Technische Universität Wien
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2014-08-06 [

Rainer Pamminger

 | Institut für Konstruktionswissenschaften und Technische Logistik ]

Neue Software ermittelt Umweltauswirkungen Ihrer Industriemaschine

Kennen Sie die Umweltauswirkungen ihrer Maschine? Welche Produktlebensphase ist dominant? Sind es die Materialien die in Ihrer Maschine verbaut sind, die Herstellprozesse im eigenen Werk, die Distribution, die Nutzung bei KundInnen oder vielleicht die Entsorgung am Lebensende? Welche Aspekte wären daher bei einer Verbesserung zu berücksichtigen?

Untersuchte Werkzeugmaschine: KAPP KX 160 Twin

Umweltprofil der untersuchten Werkzeugmaschine

Diese Fragen hat sich der Forschungsbereich ECODESIGN an der TU Wien im EU-Projekt „LCA to go“ gestellt und eine Industriemaschinen-spezifische Software entwickelt, die unter http://www.lca2go.eu/tool.en.html frei verfügbar ist.

Herausforderung
Im Sinne einer vorausschauenden Branchenstrategie muss es Ziel sein, dass die entwickelten Maschinen neben den Produktivitäts-, Qualitäts-, Zuverlässigkeits- und Sicherheitsanforderungen auch zukünftige Umweltanforderungen erfüllen.
Bei der Entwicklung ökointelligenter Maschinen bedarf es der Integration von Umweltaspekten in den Produktentwicklungs- und Produktionsprozess, der jedoch in vielen Fällen für Klein- und Mittelbetriebe zu zeit- und kostenaufwendig ist. Hier setzt die Forschungsarbeit der TU Wien an.

Umweltanalyse von Industriemaschinen
Das von der TU Wien im aktuellen Forschungsprojekt „LCA to go“ (www.lca2go.eu) entwickelte Webtool für Maschinenhersteller, ermöglicht es diesen Unternehmen mit geringem Aufwand die Umweltauswirkungen ihrer Maschinen über den gesamten Produktlebenszyklus abzubilden, zu analysieren und Verbesserungspotentiale abzuleiten.

Im Rahmen dieses Projekts besteht nun für ein dutzend Unternehmen die Möglichkeit gemeinsam mit der TU Wien eine kostenlose Umweltanalyse einer Industriemaschine durchzuführen. Bei Interesse bitte melden Sie sich bis spätestens bis 15. August 2014 bei Dr. Rainer Pamminger von der TU Wien (pamminger@ecodesign.at)

Case study Kapp Niles
Das Unternehmen KAPP NILES, Coburg, hat bereits gemeinsam mit der Gruppe ECODESIGN an der TU Wien, das „LCA to go“ Webtool angewendet und eine Umweltbewertung einer ausgewählten Werkzeugmaschine durchgeführt. Diese zeigt, dass vor allem der Energieverbrauch in der Nutzungsphase eine zentrale Rolle spielt. Genau hier bietet das Webtool eine detailliertere Analysemöglichkeit, indem jene Komponenten mit den höchsten Umweltauswirkungen identifiziert werden, mit dem Ziel diese im nächsten Schritt zu verbessern. Zur Unterstützung bietet das Webtool für die Hauptkomponenten einer Werkzeugmaschine einen Katalog an Verbesserungsmaßnahmen.

Mithilfe der Analyse und des Maßnahmenkatalogs wurden bei der Firma KAPP NILES u.a. Maßnahmen wie z.B. eine automatische Abschaltung der Maschine nach dem Bearbeitungsende, die Verwendung kurzer Ansaugleitungen oder das Einsetzen von Pumpenantrieben mit Frequenzumrichter, etc. als zielführend erachtet. Zur Evaluierung können die erzielenden Verbesserungen direkt im Webtool berechnet und mit der Referenzmaschine vergleichen werden.
Alfred Tenner (KAPP NILES): "Energieeffizienz […] bereits seit langem ein Thema bei den Werkzeugmaschinenbauern. Um das erreichte Niveau besser dokumentieren zu können und um daraus weitere Schritte der Energieeffizienz ableiten zu können, braucht es allgemein anerkannte Tools, wie z.B. LCA to go."