Technische Universität Wien
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2011-08-16 [

Florian Aigner

 | Presseaussendung 54 / 2011 ]

Schnitzel ist schlecht für die Umwelt

Wer die Umwelt schonen möchte, sollte weniger Fleisch essen – das sagt eine Studie der Technischen Universität (TU) Wien. Erstmals wurden die ökologischen Vorteile umfassend untersucht, die eine ausgewogene Ernährung in Österreich bringen würde. Ein Umstieg auf Bio-Lebensmittel bringt vergleichsweise wenig.

Gesunde Ernährung: Mehr Obst und Gemüse, weniger Fleisch

Gesunde Ernährung: Mehr Obst und Gemüse, weniger Fleisch

Prof. Matthias Zessner

Prof. Matthias Zessner

Zusammensetzung der Kalorienaufnahme: Tatsächliche und empfohlene Werte

Zusammensetzung der Kalorienaufnahme: Tatsächliche und empfohlene Werte

Eigentlich wissen wir ja, wie ausgewogene Ernährung aussehen würde: Reichlich Getreide, Kartoffeln und Reis, dazu viel Gemüse, Fleisch dafür nur in geringerem Ausmaß. Trotzdem finden sich auf Österreichs Speisezetteln noch immer zu viele Fleisch- und Wurstprodukte. Professor Matthias Zessner (Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft, TU Wien) hat nun gemeinsam mit einem interdisziplinären Forschungsteam untersucht, welche ökologischen Auswirkungen eine ausgewogenere Ernährung in Österreich haben würde. Das Ergebnis: Gesunde Ernährung schont die Umwelt, spart Ressourcen und Anbaufläche. Auf Bio-Nahrung umzusteigen hat hingegen deutlich geringere ökologische und gesundheitliche Auswirkungen. Will man sich und der Umwelt etwas Gutes tun, ist der Griff zu frischem Obst und Gemüse viel wichtiger als jener  zum Bio-Fleisch.

Unser Essen braucht zu viel Fläche
Was würde es für unsere Umwelt bedeuten, wenn sich die österreichische Bevölkerung gesund ernähren würde? Diese Frage lässt sich nur durch interdisziplinäre Forschung beantworten. Ermöglicht wurde das breit aufgestellte Forschungsprojekt durch das Förderprogramm proVISION des österreichischen Wissenschaftsministeriums (BMWF). So untersuchte die TU Wien gemeinsam mit der Österreichischen Vereinigung für Agrarwissenschaftliche Forschung (ÖVAF), dem Institut für Ernährungswissenschaften der Uni Wien und dem Energieinstitut an der Johannes Kepler Universität Linz, welche Folgen es hätte, wenn sich Österreich an die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung hielte. Der Konsum an Fleisch und Wurst müsste dazu etwa halbiert werden, Gemüse und Getreide würden hingegen deutlich häufiger auf Österreichs Tellern landen. „Das würde nicht nur Krebsraten reduzieren und Herz-Kreislauferkrankungen vorbeugen, der Flächenbedarf für die Ernährung würde durch ausgewogenere Ernährung von 3600m² auf 2600m² pro Person sinken“, erklärt Matthias Zessner. Österreich könnte sich dann ohne Futtermittelimporte selbst versorgen, es bliebe sogar noch zusätzliche Fläche übrig. Die Umstellung würde zu einer Reduktion des Energieverbrauchs der Nahrungsmittelproduktion und zu einem deutlich geringeren Bedarf an Düngemitteln führen. Besonders relevant wäre der Rückgang an klimaschädlichen Gasen: Etwa 10% unseres Ausstoßes an CO2-Äquivalenten fällt in der Nahrungsmittelproduktion an. Eine ausgewogene Ernährung würde etwa ein Drittel davon einsparen. Stark profitieren würden auch unsere Gewässer, durch die sinkende Belastung mit Stickstoff aus der Landwirtschaft.

Bio alleine bringt wenig
Gleichzeitig wurde in der Studie untersucht, welche Folgen ein Umstieg auf Bio-Lebensmitteln hätte. „Die Auswirkungen in Hinblick auf Energiebedarf, Ausstoß klimarelevanter Gase wie CO2 und Methan und auf die Belastung von Gewässern mit Stickstoff und Phosphor wären gering, und nicht unbedingt nur positiv“, meint Matthias Zessner. Die Erzeugung von Bio-Lebensmitteln bedingt zwar einen deutlich reduzierten Einsatz von potentiell umweltschädlichen Pflanzenschutzmitteln, braucht aufgrund geringerer Produktionsintensität aber mehr Anbaufläche. Das Platzproblem der österreichischen Landwirtschaft und damit die Abhängigkeit von Ackerflächen in anderen Erdteilen würde durch Bio-Produktion also noch weiter verschärft. Einen weitreichenden Umstieg auf Bio-Landwirtschaft könnten wir uns in Österreich überhaupt nur leisten, wenn damit eine Reduktion des Fleisch- und Wurstkonsums einhergeht.

Gesünder sind Bio-Lebensmittel auch nicht unbedingt: Was Vitamine und andere wertvolle Inhaltsstoffe betrifft, gibt es keinen eindeutig nachweisbaren Unterschied zwischen Bio-Landwirtschaft und konventioneller Produktion. „Der einzige nachweisbare Unterschied besteht in Rückständen von Pflanzenschutzmitteln“, meint Matthias Zessner. „Doch hier sind die gesetzlichen Grenzwerte so niedrig, dass man auch bei Produkten aus der konventionellen Landwirtschaft Österreichs keine Bedenken haben muss.“


Weitere Kennzahlen:

 

derzeitige landwirtschaftliche Produktion

landwirtschaftliche Produktion bei Eigenversorgung mit empfohlener Ernährung

Flächenbedarf
(m² pro Person)

3600

2600

kumulierter Energieaufwand

(kWh pro Person und Jahr)

1100

700

Ausstoß CO2-Äquivalente
(kg pro Person und Jahr)

890

580

Stickstoffbedarf
(kg pro Person und Jahr)

20

12

Phosphorbedarf‘
(kg pro Person und Jahr)

2,8

2,1

Gewässerbelastung Stickstoff
(kg pro Person und Jahr)

8,5

6,5

Gewässerbelastung Phosphor
(kg pro Person und Jahr)

0,36

0,34

 

Bilderdownload: http://www.tuwien.ac.at/dle/pr/aktuelles/downloads/2011/nahrung/


Rückfragehinweis:
Prof. Matthias Zessner
Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft
Technische Universität Wien
Karlsplatz 13, 1040 Wien
T: +43-1-58801-22616
mzessner@iwag.tuwien.ac.at

Aussender:
Dr. Florian Aigner
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Wien
Operngasse 11, 1040 Wien
T: +43-1-58801-41027
florian.aigner@tuwien.ac.at


Energy & Environment ist – neben Computational Science & Engineering, Quantum Physics & Quantum Technologies, Materials & Matter sowie Information & Communication Technology – einer von fünf Forschungsschwerpunkten der Technischen Universität Wien. Geforscht wird an der Erschließung neuer Energiequellen, der Versorgung mit Energie sowie deren Speicherung und effiziente Nutzung. Das technische Know how wird durch Expertise in den Bereichen Klima, Umwelt, Wirtschaft und Rohstoffe erweitert.