Technische Universität Wien
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2018-11-30 [

Lea Renoldner

 | Projektkoordination TU Vision 2025+ ]

Von der „leistungsfördernden Beleidigung“ zur Frage, ob Nachwuchsförderung nur ein Mythos ist

TU Wien Rektorin Sabine Seidler und Ernst Schmachtenberg, ehemaliger Rektor der RWTH Aachen, im Gespräch beim Forum TU Vision 2025+

Ernst Schmachtenberg (links) im Gespräch mit Sabine Seidler.

Das Publikum kann beim Forum TU Vision 2025+ mitdiskutieren.

Das Projekt TU Vision 2025+ ist eine Initiative von Rektorin Sabine Seidler zur langfristigen Strategieausrichtung der TU Wien.

Am 20. November 2018 waren unter dem Titel "Von der Vision zur Strategie - Strukturpolitik an einer technischen Universität“ der ehemalige Rektor der RWTH Aachen, Ernst Schmachtenberg, sowie Sabine Seidler, Rektorin der TU Wien, im Forum TU Vision 2025+ zu Gast, um ihre jeweiligen Zugänge zur Strukturpolitik an einer technischen Universität zu erläutern.

Dabei wurden Fragen wie „Wie schafft man als Hochschule die Quadratur des Kreises von offener Bildung für alle, aber gleichzeitig dem Streben nach Exzellenz?“ diskutiert. Ernst Schmachtenberg sprach in diesem Zusammenhang von einem Erlebnis, das er als „leistungsfördernde Beleidigung“ bezeichnet. Im Rahmen der Exzellenzinitiative Deutschlands schaffte es die RWTH Aachen als renommierte Hochschule im ersten Wettbewerb nicht auf die Auswahlliste.

Danach wurde bewusst an Verbesserungsmaßnahmen gearbeitet und drei eigene Parameter für Exzellenz definiert: Publikationen, Drittmittel und die Nachfrage nach Absolvent_innen am Arbeitsmarkt. Besonders über die Erhöhung des Drittmittelanteils konnten sukzessive auch über 100 Professuren geschaffen werden, die nun wieder zur Qualitätssteigerung von Forschung und Lehre beitragen. So konnte die RWTH Aachen auch letztendlich an den Clustern der Exzellenzinitiative in den darauffolgenden Wettbewerben teilhaben.

Rektorin Sabine Seidler beschrieb die Situation in Österreich hinsichtlich der Zufriedenstellung von Offenheit des Zugangssystems und qualitativ hochwertiger Forschung und Lehre dahingehend, dass sich hierzulande das Denken für Systemlösungen im Vorzug zur Ausgestaltung von Einzelansätzen noch nicht durchgesetzt hat. Die TU Wien versucht vermehrt ihr Potenzial durch Synergien mit Partnern in Form anderer Hochschulen, Instituten und Unternehmen zu stärken und so auch ihre Lage innherhalb einer Metropole noch mehr für sich zu nutzen. Dazu zählen ganz bewusst auch Kooperationen mit geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsgruppen und -einrichtungen, da diese an der TU Wien unterrepräsentiert sind, jedoch von hoher Relevanz wenn es darum geht, die gesellschaftlichen Folgen der Technik, an der wir forschen und die wir entwickeln, abschätzen zu lernen.

Die RWTH Aachen hingegen arbeitet seit Jahren erfolgreich mit einem integrierten, interdisziplinären System, in dem auch Geistes- und Sozialwissenschafter_innen an der Universität angestellt und in Forschungsprojekte aktiv eingebunden sind. Mehrere Kooperationen mit anderen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie dem Max-Planck- oder Fraunhofer-Institut, erbringen einerseits gegenseitig vorteilhafte Ergebnisse, führen jedoch auch immer wieder zu Differenzen, etwa bei Fragen des Promotionsrechts oder gemeinsamen Berufungen.

Andere Spannungen bei der Umsetzung der gesteckten Ziele ergaben sich durch die umgestaltete Einbindung der Wirtschaftswissenschaften sowie die Abschaffung der Romanistik an der RWTH Aachen. Als größte Enttäuschung bezeichnete Schmachtenberg zudem, dass zwar die „Stammthemen“ der Hochschule im Exzellenzcluster widergespiegelt wurden, jedoch die innovativen interdisziplinären Themengebiete nicht in diesem Rahmen gefördert wurden.

Die angeregte Diskussion mit dem Publikum streifte auch immer wieder den Bereich des wissenschaftlichen Nachwuchses - daran schließt das kommende Forum TU Vision 2025+ thematisch an:

Forum TU Vision 2025+ am 4.12.2018: „Mythos Nachwuchsförderung? Perspektiven junger WissenschafterInnen“

Forscherinnen und Forscher an unterschiedlichen Punkten ihrer wissenschaftlichen Laufbahn kommen dabei zu Wort und schildern, wie sie die Förderung des Nachwuchses an der TU Wien erleben. Wo konnten in den letzten Jahren bereits Fortschritte erzielt werden und welche Probleme gilt es noch zu bewältigen, sei es auf der Ebene der universitären Unterstützung oder in den einzelnen Instituten? Welche Perspektiven werden jungen Wissenschaftler_innen eröffnet, und wie kann eine gezielte Förderung erreicht werden?

Wir freuen uns auf Beiträge von Paul Mayrhofer (Studiendekan Maschinenbau), Helga Gartner (WINA+), Sabine Knierbein (Associate Professor), Roman Ganhör (Senior Lecturer) und einem Vertreter der Fachschaft Doktorat, sowie eine angeregte Diskussion mit dem Publikum.

"Mythos Nachwuchsförderung? Perspektiven junger WissenschafterInnen."
Eine Gesprächsrunde.
Dienstag, 04.12., 18:00 Uhr
Kontaktraum (Campus Gußhaus/Neues EI, Gußhausstraße 27-29, 6. Stock)

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Veranstaltung wird von einem Buffet begleitet.