Technische Universität Wien
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2017-10-23 [

Florian Aigner

 | Büro für Öffentlichkeitsarbeit ]

Auf den Spuren alter japanischer Baukunst

Historisch bedeutende Modelle alter japanischer Gebäude werden an der TU Wien mit großem Aufwand photogrammetrisch untersucht. Ab 25.10. wird eines davon im Weltmuseum zu sehen sein.

Modell einer Daimyo-Residenz im Weltmuseum [1]

Modell des Taitokuin Mausoleums, 1909-10 [2]

Japanisches Außenministerium (ehemalige Residenz der Kuroda Daimyos) [3]

Noch immer bergen sie eine Reihe von Geheimnissen, die bemerkenswerten Modelle alter japanischer Gebäude, von denen eines nun im Wiener Weltmuseum ausgestellt wird. Nach der Weltausstellung im Jahr 1873 blieben einige äußerst detaillierte sowie konstruktions- und materialgetreu gestaltete Modelle in Wien, fanden jedoch lange Zeit wenig Beachtung. Inzwischen wurde eines davon mit Unterstützung der TU Wien restauriert und wissenschaftlich eingehend untersucht, unter anderem von Prof. William Coaldrake, einem Experten für japanische Architekturgeschichte von der University of Tokyo, sowie mehreren Forschungsgruppen der TU Wien. Ein anderes verblieb nach einer Japanisch-Britischen Ausstellung im Jahr 1910 in London, im Besitz des britischen Königshauses, und ist derzeit in Tokyo zu besichtigen.

Am 25. Oktober wird das Weltmuseum Wien neu eröffnet. Ein großformatiges Modell einer Daimyo-Residenz wird dann das Herzstück eines neugestalteten Japan-Raums sein, der den Wandel Japans vom feudalen zum modernen Staat darstellt. Interessante Erkenntnisse erwartet man sich an der TU Wien von weiteren Analysen, die unter anderem mit neuentwickelten photogrammetrischen Methoden durchgeführt werden sollen.

Kriegsherr und Shogun
„Bei den Untersuchungsobjekten handelt es sich um zwei verschiedene Gebäudekomplexe, die Residenz eines Kriegsherrn (Daimyo) und das Mausoleum eines Shoguns“, erklärt Iris Mach, die an der TU Wien das Japan Austria Science Exchange Center (JASEC) leitet. Diese Modelle stellen Gebäude aus der Edo-Periode (1603-1868) dar, die mittlerweile nicht mehr existieren. Nachdem sich Japan über 200 Jahre lang vom Rest der Welt konsequent abgekapselt hatte (man bezeichnet diese Epoche als „Sakoku“), präsentierte man sich bei den Weltausstellungen des 19. und 20. Jahrhunderts ganz bewusst mit aufwändigen Modellen, die danach meist nicht mehr nach Japan zurücktransportiert wurden.

Nicht nur aus architekturhistorischer Sicht sind diese Modelle höchst interessant, sondern auch aus der Perspektive des Modellbaus. In einem Forschungsprojekt sollen sie nun photogrammetrisch analysiert werden. Damit sind aber große Herausforderungen verbunden: Winzige Details müssen hochauflösend erfasst werden, die Innenbereiche des Modells sind teilweise dunkel und schwer zu erreichen, reflektierende Oberflächen und eine Vielfalt unterschiedlicher Materialien bringen Probleme mit sich. Ein kleines selbstgetriebenes Fahrzeug soll daher nun entwickelt werden, um eine Kamera durch das Innere der Gebäudemodelle zu manövrieren. „Viele der Probleme, mit denen man hier zu kämpfen hat, wurden bereits in anderem Zusammenhang gelöst – etwa für Anwendungen in der Chirurgie“, sagt Iris Mach. „Aber hier ist man mit all diesen Schwierigkeiten gleichzeitig konfrontiert, das macht die Sache kompliziert."

An der TU Wien sind neben dem JASEC auch das Institut für Architektur und Entwerfen (Klaus Zwerger), das Institut für Kunst und Gestaltung (Florian Rist), das Institut für Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege (Irmengard Mayer) sowie das Department für Geodäsie und Geoinformation (Norbert Pfeifer) am Forschungsprojekt beteiligt. Prof. William Coaldrake von der University of Tokyo wird das Team dabei unterstützen, die Erkenntnisse architekturhistorisch einordnen – ihm gelang in vorangegangenen Untersuchungen bereits der Nachweis, dass es sich bei dem Modell im Weltmuseum zwar nicht um ein exaktes Abbild eines realen Gebäude handelt, dass es aber in mehreren Teilen sehr wohl konkrete Referenzen zu einer historischen Residenz in Tokyo (damals Edo) beinhaltet.  

Bild-Credits:
[1] KHM-Museumsverband
[2] Royal Collection Trust / © Her Majesty Queen Elizabeth II, 2017
[3] Jissha tento goji nenshi, 1917

Nähere Information:
Dr. Iris Mach
Senior Scientist
JASEC - Japan Austria
Science Exchange Center
Technische Universität Wien
Karlsplatz 13, 1040 Wien
T: +43-1-58801-406107
iris.mach@tuwien.ac.at