Technische Universität Wien
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2018-01-24 [

Florian Aigner

 | Büro für Öffentlichkeistarbeit ]

Wärme ohne CO2

Die Bereitstellung von Wärme für Österreichs Wohnungen verursacht einen hohen CO2-Ausstoß. Das ließe sich bis 2050 drastisch ändern, sagt eine Studie der TU Wien.

Ein Drittel unseres Energiebedarfs wenden wir in Österreich für das Heizen auf. Ca. 20% des heimischen CO2-Ausstoßes gehen auf das Heizen zurück. Während bei der Bereitstellung von elektrischem Strom nichtfossile Energieträger überwiegen, kommt Österreichs Raumwärme immer noch zu 60% aus fossilen Quellen.

In einer Studie, die an der TU Wien nun im Auftrag des Dachverbands für erneuerbare Energien erstellt wurde, ging man nun der Frage nach, wie der Weg zu einer Dekarbonisierung der österreichischen Wärmeversorgung aussehen müsste. Das Ergebnis: Eine praktisch CO2-emmissionsfreie Wärmeversorgung bis 2050 ist möglich und wirtschaftlich sinnvoll. Entscheidend ist der politische Wille.

Ein Modell des österreichischen Gebäudebestands
„Unsere Studie beruht auf einem umfassenden Modell, das den gesamten Gebäudebestand in Österreich abbildet“, sagt Andreas Müller, einer der Studienautoren. „Wir haben analysiert, wie sich die Zusammensetzung der Wärme-Technologien bis 2050 verändern müsste, um eine Dekarbonisierung zu erreichen.“

Dabei wurde davon ausgegangen, dass bestehende Anlagen bis zum Ende ihrer Lebensdauer verwendet und dann durch jeweils für den Betreiber ökonomisch attraktive Varianten ersetzt werden. Außerdem wurden die Auswirkungen von sukzessiven thermischen Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt.

Erneuerbare Quellen und thermische Sanierung
„Wie sich zeigt, ist ein weitgehender Ersatz fossiler Heizanlagen bis 2050 möglich“, sagt Andreas Müller. In diesem Szenario spielen Wärmepumpen, Bioenergie und Fernwärme eine wichtige Rolle, Heizöl und Kohle werden ab dem Jahr 2040 nicht mehr genutzt. Ein Restbestand von 10% wird nach wie vor mit Gas beheizt – dieser Bedarf kann aber mit „grünem Gas“ aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden (Biomethan oder Wasserstoff).

Ein wichtiger Eckpfeiler dieses Modells ist die thermische Sanierung: Derzeit werden durch Sanierungen im Jahr etwa 700 GWh eingespart. Von 2021 bis 2030 müsste diese Einsparungs-Rate auf 1000 GWh pro Jahr gesteigert werden, von 2030 bis 2040 dann auf 1100 GWh pro Jahr. Danach würden die Sanierungsaktivitäten zurückgehen, weil dann ein Großteil des Bestands bereits saniert wäre. Insgesamt hätte man dann den Gesamtenergiebedarf für die Wärmebereitstellung in Österreich um die Hälfte reduziert – von ca 100 TWh im Jahr heute auf etwa 50 TWh.

Vorsicht ist beim Einbau von Wärmepumpen geboten: Für ihre Effizienz ist es entscheidend, bei welcher Temperatur man das Wasser in den Heizkreis einspeist. Will man unsanierte Objekte beheizen, benötigt man eine hohe Temperatur – und das bringt einen schlechten Wirkungsgrad der Wärmepumpe mit sich. Baut man Wärmepumpen allerdings in Neubauten oder sanierte Altbauten ein, können sie einen wichtigen Beitrag zur Effizienzsteigerung leisten.

Wärmewende auch Wirtschaftlich sinnvoll
Wirtschaftlich ergibt die Wärmewende Sinn: Zwar müssten die jährlichen Investitionen von heute rund 3 Milliarden Euro ab 2021 auf 4,5 Milliarden Euro steigen und 2030 sogar 5 Milliarden Euro erreichen, doch die jährlichen Energiekosten für Wärme würden von 9 Milliarden Euro auf 6 Milliarden Euro sinken. „Für eine Gesamtbeurteilung spielen viele wirtschaftliche Faktoren eine Rolle, etwa auch die Höhe der Zinsen. Aber unsere Berechnungen zeigen, dass die Wärmewende sogar mehr Geld bringen kann als sie kostet“, sagt Andreas Müller. Entscheidend für die Umsetzung ist letztlich der politische Wille: Man müsste wirtschaftliche Anreize zugunsten der Nutzung erneuerbarer Energie verstärken, regulatorische Maßnahmen einführen, die die Nutzung fossiler Energieträger zurückdrängen und nicht zuletzt auch Maßnahmen ergreifen, um das Wissen der Bevölkerung zu verbessern.  

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