Technische Universität Wien
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2011-05-11 [

Florian Aigner

 | Presseaussendung 35 / 2011 ]

Saubere Energie aus Biomasse

Von der Biotonne ins Erdgasnetz: An der Technischen Universität (TU) Wien wurde eine ganz neue Methode entwickelt, Biogas zu nutzen.

Aufbereitungsanlage in Kißlegg

Prof. Michael Harasek

Innenansicht der Anlage in Bruck an der Leitha

Biogas ist ein wertvoller Energieträger und könnte ein wichtiger Baustein für eine zukünftige nachhaltige Energieversorgung sein. Bisher wird Biogas meist in Gasmotoren verbrannt und seine Energie – mit mäßigem Wirkungsgrad – in Elektrizität umgewandelt. An der Technischen Universität Wien wurde unter der Leitung von Michael Harasek ein revolutionär neues Verfahren entwickelt, Biogas auf umweltverträgliche Art zu reinigen, sodass der wertvolle Hauptbestandteil Methan direkt ins Erdgasnetz eingespeist werden kann. Bei der diesjährigen Vergabe der Houska-Preise wurde das Projekt mit einem Forschungspreis von 5000 Euro prämiert.

Membran filtert Methan
Gewöhnliches Biogas, wie man es etwa durch Verwertung von Pflanzenabfällen in Silos oder aus Klärschlamm gewinnt, enthält neben Methan auch noch CO2, Wasser und geringe Mengen an weiteren unerwünschten Substanzen wie Schwefel oder Ammoniak. „Wenn man es schafft, das wertvolle Methan zu isolieren, kann man es wie Erdgas als Brennstoff nutzen, oder auch gasbetriebene Autos damit betanken“, meint Michael Harasek vom Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Technische Biowissenschaften der TU Wien. Mithilfe von halbdurchlässigen Membranen, die zwar CO2 und Wasserdampf, nicht aber das Methan passieren lassen, lässt sich das Biogas in wertvollen, sauberen Brennstoff umwandeln. „In unserer Zusammenarbeit mit der Firma Axiom Angewandte Prozesstechnik GmbH konnten wir zeigen, dass unser Verfahren sich tatsächlich im industriellen Maßstab effizient anwenden lässt“, berichtet Harasek.

Zusätzlich zu den halbdurchlässigen Membranen war noch eine ganze Palette kleinerer und größerer Tricks nötig, um das Verfahren zu optimieren – doch die jahrelange Forschungsarbeit hat sich ausgezahlt: „Unsere Methode produziert nun zuverlässig Gas in einer Qualität, die den sehr strengen österreichischen Richtlinien genügt“, erklärt Michael Harasek. „Noch vor kurzem haben das viele Wissenschaftler für technisch nicht machbar gehalten.“

Methan statt Erdgas
Aufgrund seiner hohen Energiedichte ist Methan ein sehr attraktiver Energiespeicher – und für seine technische Nutzung kann die bereits gut ausgebaute Erdgas-Infrastruktur aus Pipelines, Gasspeichern und Tankstellen verwendet werden. Das CO2, das dabei anfällt, bietet keinen Grund zur Besorgnis: „Es ist das CO2, das die Pflanze vorher gebunden hat – hier besteht ein geschlossener Kreislauf“, betont Harasek.

Um die Qualität des Gases zu sichern, muss seine Zusammensetzung ständig überwacht werden, gegebenenfalls muss man die chemischen Abläufe nachjustieren und anpassen. Auch die dafür nötige Mess- und Regelungstechnik wurde von den VerfahrenstechnikerInnen an der TU Wien entwickelt. „Wir haben ein Regelungskonzept entwickelt, mit dem man bequem online die Biogasaufbereitungsanlagen überwachen und steuern kann“, erzählt Michael Harasek. Damit wird die Methode für Wirtschaft und Industrie umso interessanter – eine Vermarktung der neuen Technologie in größerem Ausmaß rückt in greifbare Nähe.

Fotodownload: http://tuweb.tuwien.ac.at/index.php?id=11295

Rückfragehinweis:
Prof. Michael Harasek
Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Techn. Biowissenschaften
Technische Universität Wien
Getreidemarkt 9, 1060 Wien
T: 01-58801-166 202
michael.harasek@tuwien.ac.at

Aussender:
Dr. Florian Aigner
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Wien
Operngasse 11, 1040 Wien
T: +43-1-58801-41027
florian.aigner@tuwien.ac.at

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