Technische Universität Wien
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2007-09-17 [

Daniela Ausserhuber

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Georg Gartner – neuberufener Professor für Kartographie und Geo-Medientechnik

Im Zeitalter von Google Earth spielen raumbezogene Informationen eine immer größer werdende Rolle. Das Forschungsgebiet des neuberufenen TU-Professors beschäftigt sich mit den Schlagwörtern Multimediakartographie, „ubiquitous cartography“ und Navigationssysteme. Nicht zuletzt sollen dadurch auch Fußgänger leichter an ihr Ziel kommen.

Georg Gartner

Werdegang

„Karten und Orientierung, die ‚große, weite Welt’ an sich, das waren Themen, für die ich mich schon im Kleinkindalter interessiert habe. Ich kann mich erinnern, dass ich in der Unterstufe des Gymnasiums bereits mit meinem Geographielehrer diskutiert habe, was man da alles tun muss, welche Inhalte es in diesem Studium gibt, und so weiter,“ sagt Professor Georg Gartner über seine Interessen. Zielstrebig peilte er das Geographiestudium an der Universität Wien an und begann sich sehr früh auf die Kartographie zu spezialisieren. 1991 schloss er das Studium ab und wechselte an die TU Wien, wo er seine Dissertation zu schreiben begann. Mit einigen Unterbrechungen durch Auslandsaufenthalte unter anderem in Nebraska (USA), Melbourne (Australien) und Guangzhou (China) blieb er der TU als Universitätsassistent am Institut für Kartographie und Reproduktionstechnik treu. „Wir Kartographen haben eine sehr vielfältige, interessante und herausfordernde Aufgabe. Wir versuchen möglichst effizient raumbezogene Informationen zu kommunizieren, darüber wie die Welt beschaffen ist, wie sie sich gestaltet. Und das versuchen wir so, dass es für einen bestimmten Menschen, einen Anwender „passt“ und er damit in seiner Situation etwas anfangen kann. Aus meiner Sicht ist diese Aufgabenstellung nach wie vor faszinierend und ich fühle mich daher auch bestätigt, sowohl was die Studienwahl anbelangt als auch die Fragen mit denen ich mich beschäftige“, verdeutlicht Gartner. Im März 2007 wurde Georg Gartner zum Universitätsprofessor am Institut für Geoinformation und Kartographie berufen.

Forschungsschwerpunkt Multimediakartographie

Hauptsächlich beschäftigt sich Gartner in seiner Forschungsarbeit mit „Location Based Services“ (LBS), den sogenannten „Standortbezogenen Diensten“, die im Bereich der Telekartographie oder Mulitmediakartographie einzuordnen sind. „Es gibt verschiedene kartographische Präsentationsformen und Visualisierungstechniken. Bei LBS und Navigation geht es in erster Linie um die Aufgabenstellung, wie ich einer Person mit einem mobilen Ein- oder Ausgabegerät in Form eines Handys, PocketPCs, etc., raumbezogene Informationen vermitteln kann. Wenn jemand nicht weiß wie er von ‚A’ nach ‚B’ kommt, kann ihm das Gerät einen Hinweis geben“, erklärt Gartner. Diese Art von Navigationssystemen zu entwickeln ist ein Forschungsschwerpunkt des neuen TU-Professors. In der modernen Kartographie gibt es neben der klassischen 2D-Landkarte verschiedene Ausdrucksmittel, beispielsweise Animationen, interaktive Karten und 3D-Karten. Aktuell wird vor allem am „Kommunikationsproblem“ gearbeitet. Gartner: „Es funktioniert bereits mit dem Handy bestimmte raumbezogene Infos abrufen zu können. Einen Schritt weiter wäre herauszufinden, welche Informationen ein bestimmter Nutzer in einer bestimmten Situation benötigt und dann die relevanten Infos mit einer für diese Situation und seine Fähigkeiten passende Präsentationsform auf sein Handy zu bringen. Damit beschäftigen wir uns gerade.“

Die Umgebung kommuniziert mit – „smart environment“

Die zweite Idee, die Gartner und seine MitarbeiterInnen verfolgen ist, sich zu überlegen, wie man die Umgebung selbst dazu bringt zu kommunizieren. In der Fachsprache wird dies als „smart environment“ bezeichnet. Denkbar wären zum Beispiel ‚public displays’, Bildschirme, die vor den Gebäuden installiert sind. „Wenn man in das Gebäude hineingeht, könnte dort eine Art von Kommunikation stattfinden. Zum Beispiel: Es wartet Herr xy auf Sie im 1. Stock, gehen Sie bitte die Stiegen hinauf und dann nach rechts“, erläutert Gartner. In der Informatik wird dies als „ubiquitous computing“ bezeichnet. In der Kartographie wird dieses Konzept für die Kommunikation von raumbezogener Information angewandt. Gartner: „In einem unserer Projekte geht es um Wegbeschreibungen, die dem Menschen so vermittelt werden, dass er sie auch leicht versteht. Also nicht: ‚Gehen Sie 300° NNW und biegen Sie nach 333 Metern rechts ab.’ Sondern: ‚Gehen Sie beim Billa vorbei und dann beim Buchgeschäft rechts.’ Wie kann man diese Informationen auf ein automatisiertes System umsetzen?“, ist ein zentraler Forschungsschwerpunkt von Gartner. Welche Möglichkeit die beste ist, raumbezogene Informationen zu vermitteln, ist situationsabhängig und adaptiv. „Manchmal ist die Papierkarte am besten, ein anderes Mal die Karte am Handy. Man muss es für die jeweilige Situation, in der sich der Empfänger gerade befindet, aufbereiten. Es kann sein, dass es sehr laut ist, dass es regnet oder dunkel ist“, so Gartner. Auch Wanderern oder Schitourengehern soll in Zukunft durch ein geeignetes Navigationssystem zu einer besseren Orientierung verholfen werden. Hier werden Landschaftsmerkmale in Form von „landmarks“, wie zum Beispiel ein enges Tal, ein Waldstück, beschrieben und positionsabhängig zur Navigationsunterstützung eingesetzt.

Boomender Markt im Bereich Kartographie und Geoinformation

„Ich halte sowohl in der Studienrichtung Geodäsie/Geoinformation Lehrveranstaltungen als auch in der Raumplanung. Mir macht die Lehre großen Spaß und ich glaube, dass unsere Studierenden im Vergleich zu anderen Unis oder zu den Erfahrungen, die ich dort gemacht habe, sehr gut sind.“, sagt Gartner. Im Zusammenhang mit der Umstellung auf Bachelor und Master ist er überzeugt davon, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren durchaus Adaptionsbedarf, im Sinne von „Feintuning“ zu erledigen sei. Professor Gartner: „Die verschiedenen Lehrveranstaltungen müssen sicherlich laufend überdacht werden. Es ist wichtig sich diesem Prozess sehr aktiv zu stellen. Wenn wir uns als TU behaupten wollen, müssen wir uns mit anderen großen Unis messen und uns fragen, ob wir wirklich das anbieten, was relevant und gebraucht wird. Das ist eine Herausforderung.“
Im Studium der Geodäsie und Geoinformation sieht Gartner einen großen Markt, der deutlich mehr gut ausgebildete Leute verträgt. „Unsere AbsolventInnen haben keine Schwierigkeiten Jobs zu finden. Vom Grafikdesign beginnend bis hin zur Atlaskartographie und Verlagskartographie ist hier ein breiter Markt vorhanden“, erläutert Gartner.

Private Seite und Ausblick

In seiner Freizeit widmet sich der gebürtige Wiener Familie und Kindern. Sportlich begeistert er sich für bestimmte „Outdoor-Sportarten“, wie etwa Rad fahren, Wandern und Orientierungslaufen. Bei letzterem erhalten die Mitstreiter eine Karte in die Hand und laufen anhand dieser quer durch den Wald. Gartner: „Das bietet sich für einen Kartographen wirklich an. Außerdem ist meine große Leidenschaft das Schitouren gehen.“
In Sachen Zukunftsvisionen gab Gartner an, dass er sich privilegiert fühle so eine Job machen zu können. „Ich muss echt sagen, ich glaube es gibt keinen tolleren Job als Professor an der TU zu sein. Hier hat man schon ein bisschen die Freiheit zu sagen, ich hab jetzt eine Idee und ich möchte das verfolgen. Ich habe bestimmte Ambitionen innerhalb meiner Forschungsprojekte und möchte international noch sichtbarer werden. Ich würde mir wünschen, dass die gesamte Universität eine Art Nährboden anbietet, sodass die Beteiligten das Gefühl erhalten, an einer gemeinsamen Organisation zu arbeiten. Dieses Gefühl des Zusammenhalts kenne ich vom angloamerikanischen Raum, dort haben Unis in der Gesellschaft einen ganz anderen Stellenwert. Es soll nicht nur unabhängig voneinander agierende Gruppen geben, sondern auch einen gemeinsamen Nenner“, so Gartner.