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2017-08-30 [

Heinz-Bodo Schmiedmayer

 | Institut für Mechanik und Mechatronik ]

Udo Gamer – ein Nachruf

Die TU Wien und das Institut für Mechanik und Mechatronik trauern um Univ.Prof.i.R. Dipl.-Ing. Dr.techn. Udo Gamer.

Univ.Prof.i.R. Dipl.-Ing. Dr.techn. Udo Gamer

Udo Gamer wurde 1937 in Gaiberg bei Heidelberg geboren. Nach dem Abitur am Kurfürst Friedrich-Gymnasium in Heidelberg begann er mit dem Maschinenbaustudium an der Universität Karlsruhe, das er 1962 mit der Sponsion zum Diplomingenieur abschloss. Anschließend arbeitete er als Versuchsingenieur bei der Robert Bosch GmbH in Stuttgart. Es folgte eine kurze Tätigkeit am Institut für Fördertechnik der Universität Karlsruhe von wo er an die TU Wien wechselte. Sein Doktorat zum Thema „Beitrag zur Berechnung des radialsymmetrischen Wärmespannungszustandes in der ideal-plastischen Scheibe“ schloss er 1966 am II. Institut für Mechanik bei Heinz Parkus ab. Während dieser Zeit erhielt er auch eine Anstellung als Universitätsassistent am I. Institut für Mechanik bei Kurt Desoyer. Im Studienjahr 1972/73 war er als Max-Kade Research Fellow an der Stanford University in Kalifornien und erhielt im Jahr 1974 die Lehrbefugnis als Universitätsdozent für das Fach Mechanik an der TU Wien. Seine Ernennung zum außerordentlichen Professor erfolgte 1978, seine Übernahme als Universitätsprofessor an der TU Wien im Jahr 1999. In diese Zeit fallen auch weitere Auslandsaufenthalte an der Cornell University, Ithaca, New York sowie eine zweimalige Gastprofessur an der Middle East Technical University (METU) in Ankara. Von 1992 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2003 war Udo Gamer außerdem Vorstand des Institutes für Mechanik.

Sein wissenschaftliches Betätigungsfeld umfasste einen weiten Bereich der technischen Mechanik. Ausführlich beschäftigte er sich mit kontinuumsmechanischen Problemen wie der Wellenausbreitung in elastischen Festkörpern, analytischen Lösungen für elastisch-plastische Festigkeitsprobleme sowie akusto-elastische Effekte in Festkörpern. Darüber hinaus lieferte er auch Beiträge zur Fahrzeugdynamik. Seine Publikationsliste umfasst mehr als 130 wissenschaftliche Beiträge in referierten Fachzeitschriften.

Neben vertiefenden Lehrveranstaltungen zur Elastizität- und Plastizitätstheorie sowie Tensorrechnung hielt Udo Gamer über viele Jahre hindurch die Grundlagenlehrveranstaltungen aus Mechanik für die Studienrichtungen Technische Physik und später auch für Elektrotechnik ab. Gemeinsam mit Kollegen Werner Mack verfasste er das bei Springer erschienene Lehrbuch "Mechanik - Ein einführendes Lehrbuch für Studierende der Technischen Wissenschaften". So wie in seinen wissenschaftlichen Arbeiten ist auch in diesem Buch seine Überzeugung zu erkennen, dass die Klarheit eines Gedankens untrennbar mit der Klarheit und Prägnanz der Sprache und Formulierung verbunden ist. In so gut wie jeder Rezension zu diesem Buch wird auf diese Besonderheit hingewiesen, am humorvollsten in einer Besprechung unter dem Titel "Marlene Dietrichs kühle Erotik", die ihm seinerzeit ein herzhaftes Lachen entlockt hat.

Sprachen zählten neben seiner Liebe zur klassischen Musik – hier vor allem zur Oper – und dem Sport zu seinen großen Leidenschaften. So hat er sich bis zuletzt der Perfektionierung seiner Sprachkenntnisse gewidmet.

Auch nach seiner Pensionierung war er regelmäßig am Institut und stets offen für fachliche Fragen. Meist war die erste Antwort: "Also darüber muss ich erst ‘mal nachdenken." Kaum jemand konnte wie er vermitteln, dass es in der Mechanik viele Dinge gibt, die auf den ersten Blick eindeutig und offensichtlich erscheinen, es bei intensiver Beschäftigung mit dem Thema aber keineswegs sind. Die Bereitschaft, scheinbar Selbstverständliches immer wieder zu hinterfragen und mit eigenen Meinungen kritisch umzugehen, war ein besonderes Merkmal seiner Persönlichkeit.

Bei all seinem Bemühen um Klarheit und Präzision hat er aber nie die humorvollen und geselligen Seiten des Lebens vernachlässigt. So hat er uns beim gemeinsamen Mittagskaffee immer wieder durch Anekdoten aus dem Institut und über seine Kolleg_innen unterhalten.

Uns allen wird Udo Gamer als hervorragender akademischer Lehrer, Forscher und großartiger Mensch im Gedächtnis bleiben. Udo Gamer verstarb am Sonntag, den 20. August 2017, im 80. Lebensjahr.

Für die Kolleginnen und Kollegen des Institut für Mechanik und Mechatronik
Heinz-Bodo Schmiedmayer


Bild: © Johannes Edelmann