Technische Universität Wien
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Nachruf Emer. Univ. Prof. Max Röhr

Der ehemalige Ordinarius für Biochemische Technologie und Mikrobiologie ist bereits am 28. August 2017 verstorben.

Max Röhr (1931-2017)

Max Röhr, 1931 in Tirol geboren, habilitierte sich an der damaligen noch Technischen Hochschule Wien am Institut für Biochemische Technologie bei einem der Gründerväter der Mikrobiologie an deutschsprachigen Universitäten – Professor Alexander Janke – mit einer Arbeit über die von ihm entdeckte Hippurat Hydrolase in "Technischer Biochemie". In den Folgejahren widmete er sich, in Zusammenarbeit mit dem Janke nachfolgenden Ordinarius des Instituts Prof. Richard Brunner, der Biosynthese von Penicillin. Dabei gelang es ihm, einen wichtigen Schritt zu identifizieren und biochemisch zu charakterisieren.

1973 wurde Max Röhr zum Ordinarius für Biochemische Technologie und Mikrobiologie berufen. Dies erfolgte zeitgleich mit der erstmaligen Etablierung eines biowissenschaftlichen Studienzweigs an der Fakultät für Technische Chemie an der TU Wien. Max Röhrs Weitblick ist es zu verdanken, dass er das damals noch relativ neue Fach "Biochemie" (früher ein Teilbereich der organischen Chemie) in den Studienplan aufnahm und förderte. Das Fach ist heute aus der modernen Biotechnologie nicht mehr wegzudenken.

Seine ausgezeichneten Vorlesungen und seine stetige Verfügbarkeit für Studierende brachten ihm rasch eine wachsende Zahl an Diplomand_innen und Dissertant_innen ein. Mit diesen führte er in Zusammenarbeit mit der damaligen Firma Kundl (heute Sandoz GmbH) seine Arbeiten zur Penicillin-Biosynthese durch und etablierte darüber hinaus neue Forschungsgebiete wie die Biochemie der Backhefeerzeugung sowie verschiedene enzymologische Themen.

1974 begann Max Röhr dann mit seinen bahnbrechenden Arbeiten zur Herstellung von Zitronensäure, welche er zusammen mit seinem damaligen Mitarbeiter und späterem Nachfolger, Christian P. Kubicek durchführte. Diese brachten ihm eine weltweit führende Position auf diesem Gebiet ein. Von Ende der siebziger bis Ende der achtziger Jahre habilitierten sich mehrere seiner Mitarbeiter auf Teilgebieten des Lehrstuhls, von denen einige dann später auch Professuren in Wien erlangten. Zu den wichtigen Reformen die Max Röhr einbrachte, zählt auch die im Jahre 1987 in Kraft getretene Gründung von fünf Abteilungen am Institut. Dadurch wurde die weitere Intensivierung der Forschung auf den Gebieten Biochemie, Biotechnologie und Mikrobiologie ermöglicht.

In den letzten Jahren seiner beruflichen Karriere fungierte Max Röhr als Herausgeber mehrerer Bücher und Monographien, verfasste eine Dokumentation der Geschichte des Instituts für Biochemische Technologie, und erfüllte sich den Herzenswunsch nochmal selbst im Labor zu arbeiten, wofür er sich ein kleines mikrobiologisches Labor einrichtete.

Seine Mitarbeiter_innen werden sich an Max Röhr als einen Vorgesetzten erinnern, der immer neue Ideen kreierte und sich stets Zeit für Gespräche mit ihnen – auch für nicht wissenschaftlichen Themen – nahm. In den fast 30 Jahren seines Wirkens hatte er ein kleines Institut zu einem der größten der Fakultät für Technische Chemie aufgebaut, bevor es im Jahre 2000 im Zuge der Zusammenlegung der Institute im nunmehrigen Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Technische Biowissenschaften aufging. Dort lebt es heute in den Forschungsbereichen für "Biochemical Technology", sowie "Biochemical Engineering" erfolgreich weiter.

Max Röhr hat sich mit diesen Leistungen unschätzbare Verdienste um den Aufbau der technischen Biowissenschaften an dieser Universität erworben, und damit einen bedeutenden Platz in der Geschichte der TU Wien verdient.

 

Foto: © em.Univ.Prof. Werner Hampel