Technische Universität Wien
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2017-05-10 [

Caroline Jäger-Klein

 | Institut für Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege ]

Eduard F. Sekler: 1920 – 2017

Die TU Wien, die Fakultät für Architektur und Raumplanung und das Institut für Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege trauern um Eduard F. Sekler, der am 1. Mai verstorben ist.

Eduard F. Sekler: 1920 – 2017

Am 8. Mai 2017 hat uns die traurige Nachricht erreicht, dass Eduard F. Sekler am 1. Mai im 97. Lebensjahr verstorben ist. Zweifellos lag sein Lebensmittelpunkt ab 1955 in der Architekturvermittlung an der Graduate School of Design der Harvard University, doch pflegte Sekler stets den engen Kontakt zu seiner Heimatstadt Wien, in der er 1920 geboren wurde, 1938 am Schottengymnasium maturierte und von 1941-45 an der Technischen Hochschule Architektur studierte. An unserer Lehrkanzel für Baugeschichte und Bauaufnahmen der Technischen Universität Wien war Sekler von 1945 bis 1954 unter Karl Holey und Professor Michel Engelhart Assistent. Unterbrochen wurde diese Tätigkeit 1946-47 von einem Stipendium des British Council für Wiederaufbau und Städteplanung und dem anschließenden Studium der Kunstgeschichte am Warburg Institute in London, das Sekler mit dem Doktorat über die Entwicklung des britischen Stiegenhauses bei Rudolf Wittkower 1948 abschloss. Seine speziellen Kenntnisse verwendete Eduard F. Sekler in diesen ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in Österreich vor allem beim Wiederaufbau der zerstörten Kirche am Wiener Leopoldsberg, in der er später die Kunsthistorikerin Mary Patricia May heiraten sollte. Auch war er in die Teiladaptierung der Burg Wartestein in Niederösterreich involviert und errichtete bis in die frühen 1960er Jahre für die Gemeinde Wien mehrere Wohnhausanlagen. Doch an den regelmäßigen Beiträgen für „den aufbau“ lässt sich bereits in diesen frühen Jahren sein Talent zur Architekturpublikation deutlich ablesen. Dadurch sollte Sekler unsere Generation wesentlich in der Rezeption der westlichen Architekturgeschichte prägen. Er verfasste nicht nur die bis heute verbindlichen, internationalen Lexika- und Enzyklopädie-Einträge und Nachrufe auf Frank Lloyd Wright, Le Corbusier und Otto Wagner, um nur einige zu nennen, sondern entwarf in zwei großen Monografien ein umfassendes Bild über den Stellenwert und das Werk Christopher Wrens ("Wren and his Place in European Architecture", London – New York 1956) und Josef Hoffmanns ("Josef Hoffmann. Das architektonische Werk. Monografie und Werkverzeichnis", Salzburg 1982; engl. 1985, frz. 1986, ital. 1991 erschienen).

Unzählige Schriften widmete er zeitlebens der Architektenausbildung. Als Resümee dieser Überzeugungen sei an seinen legendären Beitrag für den Ausstellungskatalog des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt am Main über die Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert von 1995 erinnert, den er sinnigerweise mit "Lehrer und Schüler. Architekturausbildung in Wien" betitelte. Dieser Beitrag beleuchtete in allgemein gültiger Weise die drei traditionsreichen Wiener Architekturuniversitäten – mit intimer Kenntnis und der notwendigen Distanz zum Geschehen. Sekler stand seit 1955, als er von Josep Lluis Sert an die Graduate School of Design der Universität Harvard berufen wurde und dort von 1966-76 das Carpenter Center for the Visual Arts leitete, zu keiner der Wiener Lehrinstitutionen in einem direkten Arbeitsverhältnis, obwohl ihn immer wieder Gastvorlesungen und Gastvorträge insbesondere an die TU-Wien zurückbrachten. Gerne erinnere ich mich dabei an die vergnügliche Gelegenheit, als junge Assistentin wenigstens "seine Dias schieben zu dürfen". Äußerst bemerkenswert war Serts Auftrag an den jungen Eduard F. Sekler, die von Walter Gropius abgeschaffte Architekturgeschichtslehre wieder an der Harvard University einzuführen. "Unterstützt von Sigfried Giedion, aber mit einer differenzierteren Sichtweise auf die architektonische Entwicklung als dieser, drehte er die antihistorische Tradition der Schule um, führte Kurse zur Architekturgeschichte ein und baute auch eine architekturhistorische Bibliothek auf" (Zitat von Christoph Freyer für das Architektenlexikon des Architekturzentrums Wien).

Seit 1951 war Eduard F. Sekler UNESCO-Konsulent für Denkmalpflege und fand damit endlich Grund und Vorwand zum Ausleben seines ausgeprägten Fernwehs, das ihn in jungen Jahren beinahe zum Studium des Schiffsbaus verführt hätte. Von den Sechziger- bis in die Neunzigerjahre des 20. Jahrhunderts machte sich Sekler durch seinen unermüdlichen, internationalen Einsatz für die traditionelle nepalesische Architektur im Kathmandu Valley verdient. In den Siebziger- und Achtzigerjahren bereitete er in Thailand das "Sukothai Historical Park Project" für die UNESCO vor und begleitete es durch die Jahre. 1991 publizierte er dann gemeinsam mit A. Szabo und T.J. Barfield "Afghanistan. An Atlas of Indigenous Domestic Architecture" (University of Texas Press). Das internationale Welterbe verdankt Eduard F. Sekler tatsächlich eine ganze Menge, und doch wollte er sein persönliches, intellektuelles Erbe auch in Österreich gut verankert wissen. Genau wie in seinen frühen Jahren, als er als Mitglied und österreichischer Delegierter der CIAM (Congrès Internationaux d’Architecture Moderne) deren Junior-Abteilung aufstellte, rekrutierte er seit der Ratifizierung der UNESCO-Welterbekonvention durch Österreich auch hierzulande die wenigen unter dem architektonischen Nachwuchs, die sich für Denkmalpflege und Architekturgeschichte begeisterten, für ICOMOS, den Internationalen Expertenbeirat der UNESCO in Kulturerbeangelegenheiten. Mich hat er wohl früh schon dazu ausersehen, dieses sein zweifaches Erbe des "Architekturgeschichte-Lehren und Architekturerbe-Erhalten" weiterzuführen – eine ganz große Ehre, die ich erst sehr viel später zu begreifen begann. Erich Lehner animierte er, hier am Institut einen deutlich sichtbaren Schwerpunkt in der außereuropäischen Baukunst aufzubauen. In Dankbarkeit und Demut werden wir weiterhin anstreben, diesem großen Vorbild Eduard F. Sekler gerecht zu werden.

 

Bild: © Aleksandra Pawloff