Technische Universität Wien
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2010-04-01 [

Nicole Schipani

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Der Bauchnabel und seine Fussel

Georg Steinhauser vom Atominstitut beschäftigt sich hauptberuflich mit Strahlenphysik, in seiner Freizeit stellt er sich der Herausforderung, das Phänomen der Bauchnabelfussel zu erforschen.

Manchmal gibt es Fragen, mit denen man sich immer wieder beschäftigt: Warum sammeln sich in Bauchnabel Fussel? Woraus bestehen diese wirklich?

Der TU-Strahlenphysiker Georg Steinhauser ergründete in einem dreijährigen „Forschungsprojekt“ die letzten zwischen den Bauchfalten verborgenen Geheimnisse. Des Rätsels Lösung sind die in konzentrischen Kreisen um den Nabel wachsenden Bauchhaare. Das ist auch der offensichtlichste Grund weshalb deutlich mehr Männer Nabelfussler sind als Frauen. Die schuppige Struktur der Haare entreißt dem Unterhemd zunächst die textilen Fasern. Die Schuppen der Haare wirken wie Widerhaken und leiten die Fasern in Richtung Zentrum, wo sie sich zu filzähnlichen Knäuel verdichten. Im Durchschnitt kommen so zwischen 1,20 und 1,29 mg pro Fusselportion zusammen. Die größte Bauchnabelfusselportion betrug während dieser dreijährigen Studie knapp 9 mg. Der Bauchnabel hat es übrigens besonders auf neue Wäsche abgesehen, denn ältere Wäsche produziert weniger Fussel. Hochgerechnet kann ein Unterhemd bereits nach etwa 1000 Jahren Tragezeit komplett vom Nabel vernichtet werden.

Fusseln – eine saubere Sache

Mit einer ausreichenden Portion Selbstironie lässt sich in der Fusselbildung auch eine biologische Funktion erahnen. Steinhausers chemische Analyse bestätigte, dass die Fusseln im Wesentlichen aus Baumwolle bestehen. Dennoch lagern an den Fasern auch Fremdkörper und –stoffe, wie Hautpartikel, Fette und Proteine an. Fusseln befreien den Nabel somit von allerlei Schmutz, der sich sonst im Nabel akkumulieren würde. Wer auf die selbstreinigende Wirkung der Fusseln verzichten möchte, kann den Sammeltrieb des Nabels mit einer Rasur der Bauchhaare schlagartig stoppen. Einen ähnlichen Effekt, verrät das Internet, sollen auch Piercings aufweisen. Hierzu hat Steinhauser jedoch keine persönliche Erfahrungen vorzuweisen: „Irgendwann muss auch bei einem Selbstversuch Schluss sein“.

Georg Steinhauser publizierte zu diesem Thema einen Artikel im Magazin Medical Hypotheses, der vor kurzem vom renommierten Magazin Science als „instant classic“ bezeichnet wurde.

Diese Studie zeigt, WissenschafterInnen nicht immer todernst sind – auch wenn sie hauptberuflich seriöse High-End-Forschung betreiben.