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2016-03-02 [

Florian Aigner

 | Büro für Öffentlichkeitsarbeit ]

US-Präsident Obama ehrt den TU-Absolventen Michael Stadler

Für seine Forschung an den Energienetzen der Zukunft wird TU-Absolvent Michael Stadler mit dem "Presidential Early Career Awards for Scientists and Engineers" ausgezeichnet.

Michael Stadler

Vom Präsidenten der USA ins Weiße Haus eingeladen zu werden, ist zweifellos eine ganz besondere Ehre. Unter den 105 Forscherinnen und Forschern, die dieses Jahr von Präsident Barack Obama mit dem renommierten "Presidential Early Career Awards for Scientists and Engineers" ausgezeichnet werden, ist auch ein Österreicher: Michael Stadler. Stadler studierte und forschte an der TU Wien, bevor er nach Kalifornien übersiedelte. Heute leitet er am Berkeley National Laboratory eine vierzigköpfige Energietechnik-Forschungsgruppe.

Strom statt Öl
"Unsere Energieversorgung wird sich dramatisch ändern, daran besteht kein Zweifel", betont Michael Stadler. Fossile Brennstoffe werden allein schon aus Klimaschutzgrünen an Bedeutung verlieren, Elektrizität hingegen wird wichtiger – insbesondere Strom aus alternativen Quellen wie Photovoltaik oder Windenergie. Es gibt verschiedene Überlegungen, wie man unsere Stromnetze an die neuen Anforderungen anpassen kann, die sich daraus ergeben. Stadler und sein Team forschen hauptsächlich an der Idee der sogenannten "Microgrids".

"Ein Microgrid ist ein Stromnetz, mit einer recht überschaubaren Größe. Es umfasst vielleicht einen halben Stadtteil und umfasst sowohl Konsumenten als auch Stromlieferanten", erklärt Michael Stadler. Für die meiste Zeit ist das Microgrid mit dem Rest des Stromnetzes verbunden, es kann aber auch abgekoppelt werden und völlig autonom arbeiten. "Heute ist man vom überregionalen Stromnetz abhängig, selbst wenn man im Garten eine Photovoltaikanlage stehen hat", sagt Stadler. In Zukunft könnten regionale Kleinstromnetze auch unabhängig voneinander arbeiten. Große, überregionale Stromausfälle, wie sie etwa nach Umweltkatastrophen immer wieder zu beobachten sind, wären dann viel unwahrscheinlicher.

Allerdings ist es technisch herausfordernd, solche Microgrids zu steuern. "Wenn das Microgrid vom Rest des Netzes isoliert arbeitet, muss man auch auf lokaler Ebene die Spannung regeln, dazu müsste man etwa auch die Möglichkeit haben, bestimmte Lasten abzuschalten", meint Stadler. Wenn man das lokale Netz dann erneut mit anderen Netzen zusammenschaltet, muss man die Netze synchronisieren – in beiden Netzen muss der Wechselstrom im exakt gleichen Takt schwingen. Das überregionale Netz hätte dann nicht mehr wie heute die Hauptaufgabe, große Leistungen über weite Strecken zu transportieren, es würde eher zur Koordination und zum Ausgleich regionaler Schwankungen verwendet werden.

Von Wien nach Berkeley
Sein ehemaliges Institut, das Institut für Energiesysteme und Elektrische Antriebe, sowie seine frühere Forschungsgruppe die Energy Economics Group (EEG) schätzt der gebürtige Niederösterreicher Michael Stadler nach wie vor sehr. Aber auch in Kalifornien fühlt er sich mittlerweile sehr wohl. Seit 2005 arbeitet er am Berkeley National Lab und an der Universität Berkeley, er leitet dort heute ein Team von über 40 Personen. "Da ist man natürlich nicht mehr bloß Forscher, sondern auch Manager", sagt Stadler. An Berkeley schätzt er das offene, intellektuell anregende Arbeitsklima. "Kalifornien ist ein Einwanderungsland, daher kommen viele Leute mit vielen guten Ideen hierher, und das spürt man. Vielleicht stellen sich achtzig Prozent der Ideen als unrealistisch heraus, aber aus den restlichen zwanzig Prozent wird dann etwas Spannendes."

Die Zukunft unserer Stromnetze ist nicht nur ein technisches sondern letztlich auch ein politisches Thema. Das macht die Auszeichnung des US Präsidenten für Michael Stadler vielleicht noch bemerkenswerter. "Auch in den USA will man verstärkt auf Alternativen setzen. Man erkennt mittlerweile, dass etwa weite Teile Floridas zu versinken drohen, wenn durch den Klimawandel der Meeresspiegel steigt", meint Stadler. Die Auszeichnung des Präsidenten soll im Frühjahr verliehen werden. Nominiert werden die Preisträger alljährlich von US-Ministerien und der National Science Foundation (NSF).

Links:

Bericht auf www.whitehouse.gov
Berkeley Lab, Microgrids
Berkeley Lab, Grid Integration Group
Homepage von Michael Stadler