Technische Universität Wien
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2014-05-23 [

Florian Aigner

 | Büro für Öffentlichkeitsarbeit ]

Globale Luftströmungs-Mäander brachten Balkan-Hochwasser

Prof. Günter Blöschl, Hochwasserexperte der TU Wien, erklärt, wie es zum verheerenden Hochwasser am Balkan kommen konnte.

Synoptische Situation, die das Balkan-Hochwasser ausgelöst hat (15-19. Mai 2014). Linien zeigen Druckverteilung in der nördlichen Hemisphäre. Zu beachten sind die stark mäandrierenden Wellen, von denen sich einzelne Systeme ablösen. (Beobachtungsdaten)

Planetarische Wellen. Links: Leicht mäandrierend. Rechts: stark mäandrierend. Das Wetter folgt diesen Wellen wie einer Straße von Westen nach Osten. Das Hochwasser am Balkan entstand durch Ablösung eines Tiefdrucksystems wie im Bild rechts. Oben: Druckverteilung, Unten: Wirbelstärke. (Simulation)

Zerstörte Häuser in Krupanj, Serbien

Mindestens fünfzig Menschen wurden getötet, zehntausende verloren ihre Häuser, über eine Million Menschen sind betroffen. Die Flutkatastrophe, die sich in den letzten Tagen und Wochen am Balkan ereignete, hat Städte und Dörfer in mehreren Ländern unter Wasser gesetzt, insbesondere in Bosnien und Serbien.

Westwinde versus Rossby-Wellen
„Wenn Luft zwischen heißen äquatornahen Gebieten und der kalten Polarregion strömt, bewegt sie sich nicht auf einer geraden Süd-Nord-Linie, sie wird durch die Corioliskraft aufgrund der Erdrotation abgelenkt“, erklärt Prof. Günter Blöschl  vom Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie der TU Wien. Wie Zahnräder greifen mehrere globale Luftbewegungen ineinander, in unseren Breiten beobachtet man normalerweise eine planetarische zonale Luftströmung von West nach Ost. Diese Strömung ist allerdings nicht völlig gleichmäßig, da die Corioliskraft sich mit dem Breitengrad ändert, wodurch sogenannte Rossby-Wellen entstehen, die sich nach Westen bewegen – in die Gegenrichtung zur vorherrschenden planetarischen Strömung.

In diesem Jahr war der Wassertemperatur-Unterschied zwischen den nördlichen und südlichen Regionen des Atlantik relativ gering – eine Situation, deren Wahrscheinlichkeit aufgrund der Klimaerwärmung steigt. Das schwächt die gewöhnlichen zonalen Westwinde, die Rossby-Wellen erzeugen eine dominantere Nord-Süd-Komponente der Luftströmung. Die Strömungen mäandern, dabei können Wirbel abreißen.

Diese abgerissenen Strömungen können dann stationär werden, und ungewöhnlich lange über einer Region verharren.  Genau das geschah in den letzten Wochen über dem Balkan. Regenwolken, die in gewöhnlichen Wettersituationen weiterziehen würden, blieben über dem Balkan gefangen und sorgten für gewaltige Niederschlagsmengen.

Gesättigte Böden
„Bereits über Monate waren die Niederschlagsmengen am Balkan relativ hoch gewesen“, erklärt Prof. Günter Blöschl. „Dadurch waren die Böden gesättigt, nur ein kleiner Teil des Niederschlags konnte einsickern.“ Besonders stark betroffen war der Donauzubringer Sava: Dort wurden Wassermengen mit einer Jährlichkeit von mehr als hundert Jahren gemessen – mit solchen Wassermassen ist also statistisch weniger als einmal pro Jahrhundert zu rechnen. Zum Hochwasser kamen noch zahlreiche katastrophale Hangrutschungen hinzu. „Die Situation am Balkan zeigt große Ähnlichkeiten zu dem Jahrhundert-Hochwasser in Österreich im Jahr 2013“, sagt Günter Blöschl. Wie sich Hochwässer in Europa ändern wird vom Team Prof. Blöschls im Rahmen des ERC Advanced Grants FloodChange untersucht.

Nachlese:
Die Hochwasserkatastrophe in Österreich 2013
Information zum ERC Advanced Grant-Projekt FloodChange


Nähere Information:

Dr. Rui Perdigão
Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie
Technische Universität Wien
Karlsplatz 13, 1040 Wien
T: +43-1-58801-22310
rui.perdigao@tuwien.ac.at

Prof. Günter Blöschl
Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie
Technische Universität Wien
Karlsplatz 13, 1040 Wien
T: +43-1-58801-22315
guenter.bloeschl@tuwien.ac.at