Technische Universität Wien
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2003-04-29 [

Werner Sommer

]

SILVIA soll für weniger Straßenlärm sorgen

Lärm wird als eine der größten Umweltbelastungen empfunden. Das EU-Forschungsprojekt SILVIA (SILenda VIA = Leise Straße) geht dem Problem Straßenverkehrslärm auf den Grund und wird Lösungsvorschläge zu seiner Reduktion liefern.

Abb. 1: Die Systemkomponenten Motor, Reifen und Fahrbahn und das Lärmreduzierungspotential

Abb. 2: Lärmreduktionspotentiale beim PKW-Verkehr

Abb. 3: Lärmreduktionspotentiale beim LKW-Verkehr

Durch das ständig steigende Verkehrsaufkommen auf den Straßen der EU und die damit verbundene Lärmbelästigung der Anrainer wird die Frage nach wirkungsvollen Methoden einer spezifischen Lärmreduzierung immer deutlicher gestellt. Laut einer Repräsentativumfrage (ÖSTAT, 12/1998) fühlen sich 24,9% der ÖsterreicherInnen tagsüber und/oder nachts in ihrer Wohnung durch Lärm beeinträchtigt. 13,7% sogar stark oder sehr stark. Als Hauptursache der Lärmbelästigung wird mit über 60% (!) der Straßenverkehrslärm genannt, gefolgt von Lärm aus Nachbarwohnungen (12,7%), Eisenbahnen (7,4%) und Straßenbahnen (4,6%). Somit ist der Straßenverkehr die dominierende Lärmquelle.

Lärmbekämpfungsmaßnahmen

Ein wesentlicher Beitrag zur Herabsetzung des Verkehrslärms ist die Reduzierung des Reifen/Fahrbahn-Geräusches. Dieses entsteht beim Abrollen des Reifens auf der Fahrbahn und ist hauptsächlich von der gefahrenen Geschwindigkeit, von dem Reifentyp des Fahrzeuges, von der Art der Deckschicht und von der Oberflächenbeschaffenheit der Straße abhängig. Verminderungen des Rollgeräusches sind somit durch Modifikationen spezieller Reifentypen (Reduktion des Schallemissionspegels um bis zu 4 dB) und durch Verwendung von lärmmindernden Deckschichtarten möglich. Darunter versteht man hohlraumreiche Deckschichten, wie zum Beispiel Waschbetondecken (WB), Drainasphalt (DA) oder zweilagigen Drainasphalt oder durch spezielle Oberflächenbehandlung hinsichtlich Lärmminderung optimierte Deckschichten, wie z.B. lärmmindernde Dünnschichtdecken (LDD) oder Splittmastixasphalt (SMA). Durch einen gezielten Einsatz von lärmmindernden Deckschichten kann heutzutage eine Schallpegelreduktion von bis 4 - 6 dB erreicht werden, dies entspricht einer theoretischen Halbierung der Verkehrsmenge. Zusätzliches Lärmreduktionspotential liegt in der Hand der Fahrzeugkonstrukteure, die durch Verbesserungen im Bereich der Motoren und Antriebsstränge die Lärmabstrahlung um 3 - 4 dB reduzieren können.

Heutzutage ist die Dominanz der Antriebsgeräusche gegenüber den Rollgeräuschen beim PKW nur noch für Anfahr- und Beschleunigungsvorgänge gegeben. Ab einer Geschwindigkeit von 30 km/h beim PKW und 70 km/h beim LKW ist das Rollgeräusch bei gleichmäßiger Geschwindigkeit im Vergleich zum Motorengeräusch der dominierende Emissionsfaktor geworden.

EU- Forschungsprojekt SILVIA

Das TU Wien-Institut für Straßenbau und Straßenerhaltung und Prof. Ernst Pucher vom Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Kraftfahrzeugbau sind am dreijährigen EU-Projekt "SILVIA" (Silenda Via = Leise Strasse) mit 14 anderen Partnern aus insgesamt 11 europäischen Ländern beteiligt. Das Gesamtbudget dieses Forschungsprojektes beträgt 3,6 Millionen Euro.

Wichtigstes Ziel des Projektes ist es, EntscheidungsträgerInnen mit einem wissenschaftlichen Werkzeug für die Planung und Ausführung von Maßnahmen zur Reduzierung des Straßenlärmes auszustatten. Zu diesem Zweck ist das Projekt in vier verschiedene Forschungsschwerpunkte gegliedert, denen jeweils eine Arbeitsgruppe zugeordnet wurde.

  • Die erste beschäftigt sich vorwiegend mit der

    Durchführung und Auswertung von Rollgeräuschmessungen. Dabei sollen bestehende

    Messmethoden und Auswertungskriterien verbessert, weiterentwickelt und

    innerhalb der EU vereinheitlicht werden.

  • Eine zweite

    Arbeitsgruppe erstellt Kosten-Nutzen Analyseprozeduren für unterschiedliche

    Verkehrslärmreduktionsmaßnahmen um eine direkte Vergleichbarkeit hinsichtlich

    der Kosten für Bau und Erhaltung, der Einflüsse auf die Verkehrssicherheit und

    auf die Nachhaltigkeit der gesetzten Maßnahmen zu erhalten.

  • Ein weiterer

    Schwerpunkt liegt in der Erforschung von lärmmindernden Straßendecken.

    Verschiedene Konstruktionsmethoden werden in Bezug ihres Einflusses auf den

    Verkehrslärm klassifiziert. Aufgrund der bereits vorhandenen Daten und der

    Ergebnisse der Messungen der ersten Arbeitsgruppe sollen Verbesserungen der

    funktionellen und strukturellen Eigenschaften ebenso wie Verbesserungen

    hinsichtlich der Erhaltung eines lärmarmen Deckenaufbaues gefunden werden.

  • Abschließend wird das Gesamtsystem Fahrzeug - Reifen - Fahrbahndecke

    betrachtet um Bewertungskriterien für unterschiedliche Deckschichtarten in

    Hinblick auf deren Lärmentwicklung zu erstellen. Ebenso wird auf andere

    Maßnahmen der Reduzierung von Verkehrslärm eingegangen, wie z.B. der

    Einfluss von Verkehrsmanagementsystemen oder der Bau von Lärmschutzwänden.

Als Ergebnis dieses europäischen Forschungsvorhabens wird ein wissenschaftliches Handbuch als Richtlinie zur Planung und Ausführung von lärmmindernden Straßendecken erstellt. In diesem werden die Ergebnisse und Analysen der angeführten Forschungsbereiche mit dem Ziel veröffentlicht, Empfehlungen für Straßenbau-, Reifen- und Automobilindustrie hinsichtlich lärmmindernder Produktentwicklung abzugeben.