Technische Universität Wien
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2017-02-06 [

Christian Bauer, Reinhard Willinger

 | Institut für Energietechnik und Thermodynamik ]

Nachruf: Prof. Hermann Haselbacher (1935 – 2017)

Die TU Wien und der Forschungsbereich für Strömungsmaschinen des Instituts für Energietechnik und Thermodynamik trauern um ihr langjähriges Mitglied em.O.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Hermann Haselbacher.

Prof. Hermann Haselbacher (1935 – 2017)

Hermann Haselbacher wurde am 26. April 1935 in St. Pölten geboren. Er studierte an der Technischen Hochschule Wien Maschinenbau und schloss das Studium 1960 mit dem akademischen Grad Diplomingenieur ab. Von 1960 bis 1962 absolvierte er im Rahmen eines Fulbright-Stipendiums ein Studium an der University of Illinois, USA, das er 1962 mit dem Titel Master of Science abschloss. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann Hermann Haselbacher 1962 an der Technischen Hochschule Wien als Assistent am ehemaligen Institut für Wasserkraftmaschinen und Pumpen bei Prof. Ferdinand Schulz, wo er 1966 zum Thema „Betriebsverhalten und optimale Auslegung gasdurchströmter Strahlapparate mit zylindrischen Mischrohren“ zum Doktor der technischen Wissenschaften promovierte.

Die berufliche Laufbahn von Hermann Haselbacher begann 1967 in der Gasturbinenabteilung der Firma AVCO-Lycoming, Stratford, Connecticut, USA, wo er bis 1972 als Senior Development Engineer in der Advanced Systems Group tätig war. Von 1972 bis 1988 war Hermann Haselbacher bei der Firma ABB Asea Brown Boveri, Baden, Schweiz, in diversen Positionen tätig; zuletzt als Abteilungsleiter Technik Gasturbinenkraftwerke. In den Vorgängerfirmen der ABB, Brown Boveri Sulzer Turbomaschinen AG, Zürich, Schweiz und BBC Brown Boveri & Cie, Baden, Schweiz, beschäftigte sich Hermann Haselbacher unter anderem mit Gasturbinen für geschlossene Heliumkreisläufe sowie mit Entwicklungsarbeiten zum weltweit ersten Luftspeichergasturbinenkraftwerk (CAES) in Huntorf, Deutschland. Die Aktualität dieser Arbeiten zeigt sich nicht zuletzt daran, dass geschlossene Gasturbinenkreisläufe mit CO2 als Arbeitsmittel sowie adiabate Luftspeichergasturbinenkraftwerke (ACAES) in den letzten Jahren wieder verstärkt in den Blickpunkt weltweiter Forschungsaktivitäten gerückt sind.

Im Jahre 1988 erfolgte die Berufung zum ordentlichen Universitätsprofessor für Thermische Turbomaschinen und Energieanlagen an die Technische Universität Wien. Die Umbenennung des damaligen Instituts für Dampf- und Gasturbinen in Institut für Thermische Turbomaschinen und Energieanlagen spiegelt bereits die breite Ausrichtung der von Prof. Haselbacher initiierten und geleiteten Forschungsaktivitäten wider. Es waren das einerseits Kernthemen der Thermischen Turbomaschinen, wie Sekundär- und Spaltströmungen in Turbinen oder die Strömung in Labyrinthdichtungen, andererseits die in das Gebiet der Thermischen Energieanlagen einzuordnenden Aktivitäten zur Entwicklung einer direkt biomassegefeuerten Gasturbinenanlage. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen gelang es durch die Einwerbung nationaler und europäischer Fördermittel eine weltweit beachtete Forschungsanlage zu entwickeln, zu bauen und zu betreiben. Neben der Wichtigkeit von praktischen Arbeiten im Labor erkannte Prof. Haselbacher die Bedeutung der computergestützten Berechnungsverfahren, die Mitte der 1990er Jahre einen rasanten Aufschwung erlebten. In diesem Zusammenhang setzte er sich für den kontinuierlichen Ausbau der Software- und Hardwareinfrastruktur für numerische Strömungssimulationen ein; sowohl am Institut als auch am damaligen EDV-Zentrum. Der Aufbau und die ständige Aktualisierung einer benutzerfreundlichen Institutsbibliothek war für ihn eine Selbstverständlichkeit. Aufgrund seines umfassenden Wissens auf dem Gebiet der Thermischen Turbomaschinen und Energieanlagen war Prof. Haselbacher auch als Gutachter und Sachverständiger stets gefragt.

Prof. Haselbacher hat mehrere Generationen von Absolvent_innen des Fachgebietes für Thermische Turbomaschinen und Energieanlagen geprägt. Er hat ihnen nicht nur das fachliche Rüstzeug für eine erfolgreiche Karriere mitgegeben, sondern sie auch gelehrt, ihr Handeln stets kritisch zu hinterfragen und den Sinn für Gerechtigkeit nicht aus den Augen zu verlieren.      

Auch nach seiner Emeritierung im Jahr 2003 zeigte Prof. Haselbacher für die aktuellen Entwicklungen an der TU Wien im Allgemeinen und jene in seinem Fachbereich im Besonderen großes Interesse. Eine Erkrankung machte es ihm leider in den letzten Jahren immer schwerer, diesen Interessen nachzukommen.

Hermann Haselbacher verstarb am 19. Jänner 2017 im 82. Lebensjahr. Unser Mitgefühl gilt besonders seinen Angehörigen.

Für die Kolleginnen und Kollegen des Instituts für Energietechnik und Thermodynamik, Forschungsbereich für Strömungsmaschinen
Christian Bauer, Reinhard Willinger