Technische Universität Wien
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2003-03-17 [

Werner Sommer

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Internationaler Organ-Spezialist kann durch Unterstützung der TU Wien gleichzeitig in Wien und New York lehren.

Die Akteure: E. Leonard, E. Riedling, Th. Zottl (v.l.n.r.)

Das Equipment: Projektor (links oben), Polycom SP (halbrechts oben), Notebook und Tablet (rechts)

Live: Prof. Leonard interagiert mit den Studierenden in New York

Professor Edward F. Leonard vom Department of Chemical and Biomedical Engineering der Columbia University (New York) ist ein weltbekannter Spezialist für künstliche Organe. Mit einem Fullbright-Stipendium unterrichtet er dieses Semester am Wiener AKH, möchte aber seine Lehrtätigkeit in New York nicht unterbrechen.

Zur Lösung dieses Dilemmas wurde Eveline Riedling, eLearning-Expertin am Institut für Industrielle Elektronik und Materialwissenschaften (IEMW) der TU Wien, kontaktiert. Da sich die Problemstellung mit einigen Arbeitszielen der IEMW-IT Gruppe deckt (die Erprobung neuer Lehr- und Lernformen, Präsentationen und dafür brauchbare Technologien), ließ sie sich auf das Experiment ein.

Allerdings: Weder am AKH, noch an der Universität Wien und auch nicht an der TU Wien ist die nötige Technologie standardmäßig implementiert. Daher stellte man am IEMW mit Firmenhilfe die notwendigen neuen Kombinationen zusammen, wobei „Netmeeting“ (mit neuer Technologie) und interaktive Video-Übertragungen übers Internet getestet werden.

Mit einem Polycom SP-Gerät werden "Fernsehbilder"“ live ins Internet übertragen, die zusätzlich viel Interaktivität ermöglichen. So kann z.B. der Professor in Wien die Kamera in New York steuern, Studierende "heranzoomen", in Großaufnahme zeigen und direkt ansprechen. Es kann jeder Bereich der beweglichen Kamera in Wien und New York angesteuert, in Groß- oder Kleinformat projiziert werden. TeilnehmerInnen in New York können sich auch "ihren Professor" in Großformat holen, können die Wiener Arbeitsumgebung genauer betrachten, die Kamera steuern. Man kann in zwei Bildern, wie auch in Netmeeting, beide Teilnehmergruppen sehen, aber eben weitaus anpass- und steuerbarer.

Zusätzlich wird über eine zweite Internetanbindung "Netmeeting" übertragen, wobei ein neues 17-Zoll-Tablet der Firma Wacom getestet wird, das noch nicht am Markt erhältlich ist. Das große Tablet (wie ein Flachbildschirm für Computer) ermöglicht Whiteboard-Verwendung, aber in einer verbesserten Art. Man zeigt PowerPoint Präsentationen, schaltet den eigenen Computer mit eigenen Dateien dazu, bearbeitet gemeinsam Dateien - wie bei Netmeeting. Zusätzlich kann man aber mit einem Stift in die Dateien und Präsentationen schreiben. Ein bequemes Eintragen von Formeln, Kommentaren, Ergänzungen, Zusatzfragen etc. ist daher möglich. Man kann es sich so vorstellen: Beide Seiten stehen vor einer Tafel, der Lehrende erklärt, schreibt, Studierende fragen. Nun wird gemeinsam an der Lösung gearbeitet. Normalerweise schreibt der Lehrende, unterstreicht, schreibt Ergänzungen, kommentiert Fragen, zeichnet Funktionsgraphen dazu etc. Nun kommen aber auch Studierende und schreiben Formeln, Fragen, zeichnen - alles gemeinsam an einer "virtuellen" Tafel.

Das Tablet kann durch seine Größe viele Inhalte gleichzeitig und übersichtlich anzeigen. Die Tafelinhalte - die man wie bei Netmeeting auch speichern kann - können handschriftlich in guter Qualität ergänzt werden. Anders als beim "Whiteboard" von Netmeeting - nämlich ohne Tablet und Stift - ist die handschriftliche Qualität viel besser. Es schreibt sich mit Stift schöner als mit Maus.

Das Tablet hängt an einem von Hewlett Packard geliehenen PC. An technischen Erprobungen wird gearbeitet, da man noch etliche Verwendungsmöglichkeiten andenken kann (zusätzliche Video Clips etc.).

Das Projekt - bei dem sowohl technische Möglichkeiten als auch Auswirkungen auf Lehrende und Studierende getestet werden - wird von Eveline Riedling - unterstützt von Thomas Zottl (Technik) und Karl Riedling (Consulting) - wissenschaftlich begleitet, wobei gemeinsame Veröffentlichungen mit Columbia-MitarbeiterInnen vorgesehen sind.
Die exzellente Qualität der Video- und Audio-Übertragung ist nur Dank der hervorragenden Leistungsfähigkeit des TU-Net und der Internet-Anbindung der TU möglich, wofür an dieser Stelle auch dem ZID gedankt werden soll.

Weitere Schwerpunkte in der Arbeit von Eveline Riedling sind Medizinanwendungen, Informationssysteme etc. Sie ist auch Herausgeberin des Wissenschafts-eJournals " JAPIT ", das gleich nach der ersten Ausgabe für die INSPEC-Datenbank akzeptiert wurde!