Technische Universität Wien
> Zum Inhalt
2016-01-11 [

Rudolf Heuer, Christian Bucher, Piotr Borejko

 | Fakultät für Bauingenieurwesen ]

Nachruf: Franz Ziegler (1937 - 2016)

Die TU Wien und der Forschungsbereich für Baumechanik und Baudynamik des Instituts für Hochbau und Technologie trauern um ihr langjähriges Mitglied em.O.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Dr.h.c. Franz Ziegler.

Franz Ziegler (1937 - 2016)

Franz Ziegler wurde am 12. Dezember 1937 in Wiener Neustadt geboren. Nach der Matura begann er 1956 das Studium des Maschinenbauwesens an der Technischen Universität Wien, welches er 1961 mit Auszeichnung abschloss. Von 1962 bis 1971 arbeitete er als Universitätsassistent bei Professor Heinz Parkus am Institut für Mechanik der TU Wien. Im Jahre 1964 promovierte er mit Auszeichnung zum Doktor der technischen Wissenschaften. 1967/68 war er Max-Kade Research Fellow an der Northwestern University in Evanston. 1971 habilitierte er sich an der TU Wien im Fach "Mechanik" und 1972 wurde er zum Ordentlichen Universitätsprofessor und Vorstand des Instituts für Allgemeine Mechanik an der Fakultät für Bauingenieurwesen der TU Wien berufen. Weitere Rufe erhielt er 1971 auf einen Lehrstuhl für Mechanik der TU Braunschweig und 1981 auf eine Professur für Mechanik der TU München, die er jedoch beide ablehnte. Seit 2006 war Franz Ziegler emeritiert.

Das wissenschaftliche Betätigungsfeld von Franz Ziegler umfasste unter anderem die Wellenausbreitung in stochastischen Medien, deterministische und zufällige Schwingungen elastischer und inelastischer Tragwerke, Wärmespannungen, Flüssigkeits-Bauwerksinteraktion, dynamische Plastizität, nichtlineare Tragwerksdynamik, numerische und experimentelle Methoden der Mechanik, Erdbebeningenieurwesen und Geomechanik. Seine Ergebnisse sind in etwa 300 wissenschaftlichen Publikationen in Form von Büchern und Beiträgen in internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften und in referierten Tagungsbänden festgehalten. Er hat das Lehrbuch "Technische Mechanik der festen und flüssigen Körper" verfasst, welches in mehreren Auflagen in deutscher, englischer und russischer Sprache erschienen ist.

Franz Ziegler war Mitherausgeber und Mitglied im Editorial Board von zahlreichen wissenschaftlichen Zeitschriften. Er war Generalsekretär der International Union of Theoretical and Applied Mechanics (IUTAM), Präsident und Vizepräsident der Gesellschaft für Angewandte Mathematik und Mechanik (GAMM), Präsident des International Institute of Acoustics and Vibrations (IIAV), Vorsitzender der Österreichischen Gesellschaft für Erdbebeningenieurwesen und Baudynamik (OGE) sowie wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Academician der Russischen Akademie der Wissenschaften. Er war Inhaber mehrerer Gastprofessuren und Ehrenprofessor der Perm Staatlichen Technischen Universität.

Professor Ziegler prägte Lehre und Forschung in nachhaltiger Weise. Bis zuletzt zeigte er in seinen lebendig gehaltenen Vorlesungen und wissenschaftlichen Vorträgen großen Enthusiasmus, immer "gewürzt" mit einem Funken an Humor, weshalb er sowohl bei Studierenden als auch bei Konferenzteilnehmer_innen sehr beliebt war. Sein persönliches Engagement, sein tiefer Erkenntniswille und sein respektvoller Umgang mit seinen Mitarbeiter_innen wird uns immer in guter Erinnerung bleiben. Er war stets um die Förderung junger Wissenschaftler_innen bemüht und konnte viele von ihnen erfolgreich bis zur Promotion und Habilitation begleiten.

Die Fakultät für Bauingenieurwesen verdankt ihm sehr viel, da er in zahlreichen Kommissionen der universitären Selbstverwaltung maßgebende konstruktive Arbeit mit großer Durchsetzungskraft leistete, und dies, soweit wie möglich, in unbürokratischer Weise.

Der TU Wien bleibt Professor Franz Ziegler im Gedächtnis als hervorragender akademischer Lehrer, Forscher und großartiger Mensch. Franz Ziegler verstarb am 4. Jänner 2016 im 79. Lebensjahr.

Für die Kolleg_innen des Forschungsbereichs für Baumechanik und Baudynamik (ehem. Institut für Allgemeine Mechanik)
Rudolf Heuer, Christian Bucher, Piotr Borejko



Bild: © R. Öhner