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2012-06-22 [

Florian Aigner

 | Presseaussendung 51/2012 ]

Elektroautos: Ja – aber bitte mit grünem Strom!

Bringen Elektroautos einen Vorteil für die Umwelt? Die TU Wien präsentiert dazu nun erstmals Daten, die sich auf das tatsächliche Fahrverhalten stützen, anstatt sich auf Normbedingungen zu verlassen.

Was bringen Elektroautos wirklich für die Umwelt?

Realitätsnahe Messungen am Prüfstand der TU Wien

Der Strom kommt nicht aus der Steckdose. Die Umweltbilanz von Elektroautos hängt entscheidend davon ab, ob sie mit umweltfreundlich produziertem Strom betrieben werden. Eine umfassende Studie des Instituts für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik der TU Wien, in Kooperation mit dem Österreichischen Verein für Kraftfahrzeugtechnik und dem ÖAMTC, sowie sieben weiteren Automobilklubs aus ganz Europa, liefert nun erstmals, praxistaugliche Zahlen über die Umweltfreundlichkeit von Elektroautos. Das Potenzial elektrischer Antriebe ist groß, betont das Forschungsteam, doch nun muss man die Frage klären, wie man elektrischen Strom mit möglichst geringen CO2-Emissionen erzeugen kann.

Realistische Situationen statt Normbedingungen

Elektroauto-Tests gibt es bereits viele, doch nicht alle sind besonders aussagekräftig. „Meist werden zum Testen Normbedingungen verwendet, die mit der Alltagspraxis im Straßenverkehr nicht unbedingt übereinstimmen“, sagt Werner Tober vom Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik der TU Wien. Am Auto-Prüfstand der TU Wien wurde nun daher der Energiebedarf verschiedener Autos nicht bei Normbedingungen sondern bei typischer Alltags-Beanspruchung gemessen. „Wir können verschiedene Außentemperaturen wählen, Steigung und Gefälle simulieren und verschiedene Geschwindigkeits-Profile untersuchen – vom Fahren auf der Landstraße bis zum städtischen Stop-and-Go-Verkehr“, sagt Christian Bauer (TU Wien).

Frei zugängliche Datenbank
Auf diese Weise konnte ein typisches Straßen-Fahrverhalten  am Prüfstand nachgestellt werden. Vier verschiedene Elektroautos wurden ausführlich vermessen und mit einem konventionellen PKW mit Verbrennungsmotor verglichen. So entstand eine Datenbank, in der man den Energiebedarf der Autos bei unterschiedlichsten Fahrbedingungen ablesen kann. Diese Daten werden nun frei zugänglich gemacht.

Wie grün sind Elektroautos wirklich?

Der Elektromotor selbst hat einen höheren Wirkungsgrad als ein Verbrennungsmotor. Doch um seriös auf die Umweltbilanz der Fahrzeuge schließen zu können, wurde zusätzlich die Herkunft des elektrischen Stroms berücksichtigt – und in diesem Punkt gibt es grobe Unterschiede zwischen verschiedenen Staaten. Die Studie unterscheidet daher zwischen dem österreichischen Strommix und einem europäischen Durchschnitts-Strommix.

In Österreich ist der Anteil der regenerativen Stromerzeugung sehr hoch und damit der Bedarf an primärer fossiler Energie gering. Der Betrieb eines Elektroautos benötigt inkl. Berücksichtigung der Stromherstellung demzufolge etwa 70% der Primärenergie die für den Betrieb eines Diesel-PKW inkl. der Dieselkraftstoffherstellung benötigt wird.

Legt man den Daten einen typischen europäischen Strommix zugrunde (mit einem geringeren Anteil erneuerbarer Energie), dann ist dieser Vorteil allerdings verspielt. Schlimmstenfalls kann er sogar in einen Nachteil umschlagen.

Genauso hängt auch der CO2-Ausstoß vom Strommix ab. In Österreich verursacht Elektromobilität etwa 40% der CO2-Emissionen, die fossile Mobilität mit sich bringt, bei einem typischen europäischen Strommix steigt dieser Wert auf 90%. „Ob man ein Kohlekraftwerk betreibt, um Elektroautos fahren zu lassen, oder ob man fossile Treibstoffe direkt im Auto verbrennt, macht letztlich keinen großen Unterschied“, sagt Werner Tober.

Heizen und Kühlen ist teuer

Wichtig war, für die Elektroautos einen ganzen Jahreszyklus zu simulieren. Durch Heizung im Winter und Klimaanlage im Sommer kann der Energieverbrauch stark jahreszeitenabhängig sein. „Das hat auch einen exorbitanten Einfluss auf die Reichweite der Elektroautos – die kann durch die Heizung bei null Grad Außentemperatur schon mal um etwa ein Drittel sinken“, berichtet Tober. Die große Herausforderung in der Elektroauto-Entwicklung ist es heute, Reichweiten jenseits der 200 km zu erreichen.

Auto-Expertise verknüpft mit Elektro-Know-How

Möglich wurde dieses Projekt durch die Verknüpfung zweier wissenschaftlicher Fachgebiete. Neben der Fahrzeugvermessung, die am Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik langjährige Tradition besitzt, war die Einbindung modernster Messsysteme im Bereich der Hochleistungsmesstechnik erforderlich.

Für das Team des Instituts für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik der TU Wien sind Elektroautos angesichts der neuen Studie eine gute Sache: „Der Elektroantrieb selbst ist hoch effizient, und die technische Umsetzung in den heutigen Elektroautos ist weit fortgeschritten“, findet Werner Tober. Trotzdem macht die Studie deutlich, dass man nicht bloß die Motoren allein betrachten kann – eine Beurteilung der Elektromobilität ist nur möglich, wenn man alle Faktoren miteinbezieht , sowohl im Fahrzeug als auch bei der Stromerzeugung.


Fotodownload:
http://www.tuwien.ac.at/dle/pr/aktuelles/downloads/2012/grueneelektroautos/

Die Studie ist auf der Homepage des Österreichischen Vereins für Kraftfahrzeugtechnik (www.oevk.at) zum freien Download verfügbar:
Studie: http://www.xn--vk-eka.at/aktuelles/2012/Batterieelektrische_Fahrzeuge_in_der_Praxis.pdf
Detaildaten: http://www.xn--vk-eka.at/aktuelles/2012/bev_data.pdf  

Rückfragehinweis:
Dr. Werner Tober
Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik
Technische Universität Wien
Getreidemarkt 9, 1060 Wien
T: +43-1- 58801-31522
werner.tober@tuwien.ac.at

Aussender:
Dr. Florian Aigner
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Wien
Operngasse 11, 1040 Wien
T.: +43-1-58801-41027
florian.aigner@tuwien.ac.at 

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