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Frauen in der Technik – Daniela Düsentrieb oder Florence Nightingale?

Ratzer B.:" Frauen in der Technik – Daniela Düsentrieb oder Florence Nightingale?" in Wuketits F. (Hg): Schöne Welt – Frauenwelt?, Kapfenberg 1998.

Warum fragen alle nach dem Verbleib der Frauen – es gibt sie ja!! (Schon zu Lebzeiten totgeschwiegen!)

Eine Lieblingsfrage unserer Politiker ist neuerdings die mit Kinderaugen und Unschuldsmine vorgetragene Frage nach dem Verbleib von Frauen in Naturwissenschaft und Technik. Anspruchsvolle Gemüter fragen sogar danach, wie Mädchen und Frauen verstärkt für diese Bereiche interessiert werden können. Um es kurz zu machen: DIE Antwort auf diese Frage gibt es nicht. EINE Antwort darauf ist jedoch, daß es schon immer Frauen in NW&T gegeben hat und auch heute gibt, daß wir aus ihren Biographien lernen könnten, wie Frauen in diesen Gebieten erfolgreich sein können. Schon bei der Durchsicht der Biographien springen verschiedene Dinge ins Auge.

Zunächst: Jede und jeder kennt Namen wie (Antoine) Lavoisier, (Hermann) Staudinger oder (Albert) Einstein. Nicht aber im Zusammenhang mit den Vornamen Marie Paulize, Magda oder Mileva.

Marie Paulize Lavoisier (1758 – 1836) wirkte als Mitarbeiterin ihres Mannes mit an der Einführung der experimentell fundierten , modernen Chemie, die auf systemtischen wissenschaftlichen Prinzipien beruhte. Sie definierten den Begriff des Elements neu und führten die bis heute gültige Nomenklatur chemischer Verbindungen ein. Der Name Lavoisier gehört auch heute in der Chemie zu DEN großen Namen des Faches.

Mileva Maric-Einstein (1875-1948) war Physikerin, Studienkollegin und Ehefrau von Albert Einstein. Sie arbeitete vor allem in den Jahren bis 1914 intensiv mit ihm zusammen, also auch in der Zeit, als die entscheidenden Arbeiten zur Relativitätstheorie entstanden. Albert Einstein erhielt 1921 den Nobelpreis.(Mileva sagte übrigens auf die Frage, warum sie Publikationen und Patentgesuchen nicht ihren Namen gab "wozu, wir sind doch nur Ein Stein." Ihre Arbeit wußte bis heute nur einer zu würdigen: Albert Einstein selbst, der ihr seinen Nobelpreis abtrat.)

Magda Staudinger (*1902) ist Molekularbiologin, und hat gemeinsam mit ihrem Mann die Makromolekularchemie begründet, die von der Fachwelt allerdings lange Zeit abgelehnt wurde. Hermann Staudinger erhielt 1953 den Nobelpreis. (Eine Anekdote am Rande: bei der feierlichen Überreichung des Nobelpreises verbeugte sich Hermann Staudinger – unter Mißachtung jeder Etikette – zuerst vor seiner Frau, dann vor dem schwedischen König, ein Vorfall der in der lokalen Presse ausführliche Beachtung fand.)

Stellvertretend für viele viele andere habe ich dieBiographien dieser drei Frauen kurz erwähnt, die eines gemeinsam haben: an der Seite berühmter Männer haben sie zu deren wissenschaftlichen Arbeiten beigetragen, ohne jemals erwähnt zu werden oder Anerkennung zu finden. Sehr oft – gerade wenn wir in der Geschichte weiter zurück gehen – ist nicht einmal ihr Anteil an den Arbeiten mit Sicherheit bestimmbar, oft sind – wie im Falle Mileva Einstein – sämtliche Notitzen und Unterlagen verschwunden, anhand derer der Beitrag der Frauen ermeßbar wäre.

Sie müssen nicht verheiratet sein, um von der offiziellen Geschichtsschreibung übergangen zu werden. Rosalind Franklin (1920-1958), Lise Meitner(1878-1968) und Jocelyn Bell Burnell(*1943) habe ich als Beispiele für diesen Fall gewählt, auch hier ist die Liste der Namen fast endlos, die das gleiche Schicksal teilen.

Rosalind Franklin (1920-1958) konnte 1951 für das DNA-Molekül zwei entscheidende Strukturmerkmale bestimmen: die Spiralform und die Anordnung der Moekülketten mit nach außen gewandten Zucker- und Phophatgruppen. James Watson und Francis Crick erstellten – aufbauen auf ihren Daten – ihr berühmtes Modell der Doppelhelix, für das sie 1962 den Nobelpreis erhielten. Der Name Rosalind Franklin wurde in der Nobelpreis-Rede nicht einmal erwähnt, bis heute ist der Anteil dieser Frau geleugnet bzw. nicht angemessen gewürdigt.

Lise Meitner (1878-1968), Atomphysikerin, lieferte die ersteexakte Deutung der Kernspaltung. Mitlerweile gehört sie zu den einigermaßen bekannten Wissenschatferinnen, nichts desto Trotz wurde Otto Hahn 1946 für die Entdeckung der Kernspaltung mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Jocelyn Bell Burnell(*1943) ist Astrophysikerin und entdeckte die Pulsare – kleine Neutronensterne die Radioimpulse aussenden, vermutlich Reste von Supernova-Ausbrüchen. Ihr Doktorvater Anthony Hewish erhielt 1974 den Nobelpreis für "seine entscheidende Rolle bei der Entdeckung der Pulsare."

Wir sehen, es gab und gibt sie, die Frauen, die sogar Außergewöhnliches leisten auf dem Gebiet von Naturwissenschaft und Technik. Sie sind nur sehr wenige, und sie scheinen auf seltsame Weise unsichtbar gemacht. Für einige männliche Beteiligte und Kommentatoren scheint die Anerkennung der Leistung einer Frau gleichbedeutend zu sein mit einer Abwertung der Leistung ihrer Kollegen. Ausdrücklich festhalten möchte ich, daß ich nicht glaube, daß Frauen unbedingt was besonderes leisten müssen, um anerkannt oder erwähnt zu werden.

 

Doch lassen sie uns diese Frauen zu Vorbildern nehmen und einen Schritt weiter tun: was sind denn die realen Hindernisse auf dem Weg in diese Fachgebiete? Ich lasse an dieser Stelle einige Frauen sprechen, die auf langjährige Erfahrungen in Ausbildung bzw. sogar im Beruf zurücksehen können.

Frage Nummer eins: wie kommen Frauen bis zur Wahl einer einschlägigen Ausbildung?

Prof Cornelia Harte, Jahrgang 1914, Biologin, bis 1982 als ordentliche Professorin an der Universität Köln tätig: "Die entscheidenden Faktoren bis zu diesem Zeitpunkt (Erlangung der Promotion) waren die Unterstützung durch das Elternhaus, in dem die Entscheidung für Studium und Beruf selbstverständlich war, Schulen, in denen das Interesse am Lernen, Einsatzbereitschaft und Pflichtbewußtsein keine Diskussionspunkte waren, und ein Professor, der als hervorragender Gelehrter Frauen in der Wissenschaft nicht als Bedrohung seiner Existenz betrachtete. Um an den Start zu kommen, braucht man die richtigen Eltern, die richtigen Schulen und den richtigen Chef. Nur den Rest muß man selbst besorgen."

Aha. Frage Nummer zwei: Wie siehts während der Ausbildung aus?

Eine Studentin der Elektrotechnik (*1968) der TU-Wien: " Die ersten Wochen des Studiums waren gekennzeichnet von einer großen Aufmerksamkeit der Kollegen, was Einstieg und Integration sehr erleichterte. Nachdem der Bedarf an Bekanntschaften gesättigt ist, fangen die Aufmerksamkeiten an, lästig zu werden. Vor allem, wenn frau zum 150. Mal (etwa die Hälfte der Studienanfänger)gefragt wird, warum sie denn dieses Studium gewählt hat. Zumindest kann frau in dieser Situation eine erste psychologische Studie an genügend Probanden machen, welche Antwort in welchem Stimmungszustand welche Reaktion hervorruft. Aber ich wollte weder Psychologie noch Soziologie studieren.Als erste Schutzmaßnahme gegen Auffälligkeiten unterwarf ich mich sehr schnell der gängigen Kleidervorschrift (natürlich nur eine unausgesprochene Regel): Kleider, Röcke, Stöckelschuhe, Schminke und Haarutensilien verschwanden im Außersaisonkasten. Anpassung war angesagt, die Stimme wurde um einen Hauch tiefer und leiser, langes Haar schlicht zusammengebunden. Die Situation änderte sich auch nicht wirklich, ich hatte aber immerhin erhöhte Hoffnung, daß nun auch meine "inneren" Werte entdeckt würden. Betrat ich den Hörsaal 5 Minuten zu spät, und wollte mich dann auch noch in die erste Reihe setzen, um das professorale Gekritzle entziffern zu können, wurde ich von 100 Augenpaaren verfolgt und dann vielleicht auch noch vom Professor explizit begrüßt. Dieser peinliche Fehler passierte mir nicht sehr oft. Entweder pünktlich, oder die letzte Reihe oder gar nicht. Die Begrüßung blieb mir aber oft trotzdem nicht erspart. Es ließen sich noch viele Details erzählen, der einzig resultierende Wunsch ist in der Anonymität zu versinken. Dieser wird für das ganze Studium nicht in Erfüllung gehen."

In anderen Worten: es fehlt die Selbstverständlichkeit, einfach da zu sein und dieses Fach gewählt zu haben. In diesen Männerdomänen haben sich keine Verhaltensroutinen gegenüber kompetenten Fachfrauen entwickelt, auch für Frauen selbst nicht. Die Unsicherheit ist somit auf beiden Seiten. Vielleicht hilft ein Vergleich um zu ermessen, was permanente Aufmerksamkeit bedeutet. Jede/r der/die schon einmal eine Fernreise in ein "exotisches" Land unternommen hat kennt den Streß, den die permanente Aufmerksamkeit der dortigen Bevölkerung früher oder später erzeugt. Ständig von Kindern, Händlern u.ä. umringt zu sein nervt ganz einfacht. Nun, so können wir uns auch die Situation von Frauen in den klassischen Ingenieursfächern vorstellen. Eine gehörige Portion Selbstvertrauen, Durchhaltevermögen und auch Durchsetzungsvermögen und ein besonders starkes fachliches Interesse können als ungeschriebene Voraussetzungen gelten.

Aha. Frage Nummer drei: wie ist´s dann im Beruf?

Nochmal Prof. Cornelia Harte : "Bei allen Schwierigkeiten, denen sich Frauen in gehobenen Positionen ausgesetzt sehen, handelt es sich im Grunde heute nicht mehr um eine bewußt angestrebt Diskriminierung, sondern um die Auswirkungen einer tief im kulturellen Umfeld verankerten Frauenfeindlichkeit, die den Einzelnen überhaupt nicht bewußt ist, aber ihr Verhalten bestimmt. Gerade deswegen ist sie so schwer zu erkennen und zu bekämpfen. Den Ursachen nachzuspüren wäre eineAufgabe für Kulturanthropologen. Eine einzelne Frau in einer konkreten Berufssituation ist damit überfordert. Sie kann nur versuchen, das Problem und seine Auswirkungen in ihrem speziellen Fall zu erkennen und im eigenen Leben damit fertig zu werden."

Ich kann mich dieser Aussage nur anschließen, damit ist eigentlich schon alles gesagt.

Fassen wir also zusammen: Um an den Start zu kommen, braucht man die richtigen Eltern, die richtigen Schulen und den richtigen Chef. Es fehlt nach wie vor die Selbstverständlichkeit, einfach da zu sein, das erzeugt Unsicherheit auf beiden Seiten. Aufgrund dessen braucht man während der Ausbildung eine gehörige Portion Selbstbewußtsein. Es fehlt die Vernetzung von Frauen in diesem Bereich, um die eigene Situation richtig deuten zu können. Es fehlt die Möglichkeit der Einzelnen, wirklich was zu ändern.

Ein Patentrezept gibt es nicht, seien wir also kreativ in der persönlichen Gestaltung unserer Arbeitsbeziehungen.

Resumee: NW&T sind Männerdomänen, womit wir bei der Frage angelangt sind, wie NW&T zu einem so männlichen Projekt wurden und ob sich daraus Möglichkeiten zur Veränderung der Situation ergeben.

Der Ausschluß von Frauen aus der Technik kann als Konsequenz der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und der männlichen Kontrolle über die qualifizierten Berufe, die im Kapitalismus entstanden sind, erklärt werden. Mit der Industrialisierung entsteht auch eine Geschlechtertrennung innerhalb der Arbeiterklasse, die den Grundstein männlicher Vorherrschaft in der Technik gelegt hat. Männliche Arbeiter (und ihre Gewerkschaften) haben sich gegen den Eintritt von Frauen in ihre Berufsfelder aktiv gewehrt. Frauen werden in unqualifizierte Berufe gedrängt und solche Berufe werden umgekehrt als unqualifizierte angesehen. So entstand eine maskuline Technikkultur, die kulturelle Verbindung zwischen Männlichkeit und Technologie kann historisch bestimmt werden. Indem Männer über die Kontrolle der wichtigsten Technologien verfügen, bleiben Frauen die praktischen Erfahrungen versagt, von denen Erfindungsreichtum abhängt. Eine neue Technik entsteht nicht aus einer plötzlichen Eingebung, sondern aus Elementen vorhandener Technik.

Dort wo Frauen kreativ und erfinderisch tätig waren, findet eine Umdefinition des Wortes Technik statt, einfache Geräte – und seien sie auch von immenser kultureller Bedeutung wie z.B. das Nuckelfläschchen – werden nicht als "richtige" Technik anerkannt. Die heute "typisch weiblichen" Fähigkeiten und Eigenschaften wie soziale Kompetenz, Kommunikationsfähigkeit u.ä. fallen ebenfalls aus der Technikdefinition heraus. So wird aus der einst umfassenden Bedeutung des Wortes im Sinne von "etwas Können, sich auf etwas verstehen" die stark eingeengte Bedeutung von " Apparate, Maschinen und Fabriken= Mittel zur Problemlösung." Nun sind Erziehungstechnik, Redetechnik, Gebetstechnik eben keine Techniken mehr, Technik ist vielmehr das, was in einer fast reinen Männerwelt an Sachlösungen produziert wird (insbesondere ungeachtet dessen, ob nicht soziale Lösungen einfacher und zielführender wären)

Männlichkeit und Weiblichkeit sind kulturelle Muster, die als Habitus beschrieben werden können. Habitus ist eine soziale Konstruktion von Realität, die während des ganzen Lebens erlernt wird. Männlichkeit und Technik können als symbolisch verflochten aufgefaßt werden. Technische Kompetenz macht einen integralen Bestandteil männlicher Geschlechtsidentität aus. Technikfelder können als Kultur verstanden werden, in der die Beziehungen von Männern untereinander ausgedrückt und verfestigt weren. Warum sollen Frauen technischeKompetenz erstrebenswert finden, solange sie Ausdruck männlicher Geschlechtsidentität ist?

Ein Grund, warum liberale feministische Programme zur Förderung von Frauen in der Technik wirkunglos geblieben sind ist, daß sich Frauen aktiv dagegen wehren, in technische Gebiete einzutreten und zwar deshalb, weil dies Implikationen für ihre weibliche Geschlechtsidentität hat. "In der Ablehnung von NW&T erzeugen Frauen ihre Feminität" (Sherry Turkle) Der Widerwille hängt mit der Definition von Technik als Männersache zusammen. Frauen, die in diese Welt eintreten, müssen sich in ihrer Weiblichkeit als bedroht ansehen.

 

In der Realpolitik hat man heute Gleichbehandlungskommissionen in vielen Bereichen geschaffen, es gibt Frauenreferate an den Hochschulen und auch öffentliche Diskussionen, die die Problematik immer wieder ins Bewußtsein rufen.

 

Die Frage schlechthin, nämlich die nach der Form weiblicher Technik, ist damit jedoch noch nicht beantwortet. Wir wissen nun, es gibt sie schon, die Frauen in NW&T, und wir kennen ein wenig ihre Schwierigkeiten bei Ausbildung und Beruf. Eine andere offene Frage wird dadurch jedoch noch nicht geklärt. Die Frage, ob Naturwissenschaft und Technik ein patriarchales, männliches Projekt ist, oder, anders ausgedrückt, ob Frauen andere Technik machen würden.

 Zuletzt möchte ich noch auf ein Argument eingehen, das gerade von Frauen immer wieder zu hören ist. Wenn NW&T schon ein solches patriarchales Projekt sind, warum dann die Mühe machen, und mitmischen. Warum nicht lieber draußen bleiben, anstatt sich den drohenden Anfeindungen und Diskriminierungen auszusetzen. Diese Frage ist – zumindest für mich- leicht und einwandfrei zu beantworten. Es geht nicht bloß um Gerätekram und Prestigeberufe, es geht um mehr. Es geht um Mitbestimmung bei der Gestaltung unserer Umwelt und – nicht gar so offensichtlich – es geht ganz einfach um Macht.

Technologien sind analog zur Gesetzgebung zu sehen, die ein Muster für soziale Ordnung festlegt, das Generationen überdauert. Daher sollte die gleiche Aufmerksamkeit, die der Gesetzgebung gewidmet wird, auch solchen Dingen wie Autobahnbau, Kommunikationsnetzwerken und der Einführung nicht signifikant neu aussehender Möglichkeiten durch neue Maschinen gewidmet werden. Die anstehenden Probleme, die Menschen in der Gesellschaft trennen oder vereinen sind nicht nur in Institutionen oder politischer Praxis festgeschrieben, sondern auch, und weniger offensichtlich, in greifbaren Anordnungen aus Stahl und Beton, Drähten und Transistoren, Schrauben und Muttern. Ob absichtlich oder nicht, Gesellschaften suchen für sich Technologien Strukturen aus, die Einfluß darauf haben, wie Leute zur Arbeit gehen, kommunizieren, reisen, konsumieren usw. Bsp: öffentliche Bauten versus Behinderte, öffentl. Verkehr versus Privat-PKW.

Technologien verändern soziales Verhalten und soziale Verhältnisse.

Soziales Verhalten: Bsp: chemische Verhütungsmittel verändern das sexuelle Verhalten von Menschen, Kommunikationstechnologien verändern laufend unsere Kontakte mit unserer Umwelt, Fernsehen führte zu einem Umbruch im Freizeit und Kommunikationsverhalten innerhalb und außerhalb der Familien....

Soziale Verhältnisse: Abhängigkeiten von Liefer- und Reparaturfirmen oder ExpertInnen, Anhand von z.B. Überwachungstechnologien (Lauschen und Rasterfahnden) wird besonders deutlich, was unter sozialen Verhältnissen zu verstehen ist.

Große Technologien für freibleibende Zwecke lassen ihre Verwendung offen. Ein Transfer von z.B. militärischen Entwicklungen in die zivile Welt oder von Technologien in Entwicklungsländer kann jederzeit stattfinden. Es kann aber z.B. auch der PC zur Verarbeitung wissenschaftlicher Daten ebenso genutzt werden wie zur Überwachung der Bürger, Rasterfahndung etc. Technik wird als Mittel zur Naturbeherrschung verkauft. Ist es aber nicht. Technik ist ein Mittel zur Bearbeitung des Sozialen. Sie schafft geballte Kräfte, manipulierbare Verfahrensweisen, die für viele Zwecke verwendbar sind. Sie schafft gleichsam ein Können überhaupt, so daß sich die ganz andere Frage stellt: was kann ich damit alles machen, bzw. was kann ich nun alles wollen? Potenzen bereitstellen für freibleibende Zwecke wird immer mehr zur zentralen Intention der Technik. Wurde früher ein Problem aufgegriffen und dazu eine technische Lösung (Maschine, Werkzeug etc. ) gesucht, so entwickelt sich Technik heute anders. Unter ungeheurem Geld- und Mitteleinsatz werden riesige Technologien für viele Zwecke geschaffen. Woher eine Technologie kommt, oder was die ursprüngliche Intention war, ist zweitrangig. (militärische Forschung -> zivile Nutzung Bsp. WWW). Nun ist die Technik zuerst da, dann die Frage: was kann ich damit wollen? (PC, Lauschangriff, Rasterfahndung)

Technologien sind sozial konstruiert, sie neigen dazu, Macht zu zementieren und zu verstärken.. "Macht ist die Chance, den eigenen Willen auch gegen Widerstand durchzusetzen." So wie früher ein großes Gefolge/Heer…..Macht verlieh, so verleihen heute technische Möglichkeiten Macht (der Staat – Überwachung, Schließung der Grenzen, - bedient sich ihrer genauso wie große Interessensgruppen, z.B. Patentierung von Genen!) Siehe auch: Nicht die Technik ist böse, sondern nur ihre Nutzung (Bsp. Brotmesser) Beispiele:

Atomtechnologie: erfordert zentralistische Verwaltung und Hierarchische Ordnung

Gentechnik: verspricht riesige Gewinne durch die Patentmöglichkeiten und ist ausschließlich Marktmechanismen und dem freien Wettbewerb unterworfen. Keine anderen Interventionsmöglichkeiten.

Ausschluß von Behinderten aus dem öffentlichen Leben allein durch bauliche Maßnahmen

Technik schränkt nicht zuletzt auch wieder die Freiheit ein, die wir angeblich durch sie gewinnen. Um ein möglichst störungsfreies Funktionieren der Apparate zu gewährleisten, werden sie so konstruiert, daß Interaktionen mit ihrer Umwelt standardisiert sind. Standardisierung bedeutet aber die Einschränkung der Handlungs- bzw. Gestaltungsfreiheit des Einzelnen. "Unser Handeln mit Geräten ist durch explizite Regeln bestimmt und läßt dem Einzelnen im Prinzip keinen individuellen Spielraum mehr offen". Frage: Wie können wir uns Freiräume für Kreativität und Intuition weiter erhalten?

Ich hoffe und wünsche mir, daß eine Generation von Mädchen und Frauen heranwächst, die den Mut, das Selbstbewußtsein und die Kraft haben, in die Männerdomäne Naturwissenschaft und Technik hineinzugehen, diese mitzugestalten und auch zu verändern. Unsere Welt hat dies notwendiger denn je.