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Auf dieser Seite finden Sie jedes Quartal neue Antworten auf Fragen, welche im Zusammenhang mit Frauenförderung und Gender Studies oft gestellt werden. Die dargestellten Fragen und Antworten sind alle aus der unten angeführten Publikation "Gleichstellungspolitik kontrovers. Eine Argumentationshilfe" entnommen.

„Feminismus verletzt die Freiheit geschlechtlicher Selbstbestimmung: Gleichstellungspolitik ist staatliche Umerziehung!“

Widerlegung:

  • Feminismus ist meilenweit davon entfernt, „Staatsdoktrin“ zu sein.
  • Die „natürliche“ Geschlechtsentwicklung ist weder natürlich noch frei von gesellschaftlichen Einflüssen.
  • Die Entwicklung „natürlicher“ männlicher und weiblicher Geschlechtsidentitäten führt zu Hierarchien und Ausschlüssen.

Nähere Erläuterungen zu diesen Punkten finden Sie hier auf Seite 14.

 

 


„Geschlechtergerechte Sprache macht viel Arbeit, ist unästhetisch und bringt nichts – Frauen sind doch sowieso immer mitgemeint!“

Widerlegung:

  • Frauen sind nicht immer „mitgemeint“, wenn von „Politikern“ (oder "Technikern", Anmk. Koo-Stelle) die Rede ist.
  • Sprachpolitik ist keine Kleinigkeit: Sie bestimmt unser Denken über Geschlecht und unser Handeln.
  • Ziel ist nicht allein die Sichtbarkeit von Frauen: Geschlechtergerechte Sprache ermöglicht ein Denken jenseits einer Gesellschaft, in der es nur zwei Geschlechter gibt.


Nähere Erläuterungen dazu finden Sie einerseits in dieser Broschüre auf Seite 10 als auch hier.

 


„Gleichstellungspolitik ist Gleichmacherei"

Widerlegung:

  • Das ist schlicht falsch. Gleichstellungspolitik will Menschen aller Geschlechter ein diskriminierungsfreies Leben nach eigenen Vorstellungen ermöglichen.
  • Gleichmacherei ist es vielmehr, wenn Frauen und Männer in zwei Gruppen mit angeblich bestimmten Eigenschaften vereinheitlicht werden, und auf dieser Grundlage Politik gestaltet wird. Die Geschlechterforschung nennt das Geschlechternormen, die sich dann auch in beispielsweise gesetzlichen Regelungen wiederfinden lassen.
  • Gleichstellungspolitik ist also genau genommen das Gegenteil von „Gleichmacherei“: Ihr Ziel ist es, derartige Normierungen abzubauen.

Nähere Erläuterungen zu diesem Punkt finden Sie hier auf Seite 50.

 

 


„Durch Quoten werden schlecht qualifizierte Frauen gefördert und gut qualifi zierte Männer ausgeschlossen.“

Widerlegung

  • Die Quote ist nichts anderes als eine Zielvorgabe in der Personalentwicklung, die die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern sicherstellt.
  • Frauen waren noch nie so gut ausgebildet wie jetzt, das widerspricht der Unterstellung einer schlechten Qualifizierung.

Nähere Erläuterungen zu dieser Frage finden Sie hier auf Seite 42.

 

 


Frauen wollen nur Teilzeit arbeiten, was auch die geringere Bezahlung nach sich zieht. Die Frauen werden nicht dazu gezwungen, das basiert auf Freiwilligkeit.“

Widerlegung

  • Mehr als die Hälfte aller Teilzeitbeschäftigten arbeitet aus familiären Gründen im reduzierten Umfang.
  • Frauen arbeiten häufi g unfreiwillig Teilzeit wegen z. B. mangelnder Ganztagsbetreuungsoder Beschäftigungsangebote.
  • Staatliche Rahmenbedingungen, wie beispielsweise das durch Steuern abgesicherte Ernährermodell, fördern die Berufstätigkeit von Frauen als „Zuverdienst“.


Nähere Erläuterungen finden Sie hier auf Seite 41.

 


„Die feminisierte Schule benachteiligt Buben.“  

Widerlegung:

  • „Die Buben“ gibt es nicht.
  • Problematisch sind Bilder von Männlichkeit, die im Gegensatz zu den Anforderungen von Schule stehen.
  • Die Qualifikation von Pädagog_innen ist wichtiger als deren Geschlecht.
  • Ein Bildungssystem, das Verlierer_innen hervorbringt, ist dringend reformbedürftig.

 

Nähere Erläuterungen dazu finden Sie hier auf Seite 30.

 


„Wenn Frauen weniger als Männer verdienen oder weniger hoch aufsteigen, ist dies größtenteils eine Folge eigenständiger Entscheidungen der betroffenen Frauen selbst und keine Folge von Diskriminierung.“

  • Der Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen (Gender Pay Gap) liegt derzeit [in Deutschland 2010] bei 23 Prozent.
  • Zwei Drittel der Lohnunterschiede lassen sich auf strukturelle Gründe zurückführen wie z.B. die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in Branchen und die ungleichen Aufstiegschancen.
  • Durch die Individualisierung von Problemen werden strukturelle wirtschaftliche Gründe ignoriert. 
  • Erwerbsmuster sind durch gesellschaftliche Frauen- und Männerbilder geprägt.

Nähere Erläuterungen finden Sie auf Seite 37.

 



„Frauen (Männer/Jungen/Mädchen…) sind von Natur aus so!“.

Widerlegung
Frauen (Männer/Mädchen/Jungen...) sind so einiges – vor allem enorm vielfältig. Wer behauptet, über „Frauen an sich“ („die Männer“...) ganz genau Bescheid zu wissen, vereinheitlicht eine große Anzahl von Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensweisen, Vorstellungen und Bedürfnissen.
Durch solche Vereinheitlichungen werden all diejenigen abgewertet, die nicht in diese groben Klischees passen, sie gelten dann als „Ausnahme“, „anormal“, gar „unnatürlich“ oder werden einfach überhaupt nicht wahrgenommen.
Auf jeden und jede Einzelne passen diese Stereotypen irgendwo nicht. Menschenfreundlich ist es, diesen Druck aufzuheben und darüber nachzudenken, wie alle Menschen ihre Vielfalt leben können, statt die Welt in zwei Schubladen zu stecken.

Nähere Erläuterungen finden Sie hier auf Seite 48.

 


„In einer Wettbewerbsgesellschaft gewinnen die Besten – wenn Frauen nicht dabei sind, sind sie nicht gut genug.“

Widerlegung

  • Frauen waren noch nie so gut ausgebildet wie heute, gleichzeitig sind Frauen in entsprechenden Positionen, die ihrer  Qualifikation entsprechen, wenig vertreten.
  • Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen bestimmen die Möglichkeiten der Teilhabe von Frauen und Männern, nicht mangelnde Fähigkeiten.
  • Nichteinstellungen von Frauen werden mit ihrem individuellen Leistungsversagen begründet. Strukturelle Gründe werden dabei ausgeklammert. 

Diese Frage wird genauer auf Seite 43 erläutert.

 


„Frauenquoten sind ungerecht – Uninteressierte und unfähige Frauen werden gefördert und Männer benachteiligt!“

Widerlegung:

  • Hinter der Ablehnung von Quoten verbirgt sich nicht selten eine Ablehnung von Gleichstellungspolitik im Allgemeinen.
  • Quoten diskriminieren nicht, sondern gleichen bestehende Diskriminierungen aus.
  • Geringe Frauenanteile lassen sich nicht auf individuelle Wahlentscheidungen von Frauen zurückführen.

 Diese Frage wird genauer auf Seite 8 erläutert.