Technische Universität Wien
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2007-10-22 [

Daniela Hallegger

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Hannes Werthner – Professor für E-Commerce am Institut für Softwaretechnik und Interaktive Systeme

Sein Studium verdiente sich der Wirtschaftsinformatiker mit Fußball spielen beim Verein Oberwart. Nach einigen Jahren Auslandserfahrung in Italien kommt Professor Werthner 2006 an die TU Wien, seine Ausbildungsstätte, zurück. Mit dem Forschungsschwerpunkt E-Commerce setzt er auf Anwendungen im Tourismus und sieht in der Wirtschaftsinformatik in erster Linie eine Modellierungsdisziplin.

Hannes Werthner

Werdegang

„Im Rahmen eines Unterrichtsversuches in der Mittelschule besuchte ich in den letzten beiden Schuljahren eine Computertechnik-Lehrveranstaltung. Dass ich mich gemeldet habe, verdanke ich dem Lehrer, der mir sehr sympathisch war. In dieser Zeit entwickelte ich ein bestimmtes Eigeninteresse und entschloss mich bald für ein Informatikstudium an der TU Wien“, erzählt Professor Hannes Werthner über seine Wahl der Ausbildung. Das Studium selbst finanzierte er sich mit dem Fußball spielen. Mit 16 debütierte er in der Landesliga beim Verein Oberwart. „Das Geld, das ich bekommen habe, reichte für mein Studium. 1984 habe ich meine Karriere als Fußballer dann beendet. Nun bin ich einer von den vielen Fernsehexperten, den fünf Millionen ‚Teamchefs’.“ Im Jahr 1981 promovierte Werthner an der TU Wien und befasste sich bei der Dissertation mit Simulationsmethoden und deren Anwendung für die Optimierung im öffentlichen Verkehr.

Es folgte eine Tätigkeit als Assistent an der Universität Wien. Mit einem Schrödinger Stipendiat ging Hannes Werthner für zwei Jahre an die TU Mailand.
Im Anschluss war er zwei Jahre in der Wirtschaft tätig und gründete unter anderem eine Softwarefirma. Nach seiner Habilitation an der Universität Wien wechselte Werthner an die Wirtschaftsuniversität und wurde Professor für Wirtschaftsinformatik.

Im Jahr 2000 zog es ihn erneut in südlicheres Gebiet. An der Universität Trento leitete er eine Forschungsgruppe an einem außeruniversitären Forschungsinstitut zum Thema „E-Commerce und Tourismus“. „Wir haben Empfehlungssysteme im Tourismus entwickelt. Beispielsweise kann man sagen, zwei Personen mit einem bestimmten Budget, mit bestimmten Vorlieben, etwa für Bergsteigen oder Drachenfliegen, suche dazupassende Urlaubsdestinationen mit Hotel und bekommen alles auf einen Knopfdruck“, erläutert Werthner. Die Entwicklung dieser Systeme basiert auf statistischen Distanzmassen und die Nähe der Benutzerbedürfnisse zu den beschriebenen Attributen von Produktdaten. Nach zwei Jahren als Professor in Innsbruck wurde Hannes Werthner im Februar 2006 zum Professor für E-Commerce an der TU Wien berufen.

Forschungsschwerpunkt: E-Commerce
 
Werthner nannte zwei Forschungsschwerpunkte mit denen er sich hauptsächlich auseinandersetzt. Zum einen handelt es sich dabei um „Business-to-Business-E-Commerce, eine Bezeichnung, die die Interaktion zwischen zwei Unternehmungen meint. In diesem Zusammenhang stehen vor allem serviceorientierte Architekturen im Vordergrund. „Die Businessgeschäftsmodellierung, beziehungsweise das Geschäftsmodell sagt, was ich mache und das Geschäftsprozessmodell sagt wie ich es mache. Von formalen Beschreibungen auf diesen beiden Ebenen versuchen wir eine serviceorientierte Softwareimplementierung abzuleiten“, erklärt Werthner. Im zweiten Schwerpunkt kommt auch das „semantic web“ ins Spiel. Werthner forscht auch auf dem Gebiet „Business-to-Consumer“-Interaktionen. Damit sind vor allem virtuelle 3D-Welten gemeint, unter anderem „second life“. BenutzerInnen können sich selbst in dieser „virtual reality“ darstellen und mit anderen Individuen in Kommunikation treten. Hier haben auch die mobile Kommunikation und mobile Endgeräte eine wesentliche Bedeutung, so Werthner. In Sachen Firmenkooperationen nannte der TU-Professor die Gründung des EC3 (E-Commerce-Competence-Center) im Jahr 2000. Hierbei arbeiten drei Wiener Universitäten (Uni Wien, WU, TU) gemeinsam mit zwölf Firmen (http://www.ec3.at/) an Forschung und Entwicklung im Bereich elektronischer Handel. Werthner: „Es gibt sehr viele Projekte, beispielsweise mit der Tiroler Tourismusplattform ‚Tiscover’.“

Wirtschaftsinformatik: eine Modellierungsdisziplin

Im Hinblick auf das Studium der Informatik nannte Professor Werthner vor allem die mehr als zufriedenstellenden Studierendenzahlen. „Im 2. Studienabschnitt haben wir sogar eher das Problem, dass meine Vorlesungen und Übungen überfüllt sind. In der Lehre selbst lege ich Wert auf Interaktion. In meiner VU gibt es zahlreiche Gruppenarbeiten“, verdeutlicht er. Vor allem im Bereich E-Commerce sei es aber wichtig, die Hintergründe zu verstehen. Es gibt immer wieder neue Entwicklungen. Im Vordergrund stehen die Grundlagen, daneben sollte man auch modellieren und konzipieren können. Werthner: „Generell glaube ich, dass die Informatik oder auch die Wirtschaftsinformatik eine Modellierungsdisziplin ist und nicht so sehr eine Implementierungsdisziplin. Es geht hier um die Modellbildung, um die Realität zu „beschreiben“, zu verstehen und Entwicklungen vorherzusagen.“ Viele Firmen lassen bereits in Osteuropa entwickeln. Die Wirtschaftsinformatik als Anwendung von Informatik solle laut Werthner die Grundkonzepte in der Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft herausfiltern.
Das Niveau an der TU Wien bezeichnete er als ausgesprochen gut. Die Zeit im Ausland habe ihm geholfen Dinge in einen anderen Kontext zu stellen und vieles was vergrämen könnte, nicht mehr so ernst zu nehmen.

Private Seite und Ausblick

„In seiner Freizeit widmet sich Professor Werthner dem Lesen, Wandern und Tennis spielen. Darüber hinaus verfolgt er viele Fußballspiele, live oder im Fernsehen. Den 'Hype' um die Europameisterschaft 2008 kann er dennoch nicht ganz verstehen und sieht dem Ereignis eher gelassen entgegen.

Gründe warum er wieder zurück nach Wien an die TU wechselte, gibt es viele. Zunächst hat Werthner an der TU studiert und wollte nach seinen zahlreichen Erfahrungen im In- und Ausland wieder an den „Ausgangspunkt“ zurück. „Die Fakultät ist meiner Meinung nach sehr gut aufgestellt von meinen KollegInnen her und von den Themen. Es ist mir wichtig, dass hier Leute rauskommen, die technisch und handwerklich gut sind und grundsätzliche Dynamiken erkennen und auch entsprechend an sie herangehen können. Unsere AbsolventInnen sollen auch sozialverantwortlich sein. Das heißt, sie sollen nicht nur für die Industrie ausgebildet werden, sondern für gesamtgesellschaftliche Sichtweisen offen bleiben“, so Werthner.