Technische Universität Wien
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2012-05-21 [

Florian Aigner

 | Presseaussendung 38/2012 ]

Jugend von heute – Pensionen von morgen

Österreich könnte von Schweden einiges lernen, das ist das Ergebnis einer Studie der TU Wien, in der Generationengerechtigkeit und soziale Transfersysteme verglichen wurden.

Umverteilung - notwendig für ein faires Sozialsystem

In welchem Alter profitiert man von Transferleistungen, in welchem Alter zahlt man ins System ein? Zwischen Österreich und Schweden gibt es deutliche Unterschiede.

Die Umverteilung zwischen Altersgruppen ist eine zentrale Aufgabe des Sozialsystems: Mit dem, was die arbeitende Bevölkerung erwirtschaftet, werden auch Kinder und alte Menschen versorgt. Die Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Generationen und die langfristige Finanzierbarkeit dieser Transfers hängen einerseits von der demographischen Entwicklung, andererseits von politischen Entscheidungen ab. In einer Studie der der Technischen Universität Wien wurden nun die sozialen Transfersysteme von Österreich und Schweden verglichen: Schweden ist wesentlich besser auf die zukünftigen Herausforderungen der demographischen Veränderung gerüstet.

Kurz einzahlen – lange profitieren?
Bildung für die Jugend und die Versorgung älterer Menschen kostet Geld – es gibt daher immer einen Nettotransfer von Personen im Erwerbsalter zu anderen Bevölkerungsgruppen. Die Erwerbsphase, in der man durch Steuern mehr Geld in die Gesellschaft investiert als man in Form von Transferleistungen zurückbekommt, ist jedoch in Schweden deutlich länger als in Österreich: Während die schwedische Bevölkerung im Durchschnitt erst mit etwa 64 Jahren von der Nettozahler- in die Nettoempfängergruppe wechselt, geschieht das in Österreich bereits bei den 58jährigen. „Die Stauchung des Erwerbslebens auf weniger Jahre in Österreich führt zu einer hohen Belastung der Altersgruppen 25 – 50 durch Beiträge zu öffentlichen Transfers“, erklärt Prof. Alexia Fürnkranz-Prskawetz vom Institut für Wirtschaftsmathematik der TU Wien. In Schweden werden die höchsten Beiträge zum staatlichen Transfersystem von der Gruppe der 50-60jährigen geleistet – in Österreich kommen die höchsten Beiträge von der Altersgruppe mit jungen Kindern.

Mittlere Altersgruppe unter Druck
Die Altersgruppe 25 – 50 ist doppelt belastet: Einerseits leistet sie Transferzahlungen, andererseits muss sie Zeit und Geld in die eigenen Kinder und deren Ausbildung investieren. In Schweden sind Fertilität und Erwerbsbeteiligung der Elterngeneration höher als in Österreich. Das weist darauf hin, dass das öffentliche Transfersystem und die Gestaltung des Lebenszyklus in Schweden wesentlich besser geeignet ist, die Kombination von Familienleben und beruflicher Karriere zu ermöglichen. „Ein wesentlicher Faktor dabei ist die Verfügbarkeit von Kinderbetreuungseinrichtungen“, meint Fürnkranz-Prskawetz.

Zu niedriges Pensionsalter, ungünstige Altersstruktur

Um die Finanzierung öffentlicher Transfersysteme nachhaltig zu gestalten ist in Österreich eine Anhebung des Pensionsalters unumgänglich. Allerdings kann eine Steigerung des effektiven Pensionsantrittsalters alleine die Probleme auch nicht lösen. Österreich hat nämlich gegenüber Schweden zusätzlich den Nachteil einer ungünstigen Altersstruktur: Die Baby-Boom-Generation erreicht zwischen 2020 und 2035 das Pensionsalter, gleichzeitig treten die geburtenschwache Jahrgänge ins Erwerbsleben ein  - beides stellt das österreichische Transfersystem vor ernste Probleme. In Schweden ist die Altersstruktur der Bevölkerung gleichmäßiger.

In Simulationsrechnungen wandte man an der TU Wien den ökonomischen Lebenszyklus aus Schweden auf die Altersstruktur Österreichs an: Selbst wenn man in Österreich sofort auf das schwedische System mit deutlich höherem faktischen Pensionsantrittsalter umsteigen könnte, würde aufgrund der ungünstigeren österreichischen Altersstruktur das Verhältnis zwischen Ausgaben und Einnahmen in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen. „Der ökonomische Lebenszyklus in Österreich, mit einer kurzen Phase, in der man in das Gesamtsystem einbezahlt, und die österreichische Altersstruktur sind eine sehr ungünstige Kombination“, sagt Fürnkranz-Prskawetz. „Unter Beibehaltung des derzeitigen Systems würden 2035 die Ausgaben nur für Transferleistungen die gesamten Einnahmen um ein Fünftel übersteigen – Zinszahlungen auf Staatschulden noch nicht eingerechnet.“
 
Mehr Transferleistungen, weniger Bildung?
In Gefahr ist dadurch nicht nur das Pensionssystem, sondern die Wettbewerbsfähigkeit des Landes insgesamt: Wenn ein unausgewogenes Transfersystem den Staat zwingt, übermäßig viel Geld für Pensionszahlungen beizusteuern, dann fehlt das Geld in anderen Bereichen. In Schweden stehen mehr Ressourcen für Investitionen und für Transfers zur jüngeren Bevölkerung zur Verfügung als in Österreich - insbesondere für Bildung.

 

Nachlese: Zum Themenbereich Demographie und Ökonomie veranstaltete die TU Wien vergangene Woche eine internationale Konferenz: http://www.tuwien.ac.at/aktuelles/news_detail/article/7543/

 

Bilderdownload: http://www.tuwien.ac.at/dle/pr/aktuelles/downloads/2012/schweden/ 


Rückfragehinweis:
Prof. Alexia Fürnkranz-Prskawetz
Institut für Wirtschaftsmathematik
Technische Universität Wien
Argentinierstraße 8, 1040 Wien
T: +43-1- 58801-105 30
alexia.fuernkranz-prskawetz@tuwien.ac.at

Aussender:
Dr. Florian Aigner
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Wien
Operngasse 11, 1040 Wien
T.: +43-1-58801-41027
florian.aigner@tuwien.ac.at