Technische Universität Wien
> Zum Inhalt

Gender Studies sind aus der Frauenforschung entstanden und umfassen inzwischen Frauen-, Männer- und Geschlechterforschung. Ihr Thema ist die zentrale Bedeutung von Geschlecht in Wissenschaft und Gesellschaft. So gibt es kaum einen Bereich, in dem Geschlecht keine Rolle spielt und in dem es keinen Unterschied macht, ob sich eine Person darin als "Frau" oder als "Mann" bewegt. Dabei wird Geschlecht nicht als etwas Naturgegebenes verstanden, sondern als sozialen und kulturellen Konstruktionsmechanismen unterliegend. Das bedeutet, dass die Geschlechterforschung danach fragt, wie aus Menschen "Männer" und "Frauen" werden und welche Implikationen mit diesen Prozessen verbunden sind.

Die absolute Mehrheit der Studierenden der TU-Wien absolvieren bislang ihr Studium ohne jemals explizit mit geschlechtsspezifischen Fragestellungen konfrontiert worden zu sein. In den meisten technischen und naturwissenschaftlichen Fachdisziplinen fehlt die Gender-Dimension vollständig.

Hat die Technik ein Geschlecht?

Schon allein die quantitativen Verhältnisse in den naturwissenschaftlichen und technischen Studienrichtungen deuten auf Geschlechtsspezifika im Technikumgang hin. Dazu kommt aber noch ein qualitativer Aspekt: Technik ist in unserer Gesellschaft nicht geschlechtsneutral, sondern ihre Nutzung ist eingelassen in ein gesellschaftliches System der geschlechterspezifischen Zuschreibungen und Klischeevorstellungen in Bezug auf Technikkompetenz.

Die gängigen Alltagstheorien über Technik und Geschlecht setzen eine grundsätzliche Differenz zwischen Frauen und Männern voraus und bringen die einzelnen Mitglieder der beiden Gruppen in ein hierarchisches Verhältnis zu einander. Unsere Alltagstheorie über Technik und Geschlecht ließe sich etwa wie folgt formulieren:"Männer / Buben sind in Bezug auf Technik kompetent und bleiben es bis zum endgültigen Beweis des Gegenteils. Frauen/Mädchen sind in Bezug auf Technik nicht kompetent und sie bleiben es ebenfalls bis zum Beweis des Gegenteils!"

Ist eine andere Technik denkbar?

Mit der Einführung der Kategorie Gender werden wissenschaftskritische Fragen an das jeweilige Fach und an die Hierarchie der Fächer gestellt. Die Prozesse der Technologiegestaltung sind gesellschaftspolitisch sehr bedeutsam, ihre Aushandlungsprozesse vollziehen sich im Gefüge von Gesellschaft, Geschlecht und Technik. Entsprechend kann davon ausgegangen werden, dass die Bevorzugung bestimmter Technologien - und die entsprechende Verwerfung alternativer Technologieentwürfe - durch gesellschaftliche Vereinbarungen zu erklären sind, die u.a. auch die Geschlechterverhältnisse in unserer Gesellschaft widerspiegeln. Vor dem Hintergrund, dass technologischer Wandel mehr denn je Auswirkungen auf jeden Aspekt unseres öffentlichen und privaten Lebens hat, bekommt die Partizipation an Technologiegestaltungsprozessen zunehmende Relevanz. Vorerst steckt die partizipative und gendersensitive Technologiegestaltung noch in ihren Anfängen. Die Hereinnahme der Gender-Dimension in die Ausbildungsgänge an der TU ist ein Schritt in diese Richtung.