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2018-06-13 [

Florian Aigner

 | PR und Marketing ]

Drei Start-Preise für die TU Wien

Riesenerfolg bei der Vergabe der diesjährigen Start-Preise: Emanuela Bianchi, Josef Füssl und Philipp Haslinger holen drei der sechs hochdotierten Auszeichnungen an die TU Wien.

Emanuela Bianchi, Josef Füssl und Philipp Haslinger

Der Start-Preis gilt als die wichtigste österreichische Auszeichnung für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der österreichische Wissenschaftsfonds FWF gab am 13. Juni das Ergebnis der diesjährigen Preisvergabe bekannt, die TU Wien hat dreifachen Grund zur Freude.

Die Physikerin Emanuela Bianchi erhält den Start-Preis für ihre Forschung zu kleinen Partikeln, die sich ganz von selbst zu komplexen Strukturen zusammenfinden. Der Bauingenieur Josef Füssl beschäftigt sich damit, komplizierte Materialien wie Holz, Asphalt oder Ziegel am Computer zu simulieren. Der Physiker Philipp Haslinger entwickelt Methoden, Kräfte extrem präzise zu messen, um neuen, bisher unbekannten physikalischen Phänomenen auf die Spur zu kommen. Alle drei wurden nun mit einem Start-Preis ausgezeichnet, damit ging die Hälfte der Preise an die TU Wien.

Auch die diesjährigen Wittgenstein-Preise wurden bekanntgegeben: Sie gehen an Ursula Hemetek (Universität für Musik und darstellende Kunst) und Herbert Edelsbrunner (IST Austria).

Emanuela Bianchi: Neue Materialien, die sich selbst zusammenbauen
Es gibt viele Möglichkeiten, neuartige Materialien herzustellen. Eine der interessantesten und vielversprechendsten ist die Variante, mikroskopisch kleine Partikel dazu zu bringen, sich von selbst gezielt zu komplexen Strukturen zusammenzufügen. Man spricht in diesem Fall von „Selbstorganisation“. Emanuela Bianchi vom Institut für Theoretische Physik der TU Wien entwickelt Computersimulationen, mit denen man dieses Selbstorganisations-Verhalten der kleinen Partikel berechnen und vorhersagen kann.

Emanuela Bianchi studierte an der Universität La Sapienza in Rom, wo sie sich schon in ihrer Dissertation mit sogenannten „Patchy Particles“ beschäftigte – kleinen Partikeln, die an manchen Stellen besondere Oberflächeneigenschaften aufweisen, und sich dadurch miteinander verbinden können. Nach ihrer Promotion 2009 ging sie dann nach Wien, wo sie - unterbrochen durchweitere Auslandsaufenthalte in Deutschland und den Niederlanden - seither forscht.

Josef Füssl: Materialien im Kleinen und im Großen betrachtet
Im Bauingenieurwesen hat man es oft mit recht komplizierten Materialien zu tun. Holz etwa besteht aus kleinen Strukturen, die aus noch kleineren Strukturen zusammengesetzt sind, bis hinunter auf die Ebene einzelner Zellen. Um das Verhalten eines großen Holzbalkens richtig berechnen zu können, muss man das Material daher auf unterschiedlichen Größenskalen gleichzeitig beschreiben – eine schwierige Aufgabe, die mit ganz speziellen Computermethoden zu lösen ist. Josef Füssl vom Institut für Mechanik der Werkstoffe und Strukturen arbeitet an solchen Rechenmethoden. Er möchte damit den Werkstoff Holz berechenbar machen und seinen Einsatz im Bauwesen erleichtern.

Josef Füssl wuchs in Wien auf, er studierte Bauingenieurwesen an der TU Wien. Auch seine Dissertation schrieb er hier – über Computermodelle für Beton und Asphalt. Erfahrung sammelte Füssl auch immer wieder in der Wirtschaft als Zivilingenieur. Ein Auslandsaufenthalt an der University of Oxford brachte wichtige Kontakte, bis heute kooperiert Füssl eng mit dem Forschungsteam aus Oxford. Derzeit leitet er den Forschungsbereich für Werkstoff- und Struktursimulation an der TU Wien.

Philipp Haslinger: Auf der Suche nach neuen Naturgesetzen

Mit den bekannten Naturkräften lassen sich praktisch alle Phänomene beschreiben, die wir auf unserem Planeten beobachten. Doch irgendetwas fehlt: Gewisse Beobachtungen auf kosmischer Skala lassen sich mit den bekannten Gesetzen der Physik nicht erklären, etwa die beschleunigte Expansion des Universums. Es gibt verschiedene Theorien, welche zusätzliche Naturkraft da im Spiel sein könnte. Wenn es eine solche, bisher unbekannte Kraft tatsächlich gibt, dann müsste man sie auch auf der Erde nachweisen können – vorausgesetzt man schafft es, extrem präzise zu messen. Daher entwickelt Philipp Haslinger am Atominstitut der TU Wien spezielle, extrem sensitive Messmethoden, basierend auf Atominterferometrie.

Philipp Haslinger stammt aus Niederösterreich, er promovierte 2013 an der Universität Wien. Danach ging er mit einem FWF-Stipendium an die Universität Berkeley, bevor er nach Wien zurückkehrte, um seine Forschungsarbeiten am Atominstitut der TU Wien fortzusetzen.