Technische Universität Wien
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2009-10-01 [

Klaus Wassermann

]

Sabine Köszegi - Professorin für Arbeitswissenschaft und Organisation

Sabine Köszegi analysiert am Institut für Managementwissenschaften der TU Wien komplexe soziale Systeme in der Arbeitswelt und entwickelt neue Ansätze zur Problemlösung.

Sabine Köszegi

„Im 19. und 20. Jahrhundert untersuchte die Wissenschaft der Ergonomie überwiegend die optimale Interaktion zwischen Mensch und Maschine, doch die Arbeitswelt hat sich durch den technischen Fortschritt stark verändert“, sagt Sabine Köszegi, seit April 2009 Professorin für Arbeitswissenschaft und Organisation am Institut für Managementwissenschaften der TU Wien. Dennoch gilt auch heute noch, dass die Bedingungen, unter denen Menschen arbeiten, einen großen Einfluss auf ihr Wohlbefinden und auf ihre Produktivität haben. Köszegi erforscht mit ihrem Team die Strukturen, in denen Arbeit heute stattfindet. Sie entwickelt Konzepte, die nicht nur einer technisch-wirtschaftlichen Rationalität, sondern auch dem Menschen und seinen persönlichen und sozialen Bedürfnissen gerecht werden.

Neue Arbeitswelt belastet vor allem psychisch

Während die Belastung und Beanspruchung des menschlichen Körpers durch physische Arbeit an Bedeutung verlor, stieg die psychische Belastung von Menschen am Arbeitsplatz. Phänomene wie Stress, Mobbing und Burnout rücken mehr und mehr ins Zentrum der Arbeitswissenschaft. In ihrem aktuellen Projekt MoVe, Mobbing verhindern, untersucht Köszegi, welche Strukturen Aggression und Mobbing fördern. „Wir haben herausgefunden, dass Mobbing besonders oft in Situationen auftritt, in denen Personen gegen althergebrachte Werthaltungen und Regeln verstoßen oder bestimmte Tabus brechen“, erklärt sie. Als Beispiel nennt sie Probleme, Soldatinnen in die traditionell an Männern orientierte soldatische Kameradschaft aufzunehmen.

Verhandlungsprozesse unterstützen

Ein weiteres wichtiges Forschungsgebiet Köszegis ist die Unterstützung von Verhandlungsprozessen in Unternehmen. „In Deutschland führen bereits 70 Prozent der Unternehmen Verhandlungen über e-Mail, dabei können Verhandlungen aber leichter in einer Sackgasse enden, weil die größere Distanz zum Partner eine gewisse Enthemmung in der Kommunikation bringt“, schildert sie ihre Erfahrungen. In ihrem Forschungsprojekt e-NEGO-motion entwickelt Sie mit ihrem Team und internationalen Kooperationspartnern ein Computersystem, das elektronische Verhandlungsprozesse unterstützt. „Im Hintergrund stehen dabei so genannte Software-Agenten, die die Verhandlungspartner dabei unterstützen, effektiver zu kommunizieren und bessere Verhandlungsergebnisse zu erzielen“, erklärt die Forscherin.

Leidenschaft für komplexe soziale Systeme


Nach dem Abschluss der Handelsakademie übersiedelte die geborene Mühlviertlerin nach Wien, um an der Wirtschaftsuniversität Wien Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Während ihres Studiums absolvierte Köszegi auch ein Semester an der University of Illinois, USA. Dabei entdeckte sie ihre Leidenschaft für komplexe soziale Systeme. Nach ihrem Diplom arbeitet sie einige Jahre in der Unternehmensberatung. Es folgte ein Wechsel zurück in die Forschung an das Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Wien. „Ich bin den Dingen immer schon gerne auf den Grund gegangen“, schildert sie ihre Motivation, eine Forschungskarriere einzuschlagen. Nach ihrem Doktorat arbeitete sie zunächst als Assistentin, dann als Professorin an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Wien. Im Jänner 2009 trat sie schließlich ihre Professur an der TU Wien an.

Ausgleich mit Büchern und Yoga


Für die Zukunft plant Köszegi verstärkt Forschungsprojekte im Bereich der Organisationsforschung. „Im Zentrum meiner Arbeit werden dabei vermehrt postmoderne Ansätze wie die feministische Theorie stehen. Ich möchte mich den Fragen der kulturellen und sozialen Diversität und der Konfliktforschung in Organisationen stellen“, sagt sie. Privat schätzt Köszegi die Zeit mit ihrem zweijährigen Sohn und den Ausgleich durch Bücher, Sport und Yoga. „Der Montagabend ist für meine Yogastunde reserviert, die muss bei meinem dichten Terminkalender einfach drin sein“, sagt die Forscherin.

Links:

www.imw.tuwien.ac.at/aw