betroffen.

Die österreichischen Hitzerekorde wurden gebrochen, Regen gab es in den letzten Wochen kaum. Wie trocken es tatsächlich ist, kann mit unterschiedlichen Methoden gemessen werden: Mit Hilfe von Mikrowellendaten, die von Satelliten auf die Erde gefunkt werden, oder auch direkt im Boden, mit Feuchtigkeitssensoren. Von der TU Wien wurde nun in Petzenkirchen (Niederösterreich) eine Reihe von Mess-Stationen aufgestellt. Erste Ergebnisse zeigen: Der Boden ist momentan so trocken und dadurch wasserabweisend, dass selbst ein starker Regenguss, wie er am 4. August registriert wurde, nur wenige Zentimeter in den Boden eindringt. Der Großteil des Niederschlags fließt oberflächlich ab.

Satelliten und Bodensensoren
Um die Trockenheit der Böden zu untersuchen, holt sich die TU Wien Information aus dem Weltraum: Satelliten tasten den ganzen Globus mit Mikrowellen ab, am Department für Geodäsie und Geoinformation wird daraus die lokale Bodenfeuchte errechnet. Das alleine reicht allerdings nicht aus. Um die errechneten Daten auch überprüfen zu können und um direkt vor Ort noch mehr über Bodenfeuchte zu lernen, wurde nun in Petzenkirchen eine Reihe neuer Mess-Stationen installiert.
 
60 Hektar Laborfläche
Das Hydrological Open Air Laboratory (HOAL) in Petzenkirchen ist ein 60 Hektar großes Areal, das von der TU Wien in Kooperation mit dem Bundesamt für Wasserwirtschaft seit Jahren hydrologisch genau untersucht wird. Mitte Juli kamen noch einige weitere Sensoren dazu: 17 Mess-Stationen mit je 4 Feuchtigkeitssensoren wurden vom TU-Team in die Erde gegraben.
Die Forschungsarbeit wird im Rahmen des Doktoratskollegs „Water Resource Systems“ durchgeführt, das Prof. Günter Blöschl leitet: Fachübergreifend wird an der TU Wien an verschiedensten Aspekten des Themas „Wasser“ geforscht, von Gesundheit bis zum Wasserbau.

Böden können kaum Wasser aufnehmen

„Unsere Mess-Stationen messen die Feuchtigkeit in 5, 10, 20 und 50 Zentimetern Tiefe“, sagt Mariette Vreugdenhil vom Department für Geodäsie und Geoinformation. „Die Sensoren senden die Daten über einen Router zum Bundesamt für Wasserwirtschaft, wo wir dann auf die Messergebnisse zugreifen können.“ Zusätzlich entnimmt Mariette Vreugdenhil Bodenproben, deren Feuchtigkeit sie dann im Labor misst.

Seit etwa drei Wochen sind die Mess-Stationen nun in Betrieb. Am 4. August wurden größere Niederschlagsmengen registriert: Innerhalb von 30 Minuten fielen 18mm Regen. Die trockenen, lehmigen Böden im HOAL konnten davon nicht einmal die Hälfte (nur 7mm) aufnehmen. „Der Großteil des Wassers fließt direkt an der Oberfläche ab oder verdunstet. Die tieferen Bodenschichten profitierten von diesem Regenereignis nicht. Sie trocknen noch immer weiter aus“, berichtet Mariette Vreugdenhil.

Die Böden brauchen also derzeit genau das, was Touristen wohl am meisten fürchten: Eine längere, ausgiebige Regenperiode mit geringeren Niederschlagsintensitäten.

Die Webseite des Doktoratskollegs "Water Resource Systems": www.waterresources.at


Nähere Information:
Mariette Vreugdenhil, MSc
Department für Geodäsie und Geoinformation
Gusshausstraße 25-29, 1040 Wien
Technische Universität Wien
T: +43-1-58801-12260
mariette.vreugdenhil@tuwien.ac.at