Technische Universität Wien
> Zum Inhalt
2012-02-08 [

S. Müller, R. Rauch, M. Fuchs, H. Hofbauer, F. Aigner

 | Presseaussendung 15/2012 ]

Wasserstoff aus Biomasse für die Industrie

An der TU Wien wird ein Verfahren entwickelt, aus Biomasse Wasserstoff zu gewinnen. Erdölraffinerien könnten durch Einsatz dieses Wasserstoffs deutlich umweltfreundlicher werden.

Biomassekraftwerk Güssing

Wasserstoff könnte in Zukunft ein wichtiger Energieträger sein, heute wird er jedoch vor allem als wichtiger Einsatzstoff für industrielle Produktionsprozesse eingesetzt - unter anderem in Raffinerien. Für die Herstellung von Wasserstoff werden in der Regel fossile Rohstoffe wie Rohbenzin oder Erdgas verwendet, derzeit ist die Verwendung von Wasserstoff daher noch keine nachhaltige Technologie. Setzt man hingegen nachwachsende Rohstoffen für die Herstellung von Wasserstoff ein, können fossile CO2-Emissionen vermieden werden. Um Wasserstoff aus erneuerbarer Energie in industriellem Maßstab herstellen zu können, stehen mehrere unterschiedliche Verfahren zu Verfügung, eines davon ist die Elektrolyse. Derzeit scheint jedoch die Vergasung von Biomasse der kostengünstigste Weg für die Herstellung von Wasserstoff aus erneuerbarer Energie zu sein.

Testanlage an der TU Wien
Im Rahmen eines gemeinsamen FFG-Forschungsprojektes mit dem Namen BioH2 4Refineries sind die Projektpartner OMV, Repotec, Bioenergy2020+ und TU Wien mit der Unterstützung des „Klima und Energiefonds“ angetreten, um die notwendige Vorarbeit für die Herstellung von Wasserstoff aus erneuerbaren Rohstoffen zu leisten. Die Projektpartner Repotec und TU Wien entwickelten ein Verfahren, das die Herstellung von hochreinem Wasserstoff aus Biomasse ermöglicht. Dazu wurde an der TU Wien ein Modell einer neuartigen Wasserstoffproduktionsanlage erstellt, um die Energie- und Massenbilanzen für diese Anlage zu berechnen. Das Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und technische Biowissenschaften der TU Wien konnte dabei auf umfassende Erfahrung aus der Vergangenheit zurückgreifen, die bei der Entwicklung und Demonstration des BHKW Güssing gesammelt wurde.

Vielversprechendes Verfahren für die Wirtschaft
Basierend auf diesem Know-how wurden bereits verschiedene Syntheseverfahren wie die Herstellung von synthetischem Erdgas (BioSNG) oder von synthetischen Treibstoffen (Fischer-Tropsch Verfahren) erfolgreich demonstriert. Für die Produktion von Wasserstoff aus Waldhackgut wurde im Rahmen des Forschungsprojektes ein Verfahren entwickelt, das ebenfalls auf der Biomassedampfvergasung basiert. Als biogener Rohstoff könnten dabei neben Waldhackgut auch „Kurzumtriebs-Energiepflanzen“ eingesetzt werden. Diese Vielseitigkeit des entwickelten Verfahrens stellt eine wirtschaftlich interessante Umsetzung in Aussicht.

Wasserstoff und Fernwärme
Die ersten Ergebnisse des Forschungsprojektes zeigen die Leistungsfähigkeit des entwickelten Verfahrens zur Herstellung von erneuerbarem Wasserstoff: Bei einer Verbrennung von Biomasse mit einer Leistung von 50 Megawatt können 30 Megawatt in die Herstellung von Wasserstoffgas umgesetzt werden. Zusätzlich anfallende Prozesswärme kann vor Ort in Form von Fernwärme genutzt werden.

Für moderne Raffinerien ist Wasserstoffgas ein wichtiger Einsatzstoff, der für verschiedene Produktionsprozesse verwendet wird. Der aus Biomasse hergestellte Wasserstoff entspricht den hohen Anforderungen einer modernen Raffinerie und könnte somit die fossilen CO2-Emissionen einer Raffinerie deutlich reduzieren. Es ergeben sich dadurch neue Möglichkeiten, umweltfreundlicheren Treibstoff herzustellen: Bisher vermischt man Biosprit mit konventionell erzeugtem Treibstoff, um die CO2-Bilanz zu verbessern. Durch das neue Verfahren wird die Verwendung von Bio-Materialien von Anfang an in den Produktionsprozess mit eingebaut. Somit kann man über diesen Weg vermehrt erneuerbare Energie auch in den produzierten Treibstoff einbringen.

Regionale Energieversorgung
In Zukunft wird es nicht mehr wenige große Kraftwerksanlagen geben, die das ganze Land versorgen, sondern viele kleine Anbieter. Durch Wasserstoffproduktionsanlagen können regional verfügbare Rohstoffe genutzt werden und somit ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Energieversorgungssicherheit geleistet werden. Vor dem Bau einer Demonstrationsanlage sind noch einige experimentelle Untersuchungen notwendig, um eine weiterhin erfolgreiche Entwicklung der Anlage sicherzustellen. An der TU Wien ist man zuversichtlich, dass das bald gelingen wird: Die Vorarbeit für eine Demonstrationsanlage zur Herstellung von Wasserstoff aus Biomasse brachten bereits detaillierte Aufschlüsse über das Verfahren. Nach dem Abschluss von Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen haben die Projektpartner eine fundierte Grundlage, um aus dem Versuchsprojekt wirtschaftlich erfolgreiche Technologie werden zu lassen.


Fotodownload: http://www.tuwien.ac.at/dle/pr/aktuelles/downloads/2012/biomasse/


Informationen über das Projekt im Web:
http://www.vt.tuwien.ac.at/
http://www.vt.tuwien.ac.at/chemische_verfahrenstechnik_und_wirbelschichttechnik/synthetische_biotreibstoffe/

Rückfragehinweise:
Dr. Reinhard Rauch
DI Stefan Müller
Zukunftsfähige Energietechnik,
Institut für Verfahrenstechnik,
Umwelttechnik und technische Biowissenschaften
Technische Universität Wien
Getreidemarkt 9, 1060 Wien
T: +43 1 58801-166366
reinhard.rauch@tuwien.ac.at
stefan.mueller@tuwien.ac.at


Aussender:
Dr. Florian Aigner
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Wien
Operngasse 11, 1040 Wien
+43-1-58801-41027
florian.aigner@tuwien.ac.at


Acknowledgement:
Das dargestellte Projekt wird mit Mitteln des Klima und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programms „Neue Energien 2020“ durchgeführt (www.klimafonds.gv.at).

Die Forschungsplattform „zukunftsfähige Energietechnik“ am Institut für Verfahrenstechnik der Technischen Universität Wien ist eine der international führenden Gruppen im Forschungsbereich der nachhaltigen Energietechnologien.

Logo Energy & EnvironmentEnergy & Environment ist – neben Computational Science & Engineering, Quantum Physics & Quantum Technologies, Materials & Matter sowie Information & Communication Technology – einer von fünf Forschungsschwerpunkten der Technischen Universität Wien. Geforscht wird an der Erschließung neuer Energiequellen, der Versorgung mit Energie sowie deren Speicherung und effiziente Nutzung. Das technische Know how wird durch Expertise in den Bereichen Klima, Umwelt, Wirtschaft und Rohstoffe erweitert.


TU Wien - Mitglied der TU Austria
www.tuaustria.at