Technische Universität Wien
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Indienvorträge 2017: "Die hinduistische Stadt zwischen Tradition und Moderne" & "Mittelalterliche Sakralarchitektur Südindiens"

Die hinduistische Stadt zwischen Tradition und Moderne
Renate Bornberg

Hinduistische Traditionen bestimmen das Alltagsleben in Indien seit Jahrtausenden. Durch Geburt gehört man einer Kaste an, und daraus leiten sich Regeln und Vorschriften ab, welche Art von Beruf man ergreifen kann, welche Aufgaben man in der Gesellschaft übernehmen soll, es gibt Regeln wer wen heiraten darf und vieles mehr. Der Aufbau der Stadt als Gefüge des Miteinander-Lebens spielt hier eine wichtige Rolle. In der hinduistischen Stadt gibt es genaue Regeln, wer welche Orte besiedeln darf, wie hoch man bauen darf, welche Materialien zum Einsatz kommen dürfen, und welche Bereiche der Stadt wer und zu welchen Zeiten betreten darf.
Auch wenn heute Indien eine demokratische Verfassung hat, sind althergebrachte sozial-räumliche Muster immer noch in Verwendung, vor allem in Großstädten, die nach europäischen und westlichen Strategien errichtet werden.

Mittelalterliche Sakralarchitektur Südindiens
Erich Lehner

Der Vortrag behandelt die Thematik südindischer Sakralanlagen aus der Sicht des Architekten und Architekturhistorikers. Die mittelalterliche Sakralarchitektur Südindiens wird hier somit nicht nur auf ihre künstlerischen Qualitäten hin untersucht, sondern auch in der Umsetzung architektonischer Prinzipien analysiert - im Besonderen jener, welche auch in verschiedenen anderen Baukulturen auftreten. Im Zentrum der Betrachtungen stehen dabei die Aspekte Funktion, Konstruktion, Form und Symbolik, welche in ihrem Zusammenwirken im Wesentlichen den Begriff der architektonischen Qualität bestimmen.
Weitere Themenschwerpunkte des Vortrags bilden die Wertigkeiten mathematisch-geometrischer Bezüge, welche den Planungen von Sakralanlagen zugrunde liegen, weiters die Konzeption von Baukörpern nach den architektonischen Prinzipien von Vertikalität und Horizontalität als Ausdruck hierarchischer Ordnungen im Gesamtkomplex, die Wirkungen von Perspektive und optischer Täuschung, wie auch Konzepte von Eingangssequenzen und des Umschreitens in ihrer architektonischen Umsetzung im Sakralbau Südindiens. Überlegungen zur Orientierung im Sakralbau, nicht nur auf die bekannte Ausrichtung nach Himmelsrichtungen bezogen, sondern im Besonderen auch auf die Ausrichtung von Baukörpern innerhalb der Kultanlagen, bilden den Abschluss des Vortrags. Damit wird der Kreis der Betrachtungen geschlossen, der die Sakralarchitektur Südindiens in ihrer Synthese von Funktion, Konstruktion, Form und Symbolik zeigen soll.

Dipl.-Ing. Dr.techn. Renate Bornberg, geboren in Wien, studierte Architektur an der TU Wien, von wo sie auch ihr Diplom erhielt und anschließend promovierte. Sie arbeitete als Architektin, war später an verschiedenen Universitäten (University of Liverpool, Leibniz Universität Hannover, Universität Wien, MSA Münster, TU Darmstadt, TU Wien) als Lecturer, Lehrbeauftragte und Vertretungsprofessorin tätig. Ihr Forschungsschwerpunkt ist vergleichende Stadtforschung, wobei dies sowohl die Analyse von Hochkulturen als auch indigenen Kulturen einschließt, wobei ein wichtiges Thema die Erforschung der sozio-räumlichen Strukturen in den verschiedenen Kulturräumen ist. Renate Bornberg ist Herausgeberin eines Fachjournals, sowie Autorin von vielen wissenschaftliche Artikeln, Buchbeiträgen und Büchern.

Ao. Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Erich Lehner, 1985 mit einer Thematik der europäischen Architekturgeschichte promoviert und 1996 im Fach Außereuropäische Baukunst habilitiert, arbeitet am Institut für Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege an der Technischen Universität Wien. Während zahlreicher Studienaufenthalte in Asien, Amerika, Ozeanien und Afrika beschäftigt sich der Autor mit verschiedenen Aspekten der Architekturgeschichte außereuropäischer Kulturen, wobei die Schwerpunkte seiner Forschungen die Konzepte von Sakralbauten unterschiedlicher Religionen, sowie die Entwicklung elementarer Formen des Bauens im Rahmen spezifischer technologischer und soziokultureller Bedingungen bilden. Erich Lehner ist Autor von zahlreichen Buchpublikationen und Buchbeiträgen. 

Art: Vortrag
Von: 30.11.2017 18:00
Bis: 30.11.2017 21:00
Ort:

Hörsaal 7, Schütte-Lihotzky Hörsaal

Veranstalter:

Fachbereich Baugeschichte / Bauforschung der Technischen Universität Wien und das IVA - Institut für Vergleichende Architekturforschung
Irmengard Mayer
office@iva-icra.org

Dateien:
Links:

http://baugeschichte.tuwien.ac.at/website/indienvortraege-2017/

Öffentlich: ja
Kostenpflichtig: nein
Anmeldung: nein
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