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2018-09-13 [

Florian Aigner

 | PR und Marketing ]

Eine Schule als grüne Oase

Was passiert, wenn man Altbauten mit Pflanzen begrünt? Das untersuchte die TU Wien gemeinsam mit dem Gymnasium Kandlgasse. Die Ergebnisse werden nun präsentiert.

Begrünte Klassenräume

Prof. Azra Korjenic

Grüne Fassaden

Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou bei der Preisverleihung: Prof Azra Korjenic (TU Wien), Dr. Betül Bretschneider (UrbanTransform Research Consulting), Christian Gratzer (VCÖ - Mobilität mit Zukunft), Harald Wielander (Regionalmanager Ost der ÖBB-Postbus GmbH) (v.l.n.r.) Foto: ©PID/Christian Fürthner

Grünflächen sind in den Stadtzentren rar. Nicht jeder hat einen Park direkt vor der Haustür. Dabei hätten Pflanzen viele positive Auswirkungen auf die Luft, das Klima und das menschliche Wohlbefinden. Die Bauingenieurin Prof. Azra Korjenic von der TU Wien untersucht daher seit Jahren, wie man bestehende Gebäude am besten begrünen kann. Wie ihre Studien zeigen, die sie über mehrere Jahre hinweg in Kooperation mit dem Gymnasium Kandlgasse im 7. Wiener Gemeindebezirk durchgeführt hat, bringen Pflanzen an Wänden, Fassaden und Dächern messbaren Nutzen. Die Ergebnisse wurden nun am 13. September präsentiert.

Universität und Schule: Gemeinsam forschen
Das Projekt „GrünPlusSchule“ (gefördert von BMVIT/FFG und BIG) wurde bereits 2015 gestartet. Multifunktionale Wand-, Fassaden- und Dachsysteme wurden untersucht, mit denen das Gebäude des GRG7 in der Kandlgasse in Wien begrünt wurde. Es handelt sich dabei um ein Altbaugebäude in dicht verbauter Umgebung. An ausgewählten Wänden im Innenraum sowie an den Außenfassaden wurden Wandbegrünungssysteme angebracht. Auch das Flachdach wurde mit Pflanzen begrünt, zusätzlich wurden auch noch halbtransparente Photovoltaikzellen an der Fassade und am Gründach installiert. „Aus wissenschaftlicher Sicht ist es eine besonders interessante Frage, wie semitransparente Solarzellen und Fassadenbegrünung aufeinander einwirken“, sagt Azra Korjenic. An den Pflanzen verdunstet Wasser an heißen Tagen, das kann für Abkühlung sorgen. Dadurch lässt sich der Wirkungsgrad der Solarzellen erhöhen.

Die Schule war in die Forschungsarbeit eingebunden. Die Pflege der Pflanzen, die Wartung der Systeme sowie das Sammeln der Daten wurde in den Unterricht eingebaut. Wie sich zeigte, bringt die Begrünung tatsächlich große Vorteile: „Ob man sich in einem Raum wohl fühlt oder nicht, hängt maßgeblich von der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit ab“, erklärt Azra Korjenic. „Es gibt einen bauphysikalisch definierten Bereich der hygrothermischen Behaglichkeit, man kann daher genau untersuchen, wie oft das Raumklima Werte in diesem behaglichen Bereich von Temperatur und Luftfeuchtigkeit annimmt.“ Die Messungen zeigen, dass gerade im Winter in begrünten Räumen viel öfter ein behagliches Raumklima entsteht als in nicht begrünten Räumen.

Exakte Daten für zukünftige Begrünungs-Pläne
Für die Energiebilanz des Gebäudes ist wichtig, dass die Systeme mit Grünpflanzen an der Fassade den Wärmeverlust reduzieren – um bis zu 20% bei ungedämmten Objekten, wie die Messungen ergaben. „Dieser Wert hängt stark von verschiedenen Parametern ab, von der Größe der Grünfläche, von der Durchlüftung des Spaltes zwischen Begrünungssystem und Wand und auch von der Befestigung“, sagt Azra Korjenic. Genau solche Daten gehören zu den wichtigsten Ergebnissen des Forschungsprojekts, denn anhand dieser neuen Erfahrungen ist man nun in der Lage, weitere Fassadenbegrünungen auf möglichst effiziente Weise zu planen.

Ein weiterer Vorteil von Gebäudebegrünungen ist, dass Pflanzen Feinstaub aus der Luft filtern können. „Wir haben gemeinsam mit Kollegin Anne Kasper-Giebl von der Fakultät für technische Chemie Schwebstaubpartikel unterschiedlicher Größe gemessen – in begrünten Räumen ist ihre Konzentration geringer“, berichtet Korjenic. Auch die CO2-Konzentration in der Luft nimmt durch die Begrünung ab. Ebenso lässt sich die Akustik durch Innenbegrünung verbessern – die Nachhallzeit nimmt durch die Pflanzen ab.

Grüne Gebäude als Zukunftskonzept
„2050 werden zwei Drittel aller Menschen in Städten leben. Damit die Lebensqualität erhalten bleibt, brauchen wir Technologien, die eine funktionierende und dauerhafte Bepflanzung von Gebäuden ermöglichen“, sagt Azra Korjenic. Das Forschungsprojekt am Gynmasium Kandlgasse ist nun abgeschlossen. Am 13. September fand die offizielle Schlussveranstaltung statt, bei der auch die Projektergebnisse im Detail vorgestellt wurden.

Die Erforschung der Gebäudebegrünung und ihrer Auswirkungen geht aber weiter. Bereits 2017 startete das dreijährige Folgeprojekt GRÜNEzukunftSCHULEN (gefördert von Klimafond/FFG und unterstützt von BIG) unter Leitung von Prof. Azra Korjenic. Alle Untersuchungen des Projektes GrünPlusSchule werden nun auch an Neubauschulen (mit und ohne Lüftungsanlagen) durchgeführt, und die Ergebnisse werden mit denen der Altbauschule verglichen. Im Rahmen des Projektes GRÜNEzukunftSCHULEN wurden das Schuhmeierplatz-Gymnasium (Wien Ottakring) und das Diefenbachgymnasium (Wien Rudolfsheim-Fünfhaus) begrünt, und das Konrad Lorenz Gymnasium in Gänserndorf wird in der Planungs- und Bauphase wissenschaftlich begleitet. Am Ende des Projekts soll ein Leitfaden stehen, der Erkenntnisse für Grüne Architektur im Schulbau zusammenfasst.

Auszeichnung für Projekt in der Aspangstraße
Für ein wissenschaftlich ähnliches Projekt wurde Azra Korjenic nun mit dem VCÖ-Mobilitätspreis Wien ausgezeichnet: Im Rahmen des Forschungsprojektes „Greening Aspang“ (gefördert von FFG/Klimafond) hat Azra Korjenic zusammen mit Projektpartnern (UrbanTransForm Research Consulting, BOKU und EnviMet) die dicht bebaute Aspangstraße im dritten Wiener Bezirk unter die Lupe genommen. Durch die dichte Verbauung ist dort die Hitze im Sommer oft kaum erträglich – mit bauphysikalischen und mikroklimatechnischen Modellen wurde eine Basis für die Planung künftiger Gebäude entwickelt. Die Projekterkenntnisse liefern ein Planungstool sowohl für Sanierung von Bestandsgebäuden und für Neubauprojekten, aber auch für die Stadt-, Verkehrs- und Freiraumplanung.


Projekthomepage: http://www.grueneschulen.at/ 

Projektkonsortium:
GrünPlusSchule: TU Wien, BOKU, ATB - Becker e.U. und Kräftner Landschaftsarchitektur
GRÜNEzukunftSCHULEN: TU Wien, BOKU, B-NK GmbH – Büro für nachhaltige Kompetenz und Dipl.-Ing. Ralf Dopheide e.U.


„Grün statt grau“ - Ein von BMVIT produzierter Film über das Projekt