Technische Universität Wien
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2019-01-25 [

Lea Renoldner

 | Projektkoordination TU Vision 2025+ ]

TU Vision 2025+: Vom Kommen und Gehen

International Brain Circulation an der TU Wien.

V.l.n.r.: Christian Hellmich (Moderation), Laura Kovacs, Günther Meschke, Georg Gottlob, Claudia Yamu, Christoph Rameshan, Ulrike Diebold (Moderation)

Georg Gottlob

Zum Abschluss des Semesterthemas „International Brain Circulation“ hat das Forum TU Vision 2025+ fünf Forscher_innen, die entweder von der TU Wien an eine andere Hochschule berufen wurden oder deren Karrierewege sie an die TU Wien geführt haben, zu einer Podiumsdiskussion eingeladen.

Podium

Georg Gottlob, seit 2006 Professor of Computing Science an der Oxford University, ist nach wie vor auch an der TU Wien tätigt und als solcher ein ständiger „Wandler zwischen den Welten“.
Claudia Yamu hat es als Architektin und Raumplanerin von ihrer Alma Mater, der TU Wien, mit Stationen in Japan und Frankreich nach Groningen in den Niederlanden verschlagen.

Christoph Rameshan wurde als Chemiker 2017 mit dem ERC-Starting-Grant ausgezeichnet. Er begann seine Arbeit zu Katalyse an der Universität Innsbruck und fand nach Berlin und Berkeley an der TU Wien seine aktuelle Forschungsstätte.
Laura Kovacs, Professorin an der Fakultät für Informatik, stammt ursprünglich aus Rumänien, wo sie auch ihre Karriere begann, um dann für den PhD an die Johannes Kepler Universität Linz zu wechseln. Ihre Post-Doc-Stellen führten sie nach Lausanne, die ETH Zürich und Wien. Neben ihrer Professur in Wien ist sie auch noch an der Chalmers Universität in Göteborg tätig.

Günther Meschke folgte vor über 20 Jahren bereits dem Ruf von der TU Wien an die Ruhr Universität Bochum. Während seiner Zeit als Universitätsassistent in Wien absolvierte der Bauingenieur auch ein Forschungsjahr an der Standford University.
 

Plus

Wesentlich war für alle Podiumsdiskutant_innen zu betonen, dass ein Forschungsaufenthalt im Ausland ein wichtiger Schritt in ihrer wissenschaftlichen und persönlichen Entwicklungslaufbahn war. Der methodische Input, den man an einer Forschungsstätte erfährt, wird mitgenommen und weiterentwickelt. Dabei wurde lobend erwähnt, dass an der TU Wien, im Vergleich beispielsweise zu einer niederländischen Universität, der Freiheitsgrad in der Forschung recht hoch ist, während hingegen eine wie in Groningen üblich klar definierte Strategie, deren Verfolgung laufend evaluiert wird, auch Vorteile bringen kann, insbesondere in Bezug auf strukturierte Arbeitsweisen sowie eindeutige Forschungszieldefinitionen.

Lobend wurde auch die Qualität der Ausbildung der Studierenden an der TU Wien hervorgehoben, die für viele „Outgoings“ einer der Hauptgründe war, warum sie zu Beginn ihrer Laufbahn überhaupt Interesse bei anderen Universitäten erweckt haben. Dem entgegen steht jedoch die anderenorts teils viel stärkere Unterstützung der Studierenden im Studienalltag, wenn auch die kulturellen und finanziellen Gegebenheiten an der TU Wien nur schwerlich mit privaten Universitäten bzw. jenen mit strikten Zugangsbeschränkungen vergleichbar sind.

Potential

Die Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins und der Öffentlichkeitsarbeit sowie des Brandings der TU Wien war in den Augen aller Teilnehmer_innen einer der zentralen Punkte, die es zu verbessern gilt. Die europäische Forschungslandschaft im Allgemeinen und die der TU Wien im Speziellen, genießt hohes Ansehen in der Forscher_innen-Community. Jedoch ist uns der angelsächsische Raum in puncto Eigenvermarktung noch einige Schritte voraus. Die gut etablierte Marke „TU Wien“ ist letztendlich auch relevant, wenn es um Forschungsanträge geht.

Auch ein „Sense of Community“ ist im Vergleich zu anderen Hochschulen, an denen die Wertschätzung von Mitarbeiter_innen und deren Erfolge viel öfter gemeinsam zelebriert werden, an der TU Wien noch ausbaufähig. Dies mag durch vergleichsweise flache Hierarchien anderer Universitäten, vor allem im skandinavischen Raum, aber auch der Schweiz oder den USA, bedingt sein, wo auch Ressourcendiskussionen weniger im Zentrum stehen als in Österreich.

Auch im Umgang mit den Industriepartnern zeigen sich starke Unterschiede, wenn man beispielsweise die sehr ausgeprägte Start-up-Kultur Großbritanniens betrachtet oder auch die ausgeprägteren Möglichkeiten zur Rückholung von Forscher_innen aus der Industrie an die Universität, wie es etwa im Rahmen eines „Professor of Practice“ in den USA leicht umsetzbar ist.

Kultur

Nicht zuletzt sind natürlich private sowie kulturelle Gründe mit ausschlaggebend für den Sprung ins Ausland. Dabei ist die Familie ein entscheidender Faktor für Mobilität. Aber gerade Wien hat als Stadt mit hoher Lebensqualität und kultureller Vielfalt einen Pull-Faktor, der einen nicht unwesentlichen Beweggrund für die Überlegung eines Wechsels an die TU Wien darstellt.

Conclusio

In Summe war man sich am Podium einig, dass internationale Forschungsaufenthalte, ob kurz oder lang, nicht nur die Forscher_innen selbst, sondern die gesamte Wissenschaftslandschaft der TU Wien maßgeblich bereichern und in einem zeitgemäßen Lern- und Lehrverständnis unerlässlich wertvoll sind.

 

Fotos: © TU Vision 2025+