Technische Universität Wien
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2008-07-15 [

Dieter Gutknecht

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Werner Kresser 1919-2008

Am 20. Juni 2008 verstarb Em. O.Univ. Prof. Dipl.-Ing. Dr. DDr.h.c. Werner Kresser im Alter von 88 Jahren in Wien. Um ihn trauert das Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie, dessen frühere Abteilung für Hydraulik, Gewässerkunde und Wasserwirtschaft er viele Jahre hindurch leitete, und die Technische Universität Wien, der er mit seinen vielfältigen Fähigkeiten und mit seiner großen Einsatzbereitschaft für „seine“ Universität immer wieder in wichtigen Funktionen zur Verfügung stand. Die Gedenkmesse findet in der Jesuitenkirche-Universitätskirche, 1., Dr. Ignaz Seipel-Platz 1, am Freitag, den 18. Juli 2008 um 17.00 Uhr statt.

Werner Kresser

Werner Kresser wurde 1919 in Dornbirn geboren. Nach dem Besuch der dortigen Realschule inskribierte er Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule Wien, wo er sein Studium nach einer Unterbrechung durch eine kürzere Kriegsdienstleistung im Jahr 1942 abschloss. Als Assistent seines von ihm hochgeschätzten Lehrers Josef Kozeny promovierte er im Jahr 1946 mit einer Arbeit über die turbulente Geschwindigkeitsverteilung in offenen Gerinnen. Im Anschluss daran trat er in den Staatsdienst ein und wurde bereits nach wenigen Jahren zum Leiter des Hydrographischen Zentralbüros im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft bestellt. 1956 habilitierte er sich mit einer Arbeit über die Methoden der Langfristvorhersage in der Wasserwirtschaft.

1959 folgte der Ruf als Professor für Hydraulik, Gewässerkunde, Landwirtschaftlichen Wasserbau und Siedlungswasserbau an die Technische Hochschule Wien. Bereits 6 Jahre später wurde er zum Rektor für das Studienjahr 1965/66 gewählt, womit ihm die ehrenvolle Aufgabe zufiel, seiner Hochschule im Jubiläumsjahr ihres 150-jährigen Bestehens vorzustehen. Im Studienjahr 1972/73 war er Dekan der damaligen Fakultät für Bauingenieurwesen und Architektur, in der Zeit von 1982 bis 1985 Prodekan  der Fakultät für Bauingenieurwesen.

Seit seiner Berufung bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1989 leitete Professor Kresser als Institutsvorstand das  Institut, das nach Berufung der Professoren von der Emde und Kemmerling dann die Fächer Hydraulik, Gewässerkunde und Wasserwirtschaft betreute. In der langen Zeitspanne von 30 Jahren prägte Werner Kresser ganz maßgeblich die Entwicklung dieses Institutes. Mit seinen Forschungsinteressen auf den Gebieten der hydrologischen Vorhersagen, der Geschiebe- und Sedimenttransport-Forschung, der Grundwasserforschung und der Entwicklung von Wasserbilanzen hat er frühzeitig Themen aufgegriffen, deren Bedeutung seither nicht abgenommen, sondern eher zugenommen hat. Ein zentrales Thema seines Wirkens bildete immer wieder die Sorge um die Erhaltung des lebensnotwendigen Gutes „Wasser“. Dieser Frage widmete er viele aufklärende, aber auch mahnende Arbeiten. Viele von ihm initiierte Forschungsarbeiten waren direkt oder indirekt auf dieses Thema gerichtet.

Eine ganz wesentliche Funktion erfüllte Werner Kresser als Hochschullehrer. In der drei Jahrzehnte umspannenden Zeit seines Wirkens wurde er zu einem großen und prägenden Lehrer für Generationen von Studierenden. Seine reiche Erfahrung auf theoretischem und praktischem Gebiet, sein Engagement und die Lebendigkeit seines Vortrages waren die Basis dafür, dass seine Vorlesungen zum bleibenden Gewinn wurden und allen, die sie hören und erleben konnten, auch nach langen Jahren in lebendiger Erinnerung verblieben.

Professor Werner Kresser ist Träger hoher Auszeichnungen. Dazu zählen die Ehrendoktorate der Universität Notre Dame und der Technischen Universität Budapest, die Josef Ritter von Prechtl - Medaille der Technischen Universität Wien, das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse sowie eine Reihe von Ehrenzeichen sowie Ehrenmitgliedschaften wissenschaftlicher Vereinigungen.

In Erinnerung wird Werner Kresser aber vor allem auch als großer Förderer, Mentor und Vermittler bleiben. Sein Vertrauen in den Menschen, insbesondere auch in den jungen Menschen, erlaubte es ihm, Entwicklungen zu fördern. Seine Objektivität und seine Grundeinstellung, sein Gegenüber anzuerkennen und ihm vorurteilsfrei zu begegnen, ermöglichten es ihm immer wieder, auch dort, wo sich in schwierigen Situationen sonst keine Lösung abzeichnete, durch Offenheit und Gesprächsbereitschaft einen Weg für eine gemeinsame Lösung zu finden.

Alle, die ihn gekannt haben, seine früheren KollegInnen, MitarbeiterInnen und SchülerInnen, werden Professor Werner Kresser als hoch angesehenen Lehrer und Forscher, als Mentor und uneigennützigen Förderer und als einen dem Leben positiv zugewandten Menschen in Erinnerung behalten.