Technische Universität Wien
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2008-06-16 [

Ille C. Gebeshuber

]

TU- Wien startet Kooperations- zentrum für Bionik/Biomimetics

Am Montag den 16. Juni um 10h wird anlässlich der Gründung des Kooperationszentrums Bionik/Biomimetics das erste Netzwerktreffen Bionik/Biomimetics im Festsaal der TU Wien stattfinden.

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme einer Kieselalge. Derartige biogene Silikatstrukturen zeigen komplexe Verbindungsstrukturen, und dienen als Inspirationsquelle für Verbindungen in neuen dreidimensionalen mikroelektromechanischen Systemen (MEMS).

Bionik/Biomimetics wird derzeit an allen Fakultäten der TU Wien beforscht. Der Aufbau eines gemeinsamen Forschungsschwerpunkts Bionik/Biomimetics, und die Etablierung einer transdisziplinären Forschungsstätte soll die Aktivitäten an der Technischen Universität bündeln, verstärken und nach innen und außen sichtbar machen.  Als Auftakt für die Vernetzung werden OrganisatorInnen und TeilnehmerInnen des Kooperatioszentrums, sowie VertreterInnen des Rektorats der TU  mit VertreterInnen der Politik und des österreichischen Bionik Netzwerks zusammentreffen.

Sprecher: Prof. Herbert Stachelberger
Koordinatorin: Dr. Petra Gruber
ForscherInnen: 30 TU WissenschafterInnen aus 8 Fakultäten

Inhaltliche Ausrichtung
Bionik als Wissenschaftsdisziplin befasst sich systematisch mit der technischen Umsetzung und Anwendung von Konstruktionen, Verfahren und Entwicklungsprinzipien biologischer Systeme. Dazu gehören auch Aspekte des Zusammenwirkens belebter und unbelebter Teile und Systeme.
(Definition nach Werner Nachtigall und VDI, D)

Biomimetics is the abstraction of good design from nature.
(Definition nach den Centres for Biomimetics, UK)

Die breite Definition soll viele Forschungsbereiche, die den Informationstransfer aus der Natur für eigenständiges technisches Gestalten nutzen, einbinden. Da eine Diskussion vor allem über die englischen Begriffe Bionics und Biomimetics immer noch im Gange ist, wird der Doppelname Bionik/Biomimetics verwendet.

Ökologie ist im Begriff Bionik nicht impliziert. Die Ökologische Verträglichkeit von bionisch entwickelten Lösungen ist nicht garantiert, im Gegenteil - wie bei anderen Eingriffen in Ökosysteme sind die Umweltauswirkungen zu untersuchen. Die angestrebte Verpflichtung zu ökologischer Nachhaltigkeit muss unabhängig von der Entwicklungsmethode garantiert sein.

TeilnehmerInnen des Kooperationsnetzwerks

Das große Interesse und die vielschichtigen Diskussionen im Zuge der Entstehung weisen darauf hin, dass das Thema Bionik/Biomimetics für viele Personen große Bedeutung hat. Die Breite der Möglichkeiten sollte dabei nicht dazu verleiten, Bionik als Allerweltsmaterie zu entwerten. Bionik als Innovationswerkzeug kann in vielen technischen Bereichen angewandt werden, die derzeit noch nicht absehbar sind.
Initiiert wurde das Kooperationszentrum von vier Personen, denen Bionik seit langem ein großes Anliegen ist: Prof.  Herbert Stachelberger (Chemie, Sprecher des Zentrums), Ille Gebeshuber (Physik), Heinz-Bodo Schmiedmayer (Mechanik), und Petra Gruber (Architektur, Koordinatorin des Netzwerks). Derzeit sind insgesamt 30 Personen aus 8 verschiedenen Fakultäten am Kooperationszentrum beteiligt.
Die Formierung eines Netzwerks in diesem Themenbereich ist als Prozess zu verstehen.
Die Bereitstellung von Ressourcen für die Formierung soll den OrganisatorInnen und TeilnehmerInnen die Möglichkeit bieten, eine interdisziplinäre Forschungsstruktur in einem größeren Massstab zu entwickeln. Personen und Organisationseinheiten, die am Beginn der Forschungstätigkeit im Bereich Bionik stehen, sollen aus dem Netzwerk nicht ausgeschlossen sein und auch zukünftige InteressentInnen sollten im Netzwerk aufgenommen werden können.

Fachkompetenzen der Fakultäten in Bezug auf Bionik/Biomimetics

Die beteiligten Institute und Fakultäten bringen folgende Fachkompetenzen in das Netzwerk ein:

Architektur und Raumplanung
Architekturentwurf, Architekturtheorie, Architekturbionik, Nachhaltige und effiziente Tragkonstruktionen, Biomaterials in der Architektur, Digital Architecture and Planning
Bauingenieurwesen
Biomechanik, Dynamisches Verhalten biomechanischer Systeme
Elektrotechnik und Informationstechnik
Biokompatibilität von Oberflächen, Mikro-und Nanostrukturtechnik, Mikrosystemtechnik, Konstruktionsmethodik, Kognitive Informationsverarbeitung, Industrielle Sensorsysteme
Informatik
Evolutionary Computation
Maschinenwesen und Betriebswissenschaften
Nanoarchitektur von Biomaterialien, Biomineralisation, Biomechanik, Nichtmetallische Werkstoffe, Simulation dynamischer Mehrkörpersysteme; Interaktion Mensch – Technisches System
Mathematik und Geoinformation
Spatial cognition, Computational Neuroscience and Biomedical Engineering
Physik
(Bio-)Nanotechnologie , Tribologische Mikro- und Nanosysteme aus der Biosphäre, Engineering Biology
Technische Chemie
Charakterisierung von Biopolymeren, Natural Products and Food Chemistry, Fibre technology, Mechanical Process Engineering


Die Ausrichtung des Netzwerks ist eher anwendungsorientiert. Die nötige Grundlagenforschung wird in Zusammenarbeit mit Partnern auf der TU und anderen Universitäten bzw. durch Konsulenten durchgeführt.

Ziele des TU-weiten Kooperationszentrums für Bionik / Biomimetics

Ziel des Kooperationszentrums ist die Bündelung der Bionikforschung an der TU Wien auf einer gemeinsamen Plattform. Dadurch sollen der Informationsaustausch verbessert, weitere interdisziplinäre Zusammenarbeit initiiert und Synergien in der Nutzung der Kompetenzen, Methoden und Ressourcen anderer erzielt werden, aber auch der Auftritt nach außen und das Akquirieren von Drittmitteln erleichtert werden.

Durch den Aufbau eines gemeinsamen Forschungsschwerpunkts Bionik/Biomimetics, erfolgt die Etablierung einer transdisziplinären Forschungsstätte. Die Vernetzung der Aktivitäten (vorerst an der TU, aber auch über darüber hinaus) soll zu einer verstärkten nationalen und internationalen Akquisition von Projektförderungen führen. Durch die Breite der Materie werden verschiedene Vorhaben im Rahmen des Kooperationszentrums entstehen. Die einzelnen TeilnehmerInnen aus diesem ExpertInnenpool werden Projekte in ihrem  jeweiligen primären Kompetenzbereich einbringen, und gemeinsam mit einer Forschergruppe aus dem Kooperationszentrum und externen PartnerInnen bearbeiten. Die schon bestehenden Kontakte zu anderen Forschungsstätten, zur Industrie und anderen Netzwerken (Bionik Austria, Bionis, Biokon) sollen verstärkt werden. Ein Synergieeffekt wird hinsichtlich der Nutzung der vorhandenen Kompetenzen und Strukturen entstehen. Im Rahmen des Kooperationszentrums werden auch Symposien und Workshops durchgeführt werden. Durch das Einladen von externen ExpertInnen (z.B. Seminare) werden neue Impulse gesetzt.

Der gemeinsame Auftritt im Bereich Bionik/Biomimetics führt auch zu einer Profilschärfung der TU.
Über Öffentlichkeitsarbeit soll Bionik Interesse an der TU wecken und auch als Attraktor für SchülerInnen dienen um sie vermehrt dazu anzuregen, sich mit der Möglichkeit eines Technikstudiums intensiv auseinanderzusetzen.

Programm Kick-off Veranstaltung

Im Rahmen der Kick-off Veranstaltung am Montag, den 16.Juni 10h im Festsaal der TU Wien werden die zukünftigen Aktivitäten des Zentrums vorgestellt. Frau Vizerektorin Sabine Seidler und Frau Staatssekretärin Christa Kranzl haben ihr Kommen zugesagt. Prof. George Jeronimidis vom Centre for Biomimetics, an der Universität von Reading, UK wird einen Gastvortrag über “Functional Mechanics of Fibrous Composites in Biology and Technology” halten.

Rückfragen bitte an das Organisationsteam:
Dr. Ille C. Gebeshuber, gebeshuber@iap.tuwien.ac.at 
Dr. Petra Gruber, gruber@hb2.tuwien.ac.at
Prof. Heinz-Bodo Schmiedmayer, hschmied@mail.tuwien.ac.at 
Prof. Herbert Stachelberger, hstachel@mail.zserv.tuwien.ac.at