Technische Universität Wien
> Zum Inhalt
2012-11-09 [

Eva Krizsanits

 | INiTS Universitäres Gründerservice Wien GmbH ]

INiTS Award 2012 – innovative wissenschaftliche Arbeiten prämiert

Am 8. November 2012 wurde INiTS Award zum achten Mal verliehen. Die TU Wien war die große Gewinnerin des Abends.

Die glücklichen GewinnerInnen des INiTS Awards 2012 (Foto: INiTS)

Die glücklichen GewinnerInnen des INiTS Awards 2012

Das Universitäre Gründerservice INiTS prämierte im Rahmen der Preisverleihung am 8. November jene wissenschaftlichen Arbeiten, die besonders großes Potenzial für eine erfolgreiche Unternehmensgründung haben. Die Preise wurden in den Kategorien "Informations- und Kommunikationstechnologie", "Life Science" und "Allgemeine Technologien" vergeben. Darüber hinaus wurden erstmals die Special Awards "greentech" und "Woman Award" verliehen.

Die TU-GewinnerInnen der einzelnen Kategorien:

2. Platz Life Science (powered by Bayer): Georg Mach, BSc: A Modular Tool Chain für High Performance CFD Simulations in Intracranial Aneurysms
FlowControl3D ist eine Software für NeurochirurgInnen, die mittels minimalinvasiver Operation Gefäßmissbildungen (Aneurysmen) im Gehirn verschließen. Dabei wird das Aneurysma mit Mikrospulen ausgestopft, um das Blut so zu verlangsamen, dass der entstehende Blutpfropfen die ballonartige Aussackung verschließt. Wird das Aneurysma zu sehr oder zu wenig verfüllt, bestehen die Gefahren des Platzens (Hirnblutung) bzw. des Verstopfens der Trägergefäße (Schlaganfall). Zur Verringerung dieser Risiken ist es notwendig, die Blutströmung innerhalb der Gefäße und des Aneurysmas zu kennen. FlowControl3D berechnet diese Strömungen mittels Fluid-Dynamik-Simulation vollautomatisch und hilft dadurch, die Operation besser planen zu können.

1. Platz Informations- & Kommunikationstechnologie (powered by Kapsch): DI Andreas Kirchner, BA: Dataleak Detection in Smartphonce Applications
Für alles gibt es ein "App". Bis zu 94 Minuten pro Tag verbringen BenutzerInnen vor ihrem Smartphone. Unternehmen und staatliche Organisationen passen sich dem Trend an, um Kundenbeziehungen zu pflegen: E-Banking, Flugtickets, MobileHealth. Dabei werden - oft unbemerkt - viele sensible Daten verarbeitet. Wie vertrauenswürdig sind diese Apps eigentlich? Eine Zertifizierung von Smartphone Applikationen soll die Vertrauenslücke zwischen KundInnen und Organisation schließen. Wie bei einer TÜV-Prüfung untersuchen wir die Applikation mit Softwareanalysemethoden auf Datenlecks. Eine derart zertifizierte App erfüllt Mindeststandards in der Verarbeitung von BenutzerInnen- und Organisationsdaten.

3. Platz Informations- & Kommunikationstechnologie sowie 2. Platz greentech (powered by green jobs Austria): DI Mario Faschang: System für die koordinierte Ladung von Elektrofahrzeugen
Die steigende Anzahl der Elektrofahrzeuge fordert die österreichischen Stromnetze. Um die Belastung durch die unkoordinierte gleichzeitige Beladung der Fahrzeugbatterien und deren hohe Leistungsansprüche erfüllen zu können und Netzüberlastungen zu vermeiden, werden speziell in den Niederspannungsnetzen umfangreiche Netzausbauarbeiten unvermeidlich. Diese Aufwendungen können durch eine Koordination der Fahrzeugladung großteils vermieden werden. Ein System für die Koordination der Fahrzeugladungen besteht aus einem Interface mit dem die KundInnen die Fahrzeugladung kontrollieren können und einer zentralen Einheit, welche die Verschiebung der Netzbelastung durch gezielte Ansteuerung der Ladestationen kontrolliert. Der Einsatz eines solchen Systems unterstützt die Verbreitung von Elektrofahrzeugen und ermöglicht eine effizientere Nutzung dezentraler alternativer Energiequellen wie Wind- und Photovoltaikanlagen.

2. Platz Allgemeine Technologien (powered by Frequentis) sowie 1. Platz green tech (powered by green jobs Austria): Dr. Jutta Krischan: Design and scale-up of an oxidative scrubbing process for the selective removal of hydrogen sulfide from biogas
Die Arbeit beschreibt die Entwicklung eines Verfahrens zur Entschwefelung von Biogas, einem erneuerbaren und nachhaltigen Energieträger, der durch die Vergärung biologisch abbaubarer Stoffe entsteht und an zahlreichen Standorten in ganz Europa produziert wird. Das Verfahren zeichnet sich durch seine hohe Effizienz und Robustheit aus und soll eine wirtschaftliche Aufbereitung von Biogas auf Erdgasqualität und damit dessen Nutzen als vollwertiger Erdgas-Ersatz als Brennstoff für Haushalte und Industrie sowie als Treibstoff für den automobilen Bereich ermöglichen. Die industrielle Umsetzung des Prozesses erfolgte mit dem Bau einer Pilotanlage im Energiepark Bruck an der Leitha, welche 180m3/h Biogas verlässlich entschwefelt.

3. Platz Allgemeine Technologien: Dr. Katharina Bica: From plant to drug: ionic liquids for the reactive dissolution of biomass
Die Isolation von Pharmawirkstoffen aus Biomasse wird heutzutage meistens durch Extraktion mit konventionellen Lösungsmitteln durchgeführt, die stets ein Sicherheitsrisiko für Mensch und Umwelt darstellen und nur geringe Effizienz zeigen. Ionische Flüssigkeiten - d.h. Salze, deren Schmelzpunkt unter 100°C liegt - repräsentieren eine neue Klasse von Flüssigkeiten, die Biomoleküle wie Cellulose, Stärke oder Hart- und Weichholz komplett auflösen können. Im konkreten Projekt wurde mittels ionischer Flüssigkeiten eine verbesserte Produktion des Grippemedikamentes Tamiflu, dessen Ausgangsmaterial aus Sternanis gewonnen wird, ermöglicht. Dabei wurde der limitierende Rohstoff effizienter genutzt, giftige Chemikalien vermieden, und somit nachteilige Wirkungen auf die Umwelt minimiert.

3. Platz greentech (powered by green jobs Austria): DI Manfred Sonnleithner, MSc: Gewerkübergreifende Energieberatung als Antwort auf die aktuellen Herausforderungen in der Umsetzung von umfassenden, qualitätsvollen Sanierungen von Wohngebäuden
Das Thema Energie ist in aller Munde. Die Menschen benötigen verstärkt Informationen zu diesem komplexen Wissensbereich. Der sich in den letzten Jahren etablierte Berufszweig der Energieberatung steht vor großen Herausforderungen und die EnergieberaterInnen selbst sehen sich einer zunehmenden, teilweise unqualifizierten, Konkurrenz ausgesetzt. Die Masterthesis beleuchtet diese Problematiken ausführlich und verifiziert die Möglichkeiten und den Bedarf einer akademischen Ausbildung in Form eines speziellen Universitätslehrganges. Nutznießer dieses innovativen Angebotes sind die EnergieberaterInnen, deren KundInnen, die Wirtschaft und unsere Umwelt! Die Masterarbeit stellt die Basis für den neuen Lehrgang dar, der erstmals Ende 2012 an der Donau-Universität Krems starten soll.

1. Platz Woman Award (powered by economy austria): Dr. Barbara Dymerska: TEM and micromagnetic study of FePt ordered/disordered exchange spring media
Das neue Konzept für magnetische Festplatten beschäftigt sich mit so genannten doppelschichtigen Exchange Spring Medien mit einer rauen Grenzschicht. In diesen neuartigen Speichermedien lässt sich digitale Information mit bisher unerreichter Flächendichte speichern, die sogar die bisherige Grenze von einem Terabit pro Quadratzoll übersteigen kann. Die magnetischen Eigenschaften sowie die genaue Zusammensetzung des Speichermediums (FePt, CoPt, MnAl) lässt sich dabei leicht an die individuellen Bedürfnisse potenzieller InteressentInnen anpassen. Dieses neue Design dürfte damit besonders für Festplattenhersteller von Interesse sein. Da das Konzept auf mikromagnetischen Simulationen basiert, stellt es eine zeitsparende und kostengünstige Alternative zu experimentellen Entwicklungsmethoden dar.

2. Platz Woman Award (powered by economy austria): Dr. Martina Meisnar: Stepper motor development for space applications via finite element analysis
Die Diplomarbeit wurde von der Firma RUAG Space GmbH in Auftrag gegeben und umfasst die Entwicklung eines Schrittmotors für Anwendungen in der Raumfahrt. Ausgehend vom prinzipiellen Aufbau terrestrischer Schrittmotoren werden die Schritte vom Entwurf des theoretischen Modells bis zum Auffinden eines optimalen Designs für Raumfahrtanwendungen beschrieben. In den letzten Jahren zeigte der Europäische Raumfahrtmarkt eine erhöhte Nachfrage für Schrittmotoren, welche dort häufig für Anwendungen wie Antriebsmechanismen, Präzisions-Positionierung, Sollarzellenaufstellung, optische Antriebe und das Schalten von Zeitgebern verwendet werden. Herkömmliche Motoren für Weltraumanwendungen sind jedoch üblicherweise an die Raumfahrt angepasste terrestrische Motoren. Aus diesem Grund hat sich RUAG Space entschieden, einen Schrittmotor speziell für Weltraumanwendungen zu entwickeln. Ein hohes Drehmoment, geringe Masse, Toleranz für große Temperatur- und Druckunterschiede sowie hohe mechanische Stabilität sind dessen Haupteigenschaften. Das Prinzip von Schrittmotoren diente als Ausgangsunkt für das Motordesign. Die Leistung des Motors ist von Faktoren wie der Geometrie, Materialeigenschaften und der Stärke des Magnetfelds der Permanentmagnete gekennzeichnet. Das Ziel der Diplomarbeit war es, die Schlüsselfaktoren und Parameter des Schrittmotors ausfindig zu machen sowie die Motorgeometrie und die eingesetzten Materialien mithilfe der Finiten Elemente Methode (FEM) zu optimieren.

Webtipp: http://www.inits.at 

 

Foto: INiTS