Technische Universität Wien
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2015-11-09 [

Florian Aigner

 | Büro für Öffentlichkeitsarbeit ]

Karten, die den Blick schärfen

Kartographie kann dazu beitragen, gesellschaftliche Merkwürdigkeiten sichtbar zu machen. Der "GenderATlas" erzählt interessante Geschichten über Geschlechterungleichheiten.

Wie sieht es in unterschiedlichen Regionen Österreichs mit Gender-Gleichheit aus? (Hier: Daten zur Einkommensschere)

Das genderATlas-Team: Martin Wenk, Monika Riegler, Mateusz Galka, Cornelia Krajasits, Georg Gartner, Manuela Schmidt, Iris Wach, Florian Ledermann, Elisabeth Aufhauser

Welche österreichischen Gemeinden haben eine Bürgermeisterin? In welchen Bezirken sind die Einkommen besonders hoch, und wie sieht es dort mit dem Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen aus? Viele Daten mit großer Bedeutung  für Genderdiskussionen haben eine räumliche Dimension und beziehen sich auf bestimmte Orte oder Gegenden. Im Projekt „GenderATlas“, einer Kooperation der TU Wien mit der Universität Wien und der ÖIR Projekthaus GmbH, wurde untersucht, wie man diese Daten so aufbereiten kann, dass sie leicht verständlich sind und eine Geschichte erzählen.

Einfache Aufbereitung komplexer Daten
„Wir wollten eine Plattform schaffen, auf der geschlechterdifferenzierte Daten aufbereitet werden“, sagt Manuela Schmidt aus der Forschungsgruppe Kartographie am Department für Geodäsie und Geoinformation. Doch die Daten alleine nützen noch nicht viel – denn wer möchte sich schon gerne durch lange Zahlentabellen kämpfen? „Das Ziel war daher, ein Tool zu entwickeln, das einfach zu nutzen ist und das man gerne verwendet“, sagt Manuela Schmidt. Nach zwei Jahren Arbeit – und unter mehrfacher Einbindung potentieller Nutzerinnen und Nutzer – entstand auf genderatlas.at ein Prototyp mit einer Sammlung interaktiver Karten zu verschiedenen Themenbereichen.

Auf einfache, intuitive Weise kann man sich auf einen digitalen Streifzug durch Österreich und seine Geschlechterunterschiede machen. Die Menüführung wurde einfach und logisch gestaltet, verschiedene Datensätze wurden so kombiniert, dass sie ein klar verständliches Bild ergeben. Per Mausklick kann man sich Fachbegriffe erklären lassen. „Wir wollen mit unseren Datenaufbereitungen eine breite Öffentlichkeit erreichen, aber die einfach zugängliche Aufbereitung ist auch für Spezialistinnen und Spezialisten wichtig“, meint Florian Ledermann von der TU Wien, der für die technische Implementierung des Prototypen verantwortlich zeichnet. Auch in Politik und Verwaltung soll man von den klaren Darstellungen der Daten profitieren.

Vom Einkommen bis zur Bildung
Einige spannende Schlüsse können aus dem GenderATlas bereits gezogen werden: So zeigt sich etwa, dass das Bildungsniveau der Frauen in Österreich erstaunlich hoch ist. Gerade unter jungen Frauen findet man auch in ländlichen Regionen hohe Akademikerinnen-Anteile. Unter den Männern ist der Anteil der Akademiker meist deutlich niedriger. Erst in der Altersgruppe der 55-64jährigen kehrt sich dieses Verhältnis um – ein Beweis für den gesellschaftlichen Wandel in den letzten Jahrzehnten.

Interessant ist auch eine Reise durch Österreich mit Blick auf männlich und weiblich geführte Gemeinden. Bürgermeisterinnen sind noch immer die Ausnahme – ihre Anzahl ist in den letzten Jahren aber stark gewachsen, wie eine interaktive Zeitleiste der Bürgermeisterinnen Niederösterreichs zeigt. Besonders reiches Datenmaterial kommt aus dem Burgenland, etwa über den Anteil von Pendlerinnen und Pendlern. Interessant ist nicht zuletzt auch ein Blick auf die Straßen Wiens: Die sind nämlich viel häufiger nach Männern als nach Frauen benannt. Eine Ausnahme ist die Seestadt Aspern: Dort sind alle Straßennamen weiblich.

Hier können Sie sich selbst durch die GenderATlas-Daten klicken: http://genderatlas.at