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2014-02-10 [

Florian Aigner

 | Presseaussendung 10/2014 ]

Wohin mit meinem Fahrrad?

An der TU Wien wird geforscht, wie man das Fahrradfahren attraktiver gestalten kann – ein wichtiger Punkt ist das Abstellplatz-Angebot. Viel Wissenschaftliches rund ums Fahrrad gibt es ab März in einer Ringvorlesung zu hören.

Einen Abstellplatz fürs Fahrrad finden ist manchmal nicht einfach.

Wien soll noch mehr Radverkehr bekommen. Bis 2015 sollen 10% aller Wegstrecken innerhalb Wiens mit dem Fahrrad zurückgelegt werden - Anfang 2013 waren es noch etwa 6%. Um Radfahren attraktiver zu machen, braucht man auch passende Abstellplätze, sagt Paul Pfaffenbichler vom Institut für Verkehrswissenschaften der TU Wien. Er erstellte im Auftrag der Wiener Umweltanwaltschaft eine Studie über Bestand und Bedarf an Fahrradabstellanlagen. „Wir haben uns dieses Themas angenommen, weil „falsch“ geparkte Fahrräder zu Konflikten im öffentlichen Raum führen“, erklärt die Wiener Umweltanwältin Andrea Schnattinger.

Paul Pfaffenbichler ist einer der Vortragenden, die bei der Ringvorlesung „Radfahren in der Stadt“ ab 3. März Einblicke in die vielen verschiedenen Forschungsaspekte rund ums Fahrradfahren bieten werden.

Fahrräder brauchen Platz
Nicht überall darf man ein Fahrrad stehen lassen: „Auf Gehsteigen, zum Beispiel an einem Verkehrsschild, darf man ein Fahrrad nur parken, wenn der Gehsteig dort mindestens 2,5 Meter breit ist und niemand dadurch behindert wird“, erklärt Paul Pfaffenbichler. Nach seinen Erhebungen stehen etwa zwei Drittel der Wiener Fahrräder im öffentlichen Raum an Fahrradabstellanlagen, etwa 10% waren widerrechtlich abgestellt.

Besonders aufschlussreich waren Befragungen über die Gründe für die Wahl des Verkehrsmittels – unter anderem auch unter Angestellten der TU Wien. Bei der Entscheidung, ob man  das Fahrrad benützt, spielt die Abstellplatz-Frage eine wichtige Rolle. Besonders der Schutz vor Diebstahl und Vandalismus wird als sehr wichtig empfunden.

In Wien gibt es bereits Abstellplätze für über 30.000 Fahrräder. Wenn der Anteil der Fahrradfahrten allerdings weiter steigen soll, sieht die Studie einen Bedarf für noch weitere 32.000 bis 47.000 Stellplätze in Wien. Besonders großen Nachholbedarf gibt es in der inneren Stadt (1. Bezirk), weil dort besonders viele Leute zur Arbeit einpendeln. Die Josefstadt (8. Bezirk) ist hingegen schon jetzt recht gut mit Abstellplätzen versorgt.

Fahrrad-Parkplatz ganz nah am Ziel

Zwischen radelnder und autofahrender Bevölkerung gibt es einen wichtigen Unterschied: Benutzt man das Fahrrad, ist man kaum bereit, längere Wegstrecken vom Parkplatz zum eigentlichen Ziel zurückzulegen. „Der große Vorteil des Fahrrads ist seine Flexibilität – genau auf diesen Punkt möchte man nicht verzichten. Das Fahrrad soll direkt vor dem Gebäude stehen, auch wenn es ein Stück weiter vielleicht eine Abstellanlage gäbe“, sagt Pfaffenbichler. So wurde etwa am Wiener Westbahnhof beobachtet, dass von zwei Abstellanlagen immer diejenige deutlich besser ausgelastet ist, die um etwa 60 Meter näher an den Bahnsteigen liegt. Auch wenn die nähergelegene Anlage praktisch voll ausgelastet ist, füllt sich die etwas abgelegenere kaum.

Fahrradabstellanlagen müssen also mit viel Bedacht positioniert werden – und zwar ganz genau dort, wo Bedarf besteht. Der Platz im öffentlichen Raum ist begrenzt, Fahrradabstellanlagen stehen oft in Konkurrenz zum Parkplatzangebot. „Wenn Autofahrer leere Fahrradstellplätze sehen und gleichzeitig keinen Parkplatz für ihr Auto finden, trägt das sicher nicht zur Popularität des Radverkehrs bei“, sagt Paul Pfaffenbichler. Er empfiehlt daher, Fahrradabstellplätze auch wieder aufzulassen, wenn sie sich nicht bewähren – selbst wenn insgesamt die Zahl der Abstellplätze in Wien stark steigen muss.

Ringvorlesung
Im Sommersemester, ab 3. März, wird an der TU Wien die Ringvorlesung „Radfahren in der Stadt“ stattfinden. Jede Woche werden dort andere Vortragende über viele verschiedene Aspekte des Radfahrens sprechen: Von Verkehrs- und Stadtplanung über Fahrradtechnik bis hin zu Sicherheitsfragen rund um den Fahrradhelm.


Studienhomepage (mit PDF-Download)

Ringvorlesung "Radfahren in der Stadt"

Bilderdownload


Rückfragehinweis:
Dr. Paul Pfaffenbichler
Institut für Verkehrswissenschaften
Technische Universität Wien
T: +43-1-58801-23118
paul.pfaffenbichler@tuwien.ac.at

Aussender:
Dr. Florian Aigner
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Wien
Operngasse 11, 1040 Wien
T: +43-1-58801-41027
florian.aigner@tuwien.ac.at

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