Technische Universität Wien
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2017-02-13 [

Johann Nicolics, Rupert Chabicovsky

 | Institut für Sensor- und Aktuatorsysteme ]

Nachruf: Gerhard Fasching (1933-2017)

Die Technische Universität Wien und das Institut für Sensor-und Aktuatorsysteme trauern um Em.O.Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Gerhard Fasching, der am 23. Jänner 2017 in Wien verstorben ist.

Gerhard Fasching (1933-2017)

Gerhard Fasching wurde am 25. März 1933 in Wien geboren und studierte an der Technischen Hochschule (TH) Wien Elektrotechnik. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann nach der zweiten Staatsprüfung als wissenschaftliche Hilfskraft bei Helmut Hoffmann am damaligen Institut für Grundlagen und Theorie der Elektrotechnik. Er führte experimentelle und theoretische Arbeiten durch, mit denen erstmalig die magnetischen Feldverhältnisse in kornorientierten anisotropen Blechen aufgeklärt werden konnten.

1963 erwarb er mit der Dissertation "Zum statistischen Kalkül kristallographisch geordneter Ferromagnetika mit kubischer Struktur für nicht gesättigte Magnetisierung" das Doktorat der technischen Wissenschaften. Im Jahr 1966 erhielt er mit der Habilitationsschrift "Magnetisierung und Feldstärke im kubischen Kristall" die Lehrbefugnis für das Fach "Werkstoffe der Elektrotechnik".

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit übernahm er viele Aufgaben, die über sein Spezialgebiet der Werkstoffwissenschaften weit hinausgingen, z.B. die Mitarbeit in der Redaktion der VDI-Nachrichten und bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Im Jahr 1968 wechselte er in die Industrie zum Zentrallaboratorium für Nachrichtentechnik der Siemens AG in München, wo ihm 1969 die Leitung des Laboratoriums für Physikalische Technologie übertragen wurde.

Im Jahr 1970 erhielt er einen Ruf zurück an die Technische Universität Wien und wurde Ordinarius des mit seiner Berufung neu gegründeten Instituts für Werkstoffe der Elektrotechnik. Gerhard Fasching blieb Vorstand dieses Instituts bis zu seiner Emeritierung. Er hielt Vorlesungen über Werkstoffe der Elektrotechnik und betreute zahlreiche weitere Lehrveranstaltungen.

Aus seinen Vorlesungen über Werkstoffwissenschaften entstand das beim Springer-Verlag erschienene Buch "Werkstoffe für die Elektrotechnik, Mikrophysik – Struktur – Eigenschaften" (1994) mit zugehöriger Aufgabensammlung. Dieses grundlegende Lehrwerk ist nach mehreren Auflagen wegen des hervorragenden didaktischen Aufbaus bis heute gefragt.

Neben den werkstoffwissenschaftlichen Themen war es für Gerhard Fasching ein besonderes Anliegen, sich mit Ökologieproblemen und erkenntnistheoretischen Fragen zu beschäftigen. Gerhard Fasching ging es darum, dass sich die Menschen, besonders die Wissenschaftler_innen, ihrer Verantwortung bewusst werden und die Folgen im Umgang mit der Natur erkennen. Er warb für ein ganzheitliches Verständnis von Wirklichkeit und Toleranz gegenüber anderen Kulturen. Ein Beispiel für eine von Gerhard Fasching gelebte Brücke zwischen europäisch naturwissenschaftlich geprägtem Denken und östlichen Weisheitslehren war seine Begegnung mit dem Dalai Lama. Dieser hatte ihn im Jahr 2002 zu einem Vortrag über den "Wirklichkeitspluralismus und sein Fundament" nach Graz eingeladen.

Von Jugend an zeigte sich das Interesse von Gerhard Fasching an philosophischen Fragen. Er begann Mitte der 1980er-Jahre sukzessive damit, die Gültigkeit unseres scheinbar unumstößlichen naturwissenschaftlichen Weltbildes bis zu den Wurzeln zu hinterfragen und zu analysieren. Sein kritisches Suchen nach einem befriedigenden Weltbild führte zu zahlreichen beim Springer Verlag erschienenen Bücher wie z.B. "Die empirisch-wissenschaftliche Sicht" (1989), "Illusion der Wirklichkeit" (2003), "Phänomene der Wirklichkeit" (2000) sowie "Objektive Illusionen" (Eigenverlag 2007). In diesen naturphilosophischen Werken legt er dar, wie sehr unser Weltbild von der Sicht abhängt, die wir der Erfassung der Wirklichkeit zugrunde legen. Für zweifelnde Technokrat_innen unter den Zuhörer_innen und Leser_innen waren und sind Gerhard Faschings Analysen freilich höchst unbequem: Denn die Kritik an der in unserer Welt allgegenwärtigen Vormachtstellung des "naturwissenschaftlichen Weltbildes" erweist sich ja eben gerade unter ausschließlicher und konsequenter Anwendung rein naturwissenschaftlicher Methoden auch als berechtigt.

Er hielt zu diesen Themen mehrere, bei den Studierenden beliebte Vorlesungen an der TU Wien. Darüber hinaus war er auch prominenter Vortragender bei den renommierten "Wiener Vorlesungen" im Rathaus.

Ein weiteres mit Enthusiasmus begleitetes Interessensgebiet von Gerhard Fasching war die Astronomie – insbesondere die Sternbilderkunde. Das Resultat seiner Auseinandersetzung mit dieser Thematik führte zur Veröffentlichung von mehreren Büchern wie etwa "Sternbilder und Mythen" (1998), "Sternbild- Mond und Planetenkalender" (1990) und "Sternbilderkunde"(1986). Insgesamt stammen über zwanzig Bücher, 50 wissenschaftliche Originalpublikationen und etwa 300 Referate von ihm.

Mit Professor Gerhard Fasching verliert die Technische Universität Wien einen hervorragenden Lehrer und vielseitigen Wissenschaftler und das Institut einen lieben Kollegen mit hohen menschlichen Qualitäten. Unser Mitgefühl gilt besonders seinen Angehörigen.

 

Bild: © Martin Fasching