Technische Universität Wien
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2017-08-04 [

Paulus Ebner

 | Universitätsarchiv ]

Alfred Lechner: 1926-2017

Die TU Wien trauert um Architekt Dipl.-Ing. Dr. techn. Alfred Lechner, der am 27. Juni 2017 im 92. Lebensjahr verstorben ist.

Alfred Lechner: 1926-2017

Sein gesamtes Leben war er eng mit der Technischen Universität Wien verbunden. Als Sohn des Maschinenbauprofessors an der TH in Wien, Alfred Lechner (1884-1944), bewegte er sich von klein auf in Technikerkreisen, so zum Beispiel bei Urlauben auf dem Landgut von "Onkel Viki". Hinter diesem Kosenamen verbarg sich niemand geringerer als Viktor Kaplan, mit dem Professor Lechner nicht nur zusammenarbeitete, sondern auch befreundet war. Immer wieder besuchte der Schüler Alfred Lechner den Arbeitsplatz seines Vaters an der Technischen Hochschule.

Auch in Studium und Berufsleben blieb Alfred Lechner unserer Universität verbunden. 1944 inskribierte er an der TH in Wien, und zwar zunächst Elektrotechnik – aber es wurde für ihn ein schreckliches Jahr: Einige Tage nach der Inskription wurde er zur Deutschen Wehrmacht eingezogen, wenige Tage später starb sein Vater und im November geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er Ende 1945 entlassen wurde. Nach seiner Rückkehr nach Wien inskribierte er wieder an der TH, jetzt aber Architektur. 1953 legte er die II. Staatsprüfung mit sehr gutem Erfolg ab, 1967 folgte seine Dissertation "Sphärische Bauten – Räume und Gebäude", die 1971 auch im Druck erschien. Bereits neben dem Studium war Alfred Lechner in den Ateliers zweier prominenter (ehemaliger) Professoren der TH tätig, nämlich bei Siegfried Theiss (1948/49) und bei Karl Holey (1951-1954). Ab 1958 arbeitete er als selbständiger Architekt.

Er blieb aber nach wie vor aktiver Mitarbeiter der TH/TU Wien: 1954 wurde Alfred Lechner Assistent am Institut für Innenraumgestaltung bei Hans Pfann, ab 1976 wirkte er als Beamter des wissenschaftlichen Dienstes am II. Institut für Hochbau für Architekten bei Ernst Hiesmayr. Am Dekanat der Fakultät für Bauingenieurwesen und Architektur betreute er die Agenden der II. Staatsprüfungs- bzw. der 2. Diplomprüfungskommission, später wurde er zum Mitglied der beiden Kommissionen berufen. Daneben hielt er über Jahrzehnte selbständig Lehrveranstaltungen zu Themen wie "Humanökologie" und "Neuzeitliche Werkstoffkunde" ab.

Sein bleibendes Vermächtnis ist die Gründung des Universitätsarchivs der TU Wien. Alfred Lechner, war, nicht zuletzt durch den Einfluss seines Vaters, zeit seines Lebens höchst interessiert an der Universitätsgeschichte. Ab 1975 – das UOG 1975 ermöglichte die Errichtung von "besonderen Dienststellen" – bemühte er sich intensiv um die Schaffung einer Einrichtung, die die Überlieferung der TU Wien und ihrer Vorgängerinstitutionen bewahren, erschließen und zugänglich machen sollte. 1979 wurde das Universitätsarchiv schließlich geschaffen. Mit tatkräftiger Unterstützung von Rektor Wilfried Nöbauer erhielt Alfred Lechner den Auftrag zum inhaltlichen und räumlichen Aufbau eines Universitätsarchivs. Es gelang ihm, die Bestände der zentralen Verwaltung, später auch die der Fakultäten zu lokalisieren und zu sichern. Die Übergabe der ehemaligen Räumlichkeiten der Bibliothek im alten Hauptgebäude am Karlsplatz 13 bedeutete 1988 einen Meilenstein, und zwar sowohl was die Unterbringung als auch was die Zugänglichkeit der Archivalien betraf.

Mit 1. Jänner 1992 ging Alfred Lechner als Leiter des Archivs der TU Wien in den Ruhestand, den er jedoch nicht als solchen sah, kam er doch nach wie vor fast täglich an seinen Arbeitsplatz im Archiv. Hier widmete er sich vor allem der Betreuung von Architektennachlässen, die er in den Jahrzehnten davor erworben und sehr oft damit retten konnte. Am 24. November 1995 verlieh die TU Wien Dr. Alfred Lechner für seine Verdienste den akademischen Titel eines Ehrensenators. Erst in den letzten Jahren wurden seine Besuche in seiner zweiten Heimat, dem Universitätsarchiv, gesundheitsbedingt immer seltener.

Das Universitätsarchiv und die gesamte TU verliert mit Alfred Lechner einen tatkräftigen Organisator mit enzyklopädischem Wissen über die Geschichte unserer Universität und einen mit feinem, manchmal auch durchaus sarkastischem Humor ausgezeichneten Sammler und Archivar. Wir trauern mit seiner Witwe und seiner Tochter, das Begräbnis findet am 8. August 2017 um 11 Uhr am Hietzinger Friedhof statt.